Es soll ja immer wieder Wunder geben. Derzeit gibt es Spritpreis-Wunder; oder? Es lebe die Sprit-Deflation! So einen niedrigen Liter-Preis hatten wir seit 2003 nicht mehr; sagt jedenfalls eine Statistik von damals.
Super-Benzin für einen Preis von vor fünf Jahren hat vor allem den Effekt, dass man seinen Tankwart wie selten zuvor gern sieht, ihn anlächelt und er so gern wie nie zuvor zurücklächelt. Als ich ihn nun jüngst zu dem historischen Tiefpreis von unter 1,10 Euro pro Liter Superbenzin darauf ansprach, sagte der, er könne sich fast nicht entsinnen, wann der Preis so niedrig lag. Dann versprach er sich freudsch - "vor drei Jahren". Ich zweifelte leicht an seiner These und er korrigierte, "nein 2003 meine ich natürlich". Ich zahlte für 36,36 Liter 39,96 Euro.
2003 lag der Preis für Super-Sprit also zuletzt bei unter einem Euro zehn. Machen wir einen Schritt zurück oder voraus. Wenn ich die Morgennachrichten im Radio - powered by Financial Times Deutschland - höre, dann weiß ich, wir leben auf einer verpufften Spekulationsblase. Der Preis wird wieder steigen. Klar. Aber es ist auch ein schönes Gefühl, dass Dinge zurückkehren, die man längst für Geschichte hielt. Zurück in die Zukunft oder vorwärts in die Vergangenheit.
Bislang war es doch so: Egal, ob man Energiekosten herunterschraubte, die Industrie hat sich die Rendite immer über Preiserhöhungen geholt, die Kosten stiegen. Logisch. Gas, Strom, Sprit, alles wurde teurer. Sparen war nicht vorgesehen und unmöglich. Jetzt gab's den Gegeneffekt. Er wird nicht lange andauern, denn das Erdöl-Export-Kartell will Mitte Dezember die Förderquoten-Menge reduzieren. Das soll den Preis wieder hochtreiben - von jetzt unter 50 US-Dollar pro Barrel Rohöl (159 Liter) auf gut 65. Ist das der reale Markt? Ich glaube nicht. Es ist der reale Kartell-Kapitalismus, der Kapitalismus der Geld-Regulierer, der Hedgefonds und Leerverkäufer.
Dagegen machen kann ich nichts; ich kann nur Statistiken aufstellen. Über das Kartell der Wunder. Und da gehört zur Wahrheit, dass ich 2003 den Spritpreis verhältnismäßig für genauso zu hoch empfand wie vor ein paar Wochen und Monaten, als wir fast 1,60 Euro pro Liter Superbenzin bezahlt hatte. Aber bis er wieder dort ist, habe ich meinen Spaß an aktuellen Kassenbons, die Preise von vor fünf Jahren aufrufen, aber von heute sind.
Hier gibt es eine Grafik der Benzinpreis-Entwicklung seit 1988.