Der Zusammenprall der Kulturen führt zu famosen Erkenntnissen und skurillen Begegnungen. Hier in
Marokko, dem Land der Berber und Araber, können sie gelassen und zurücklehend die
Fußball-WM in Südafrika betrachten. Das Königreich (
Mohammed VI. oder einfach M6) ist gar nicht erst qualifiziert, Erzrivale
Algerien frühzeitig ausgeschieden, Frankreich, die einstige Besatzungsmacht auch, Deutschland, das hier jeder zu lieben scheint, weil sie einen in den Basars beinahe auf hochdeutsch ansprechen, in der Runde der besten 16 und als nächstes gegen England tätig. Man freut sich auch hier darauf.
Eine große Kollision haben sie in Marokko hingegen ins Fernsehen verlegt. Denn da taucht passend zum Deutschland-Spiel gegen Ghana
Lothar Mattäus - unser aller ewiger Loddar - im ersten Programm als Fußball-Experte auf. Immerhin ist er damit im richtigen Ressort. Alles andere wäre von uns an Toleranz ja auch zu viel verlangt. Nur: Man weiß das hier in Marokko weniger; vielmehr wissen sie, Mattäus ist nicht der Apostel, sondern Weltmeister von 1990. Also mindestens so prominent wie seine Majestät M6.
Was der Loddar dann auch so sagte
zum Spiel der Alleman gegen Ghana war nichtg wirklich spielentscheidend. Wichtiger: Er war gut gekleidet, hatte also offenkundig gute Manieren und konnte zu jeder Frage reden. Was er gesagt hat, blieb ungehört; bei dem Krawall in jenem Café in Fes beim hiesigen public viewing.
Interessanter verläuft hier die Geschichte mit einem, der gar nicht anwesend ist; weder in Südafrika noch in Marokko; mit
Michael Ballack. Dazu muss man wissen, in den Altstädten der arabischen Welt, also auch in Marokko, ist es vielfach eng, stickig, die Luft dringt nur selten bis zum Boden vor, die Gassen geben wenig Blicke zum Himmel frei, weil sie gersäumt sind mit Läden, Menschen, Fahrzeugen und Tieren - beiderlei aller Art. Nun erklärt der geduldige Führer durch die Gassen, dass der Ballack hier ein vielverwendeter Ausruf ist. "Ja", und er lacht dabei. "Ballack ist ein arabischer Ruf und bedeutet: Weg da!" Meist rufen das jene Viehtreiber, die einen Esel oder ein Maultier vor sich herlaufen haben, um damit der Umgebung mitzuteilen, dass sie jetzt Platz brauchten, sie jetzt kämen, man jetzt Platz machen möge. "Ballack" eben.
Unser Altstadtführer - ein weltgewandeter Mann - kennt natürlich den deutschen Fußballer Ballack. Deswegen muss er auch schmunzeln bei der Geschichte. Ob die Berber und Araber, die ihr "Ballack" ertönen lassen, das auch so drauf haben, überliefert der Altstadt-Führer nicht. Dennoch: Ballack ist hier in den Altstadt-Souks Marokkos also ein ständig Erwähnter; wenn auch nicht als Fußballer. Als solcher ist er ja aber auch in Südafrika derzeit nicht tätig.