Freitag, 25. Juli 2008
Schmähschriften unter Alpha- und ... Geschrieben von Cujau
in Blogwelt um
15:21
Kommentare (8) Trackbacks (0) Schmähschriften unter Alpha- und Beta-TierenDiese Woche wurde der Stellungskrieg eröffnet; eine mediale Schlacht um Wahrheit und Wahrhaftigkeit zwischen Journalisten ("Der Spiegel") und deutschen Bloggern. Man kennt sich und hasst sich in tiefer Zuneigung. Auslöser ist eine Schmähschrift im so genannten deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter der Schlach(t)zeile "Die Beta-Blogger". Natürlich hat der Spiegel bewusst das Wort "Alpha" vermieden, weil ein "Alphatier" unter den Medien schließlich keinen neben sich duldet. ![]() "Spiegel"-Heft mit Blogger-Schmäh Heraus kam - auch in der Reaktion, dass ungefähr jeder versucht, aus seiner Perspektive die Bestätigung für seine Wahrheit zu finden und zu determinieren. Das gelingt dem "Spiegel" genauso wie Bloggern ganz gut. Und dahinter lässt es sich recht hübsch eingraben. Man sieht sich auf der jeweils anderen Seite im Recht und natürlich als der Bessere an. Worin auch immer. Auf jeden Fall im Polemisieren. Was ist nun an der Diskussion, die der "Spiegel" losgetreten hat, falsch? Selbst wenn der "Spiegel" überteibt oder falsch liegt, dann macht er nichts anderes als das, was Blogs auch gelegentlich gern tun - polarisieren, um die jeweilige Andersartigkeit herauszustellen. Also kämpfen alle mit gleichen Waffen. ![]() Die Schmäh-Schrift Webfotos (2): cujau.de Klar liegen die "Spiegel"-Eier falsch, wenn sie betonen, in Blogs würde die journalistische Sorgfalt vor die Hunde gehen. Denn die Frage lautet wohl eher: Wie bekommt man die journalistische Qualität wieder hin; besonders beim "Spiegel" und anderen so genannten "Qualitätsmedien"? Zudem aber legt es kaum ein Prozent der Blogs darauf an, einen so genannten Bürgerjournalismus zu betreiben; also können journalistische Maßstäbe für die überwiegende Mehrzahl der Blogs gar kein Gradmesser sein; vielmehr Originalität. Und darin sind sie wiederum mit Zeitungen oder Online-Medien eben nicht vegleichbar. Und was passiert: Die Szene tappt in die Falle und schmäht auf derselben Klaviatur wie sie geschmäht wurde, fühlt sich angesprochen und meint, der "Spiegel" habe unrecht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Relevant? Die Beta-Tiere beißen zurück. So ein Getöse hier wie da trägt kaum zur Wahrheitsfindung bei, aber es ist immerhin Unterhaltung; auch wenn der "Spiegel" zuspitzt, und es spielt keine große Rolle, selbst wenn der "Spiegel" meint, Leitmedium der Republik zu sein. Man sucht sich seine Argumente für seine Wahrheiten. So reflexhaft ist heutiger Journalismus; auch unter den neuen "Spiegel"-Machern von Blumencron und Mascolo. Es gibt wichtigere Sachen. Und die haben eine viel größere Relevanz. Ein bisschen mehr Gelassenheit und weniger Häme wäre also allerorten angebracht. Denn dass Blogs per se und generell besser sind, ist wohl kaum bewiesen; allenthalben bei einer Umfrage unter Bloggern eine solide mehrheitfähige These, gäbe es sie. Eine hübsche Wutschrift auf den "Spiegel", die amüsant zu lesen wie auch unterhaltsam wie informativ formuliert ist, hat der "Spiegelfechter" unter der Zeile "Beta-Journalisten und Beta-Blogger" verfasst. Gleichfalls sehr treffend fasst die Situation der Frei-Gen'er zusammen. YEP! Das sitzt. Großartig. Davon brauchen wir mehr. Wahrhaft gebrüllt wird hier. Montag, 21. Juli 2008Turi3 ...?Eigentlich ist Peter Turi als so genannter Kenner der Medienszene bekannt; wenn auch nicht flächendeckend wohlwollend. Dafür kennt er zu viele so genannte und selbst ernannte Macher der Medien und damit viele seiner Feinde persönlich. Das muss kein Grund für allgemeingültige Abneigung sein. Doch Turi, der von seinem Mediendienst behauptet, von bis zu 7000 Medienmenschen täglich gelesen zu werden (Eigenwerbung: "Die Leser von turi2 sitzen in ihren Unternehmen ganz weit oben - als Vorstände, Geschäftsführer, Verleger, Chefredakteure, Programmchefs, Online-Chefs, Marketingleiter. Sie verantworten in ihren Unternehmen die Konzeption, Gestaltung, Redaktion, Vermarktung, Analyse oder Werbebuchung von Medien oder die Markenkommunikation."), belegt seinen Hang zum schnellen Werbegeld für seinen Mediendienst "Turi2" durch recht dubiose Anzeigen. Wie diese (linke Spalte unter "Wanted"): ![]() "Turi2" mit "Come United"-Werbebanner (links) Webfoto: cujau.de Bei derlei Werbepartnern werden aber die so wichtigen Medienentscheider (siehe oben) eher verstört statt informiert. Aktuell wirbt etwa ein Portal namens "Come United"; um die Gunst genau jener Klientel, die Turi zu infornieren sucht: Eventmanager, Journalisten, Texter, Marketing-Menschen und andere Multipli- wie Kommunikatoren. Kennt der Medienprofi Turi dieses Angebot überhaupt? Nach seinem Selbstverständnis muss er das. Dann allerdings sieht es nicht gut um den omnipotent informierten Turi in dieser Sache aus. ![]() Kommt zusammen: "Come united"-Homepage Webfoto: cujau.de Nur: "Come United" besteht aus so gut wie keinem Eintrag; besticht durch schlechtes Deutsch auf der Homepage. Im Impressum wird unter dem Stichwort "Redaktion" kein Mitarbeiter genannt, sondern mal fröhlich drauflosdilletiert: "blablabla". Aha. Welcher seriöse Medienmensch von Turis vier- bis fünftausend Lesern beißt hier eigentlich an? Was hat Turi davon, dass er solche Werbekunden in seinem Portfolio hat - mehr als Geld kaum. Eher wird sein Image weiter angekratzt. Denn bei Stefan Niggemeier, dem Macher von "Bildblog", stößt Turi auf wenig Gegenliebe, wie einer der aktuellen Beiträge belegt. Ähnlich - um es wohlwollend zu sagen - kritisch kommt Turi in Don Alphonsos "Blogbar" weg; mal ganz abgesehen von solchen Verissen. "Come United" will ein Stückchen des Web-2.0-Kuchens abhaben; versucht sich als Portal im "Vz"-Format; anmelden und warten, dass noch einer vorbeikommt. Wollten sie das professionelle Netzwerk "Xing" kopieren wollen, dann dürften sie gscheitert sein, bevor sie angefangen haben. Anders kann man den Versuch nicht deuten. Kostenlos anmelden solle man sich. Das verheißt der Werbebanner auf Turis Seite. Man würde dadurch Werbung in eigener Sache betreiben. Perfekte Anti-Werbung wohl eher. ![]() Ein Fuchs der Herr Fox? Webfoto: cujau.de "Come United" ist dann auch noch als Name ein böser, gehoppelter Anglizismus auf deutsch; denn kommt zusammen oder schlicht sich treffen, heißt nun einmal "get together" und weniger "come united". Das Archiv der Webseite weist nur einen Monat auf: März 2008. Einen Inhalt dazu sucht man vergebens. Als Betreiber der Seite ist ein Alexander Fox aus dem bayerischen Erding, (Eigenwerbung: "altbayerische Herzogstadt"), nordöstlich von München gelegen, registriert. Kann es sein, dass Turi mit seinem 2.0-Webgetöse Geldsorgen hat? Sieht ganz so aus. Oder braucht er Bares für Turi3? Oder lauert hier etwa Turi3? Dienstag, 15. Juli 2008Gebloggt mit 108Von den vielen Dingen erfährt man erst, wenn es sie nicht mehr gibt. Für Menschen gilt das genauso, wenn sie durch das, was sie taten, das werden, was sie sind - postum berühmt. Für die wohl älteste Bloggerin der Welt erzeugte erst ihr Tod die weltweite Netzberühmtheit. Die Australierin Olive Riley starb vorigen Sonnabend; im Alter von 108 Jahren - einhundertacht. Jawohl! 108! ![]() Startseite von Olive Riley Webfoto: cujau.de Die 1900 geborene Dame haute also die letzten Jahre ihres Lebens in die Tasten gehauen, die eigentlich für Menschen oberhalb der 50er-Jahre-Grenze nicht das Leben, sondern eine unverständliche Welt bedeuten. Olive hat gezeigt, dass es sich lohnt, an der Welt angeschlossen zu bleiben. Viele Menschen, die nicht mal halb so alt sind wie sie, geben an dieser Stelle auf. So unverständlich ist diese Welt also doch nicht, wenn man Olive Riley folgt. Die Welt im färbt ab; sie belebt den Geist und hält hellwach. Vielleicht hat sie das Leben das Blog-Oma aus Australien nicht verlängert, verkürzt haben dürfte sie es aber auch kaum haben. Laut ihrer eigenen Statistik hat die dame 71-mal über ihr Leben berichtet oder berichten lassen, wenn ihr die Kräfte fehlten. Der 72. Post handelt von ihrem Tod. Im Februar 2007 hatte Olive angefangen. Nun hat sie sich im Netz verewigt. Das bleibt als ihr ewiges Verdienst. Hier ein kleiner Film über die Hochalter-Bloggerin: Montag, 25. Februar 2008Castro 2.0
Nach 50 Jahren dankte vorige Woche Fidel Castro auf Kuba ab. Sein Rücktritt geschieht im Angesicht seiner schweren Krankheit; also weniger aus Einsicht.
So kann auch die Nachfolge kaum von Einsicht gelenkt worden sein. Denn auf Castro folgt Castro. Der König ist tot, es lebe der König. Fidel geht, Raul kommt. Die Revolutionsbrüder haben 1959 das Regime des brutalen Batista davon gefegt. Statt einer Volksherrschaft installierten sie sich selbst. Was von Fidel Castro übrig bleibt, ist das Verdienst, dass er zehn US-amerikanische Präsidenten zur Verzweiflung brachte und überlebte - von Eisenhower bis George W. Bush; von Republikaner zu Republikaner. Was für eine Ironie; die Republikaner haben ihn nicht zu Fall bringen können, immerhin stellten sie ja die meisten US-Gegenspieler (Eisenhower, Nixon, Ford, Reagan und zweimal Bush). Ein Castro geht, ein Castro kommt, ein Castro bleibt auf Kuba. Wenn auch ein anderer. Castro 2.0. Die Politik wird davon kaum berührt sein. Raul Castro stand die 50 Jahre neben seinem Bruder Fidel, hielt ihm die Treue, stützte dessen Macht und hinderte ihn nicht an den Repressalien an der eigenen Bevölkerung, sondern beförderte sie mit. Eine Wende auf Kuba wird es mit Raul Castro nicht geben können; allerhöchstens eine Hoffnung der kubanischen Machtlelite, dass sie von ihrem Steinzeit-Kommunismus eine Wende hin zum liberalen Machtsystem nach chineischem Vorbild einleiten. Für ein Ziel: den Machterhalt der Kommunisten. Eine ewige Castrokratie. Für das kubansiche Volk bedeutet Raul genauso wenig Freiheit und Freiraum wie Fidel Castro. Dennoch gibt es einen Blick hinter die Kulissen. Das Blog von Yoani Sánchez namens "Generation Y" ist ein Beispiel dafür. Eine Analogie zu Generation X, der Ausbrecher-Generation der frühen 90er Jahre. Die 33-jährige Yoani schreibt auf ihrer Seite über einen Alltag; ungeschminkt, manchmal komisch, machmal traurig, manchmal melancholisch und manchmal einfach nur über das Leben in Kuba mit seinen Mängeln an so gut wie allem, was das Leben braucht. Zu lesen gibt es das lesenswerte Blog in englisch, auf spanisch oder auf deutsch. Yoani bietet somit Kuba 2.0 und nicht das Castro-Regime. |
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