Montag, 7. Dezember 2009Kommentare (0) Trackbacks (0) Ein bisschen Zeitung - niiuEine taz, eine FR, eine Morgenpost, ein bisschen Klatsch - alles in einer Zeitung. Das Projekt - vielfach seit Monaten besprochen - heißt niiu, vielleicht deshalb, weil man niemals eine Zeitung so nennen würde; allerhöchstens ein Portal im Internet. Niiu - etwa eine Lautmalerei aufs englische new - neu oder news - Nachrichten. Alles neu jetzt, oder hau? Also was genau das bedeuten soll, weiß nicht mal Wikipedia, und das soll ja eigentlich beinahe alles wissen. Aber eben nur beinahe.
Und damit wären wir schon beim Produkt, Projekt oder der Patchwork-Gazette namens niiu. Sie wurde am Freitag geliefert, am Sonnabend und heute am Montag. Freitag rechtzeitig zum Geburtstag meiner Liebsten - eine Geburtstagszeitung mit eigenem Foto, dem richtigen Datum für das runde Feierfest. Und das gehlört schon zu den positiven Nachrichten im Detail. Alle drei Tage kam meine eigene gedruckte Zusammenstellung; nur zu reichlich unterschiedlichen Tageszeiten; die erste Freitag morgen, die zweite Sonnabend nachmittag, die dritte Montag vormittag. Dass es einen Wirtschaftsteil dann nicht gibt, wenn Sonnabend ist und man dennoch einen Wirtschaftsteil bestellt hat, darauf wird man nicht explizit hingewiesen. Ich weiß, das hätte ich wissen können (müssen). Nur darum geht es hier nicht. Auch ist die Reihenfolge der einzelnen Seiten im Ressort so innovativ wie wild durcheinander geraten. Einer Seite 10 der FR-Politik folgt eine Seite 5 des Tagesspiegels und anschließend eine Seite 4 - die Aufmacher-Politik-Seite - der FR. Die zweite Sportseite des Tagesspiegels liegt vor der ersten, eine nicht bestellte BZ-Titelseite erscheint mittendrin bis ziemlich am Ende in meiner Zeitung, dafür bleibt man mir den Lokalteil der Morgenpost schuldig. Bei niiu bekommt man alles ein bisschen: Ein bisschen taz, ein bisschen Morgenpost fürs Lokale, ein bisschen Frankfurter Rundschau fürs Feuilleton oder der Politik, ein bisschen Tagesspiegel für den Sport - in der Summe keine komplette, sondern in allem ein bisschen Zeitung. Und nicht zehn Zeitungen in einer, sondern zehn Ressorts verschiedener Zeitungen. Das kann spannend sein, oder soll es wirken. Niiu - eine Abkürzung für Häppchen-Journalismus? Der Reiz besteht ohnehin nicht darin, selbst Herausgeber spielen zu dürfen, sondern darin, aus verschiedenen Zeitungen die Stärken zu kondensen. Zumindest von denen, welche in das Projekt involviert sind mit ihren redaktionellen Inhalten - wohlweislich nicht ganz ohne Gedanken an eine spätere Nachnutzung durch den niiu-Konsumenten. Reibungsverluste lauern überall. In Ausgabe 1 fehlte komplett der Sportteil, in Ausgabe 3 das Morgenpost-Lokale, gab es bei den Internet-Inhalten sinnfreie Kommentarabdrucke Marke "Re: ähhhhhhh" mit Angabe des Urhebers und der Quelle - in dem Fall dem Nachrichten-Feed von kicker.de, und das gleich zweimal, oder jene Meinungsäußerung "Dallas - Du Scheißkerl". Das Internet wimmelt von Bauchkommentaren dieser Art. Und bei niiu kriegt man davon eine Verstimmung bei ensprechender Empfindlichkeit, wenn das dann so unvermittelt daherkommt. Eine Redaktion bei niiu scheint da nicht drüber zu schauen. Das sollten sie aber schleunigst. Schließlich drucken sie Inhalte auf einer eigenen Projektionsfläche - und so werden Inhalte auch gegendarstellungsfähig. Noch ist man sich bei niiu wenig schlüssig über die Gestaltung der Zeitung; abgesehen von der Titel-Marke. Auf der ersten und der letzten Seite werden im Fließtextverfahren, nur unterbrochen von Rubriken-Hinweisen, von oben links nach unten rechts Internet-Inhalte abgedruckt wiedergekäuert. So wurde Zeitung vor 180 Jahren gemacht - layoutresistent. Das Titelbild war die ganzen drei Tage gleich - ein hellerleuchtetes Brandenburger Tor bei Nacht. In ihrer Rund-Mail vom Wochenende an die Leser - die erhielt ich sicherheitshalber gleich neunzehnmal - teilten sie mit: "Nachdem die gröbsten Herausforderungen in der niiu behoben wurden bleiben noch unendlich viele Weiterentwicklungsideen für Portal, Mantelseiten und Verlagsseiten. Insbesondere das Titelbild 'Brandenburger Tor' können wir nicht mehr sehen. Wir haben schon von Anfang an geplant dieses durch ein tagesaktuell wechselndes Bild zu ersetzen. Das wird nun kurzfristig umgesetzt." Grob gesagt, eine eher späte Erkenntnis. Denn die Leser sollten am Produktwerdungsprozess nur insofern beteiligt werden, als dass sie Hinweise und Wünsche für die Zukunft ja äußern können, nicht aber ihnen gesagt wird, was alles schief läuft momentan. Was läuft denn noch so alles schief, sei dann mal sofort meine nächste Frage. Es ist durchaus spannend, die Titelseite der taz zu lesen, danach den Leitartikel der FR und den Sportkommentar zu Hertha BSC - alles in einem Blatt, zwischen Titel- und letzter Seite. Und hübsch wirkt auch, dass ich der Zeitung einen eigenen Titelnamen geben kann. Ich habe sie - völlig wertfrei und dafür umso mehr umgebungsanlehnend - "Märchenbrunnen" genannt. Und dann sehe ich auf meiner niiu-Portalseite, dass sie sich jetzt für ein neues Titelbild entschieden haben. Viel Ozeanwasser mit einem Boot. Na dann, Mast und Schotbruch! Oder droht die Klimakatastrophe? Oder von beidem ein bisschen? Mittwoch, 26. November 2008Spocht-Spiegel 11/2008Was wird nur aus dem Fußball? Ein Debattierklub von Lieblingsfeinden offenbar. Denn immer häufiger prallen Trainer und so gerufene Führungsspieler medienwirksam aufeinander. Heraus kommt ein dicker Klumpen Streit und wenig Kultur. Von der Dauerfeindschaft zwischen Michael Ballack und Bundestrainer Joachim Jogi Löw wissen wir spätestens seit den Tagen der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz im Juni. Als damals nach der Vorrundenniederlage gegen Kroatien (1:2) der Jogi seinen Löwen frei gab, wunderte das Ballack öffentlich und laut. Der wollte nämlich eine Aussprache ob der schwachen Leistung und schiweirigen Lage im Juni. Dann der Eklat des Kapitäns mit dem Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien. Ballack wollte nicht in die Fankurve laufen und sich trotz der Niederlage bei den Fans bedanken. Seitdem gilt das Binnenverhältnis von Ballack zu seinen unmittelbaren DFB-Vorgesetzten als schwierig, ja unkittbar. Denn eigentlich hatten sich Ballack und Löw, nachdem der Görlitzer sich im Streit zwischen Torsten Frings und dem Bundestrainer auf die Seite seines Mittefeldkollegen aus Bremen schlug, ausgesprochen. Man wolle nicht mehr erst in der Öfentlichkeit übereinander diskutieren, sondern erst untereinander. Punkt. Nun aber hatte Ballack am Wochenende in einem Premiere-Interview seine Vorgehensweise in der Löw-Auseinandersetzung verteidigt. Viele Beobachter sehen darin einen Verstoß gegen das Friedensabkommen mit Löw. Ist der Waffenstillstand einseitig gebrochen worden? Der allmächtige Kaiser, genannt Franz Beckenbauer, forderte jetzt in einem Machtwort in der Machtzeitung "Bild" "RUUUUUHHHEEEE!!!". Er warne, wie der Tagesspiegel heute schreibt, vor einer "unendlichen Geschichte". In dem "abgehakten Streit" hätte, schreibt der Tagesspiegel weiter, neue Diskussionen provoziert. Ja und? Ballack hat nur noch einmal seine Motivation deutlich gemacht, warum er so handelte wie er gehandetl hat. Und das hatte er vorher Löw erklärt und jetzt der Öffentichkeit. Also hielt der den zwicshen ihm und Löw vereinbaten Dienstweg ein; nur der Kaiser erkennt das nicht. Dann muss es ihm einer sagen. Fragt sich nur, wer sich traut? Torsten Frings vielleicht? Und nochwas: Wer hakt eigentlich irgendeinen Streit ab, wo es keinen gab? Ach ja, der Kaiser. Gut, dass wir einen haben. Hertha BSC brauchte auch einen. So einen Basta-Kaiser. Seit Monaten schwelt der Dauer-Zoff zwsichen Marko Pantelic und Trainer Lucien Favre, einem schweizerischen Feingeist mit Hang zur Grobkörnigkeit in der zwischenmenschlichen Behandlung. Den Hertha-Torjäger (100 Bundesligaspiele/41 Tore) hatte er zuletzt auf die Ersatzbank verbannt und andere stürmen lassen. Favre darf das. Warum er das macht, hat er seinem Pantelic nicht erklärt. Deshalb schmollt der, lässt seinen Anwalt im "Berliner Kurier" sagen, Favre mobbe Pantelic, den Serben, der auch Nationalspieler seines Landes ist. Schon kurz nach seinem Arbeitsbeginn im Juni 2007 hatte Favre, der frankofoner Schweizer ist, verlauten lassen, er könne mit Pantelic nicht viel anfangen. Und hier beginnt das Mobbing schon; im Sommer 2007. Warum spricht er dann nicht offen aus, dass er mit Pantelic nicht kann? Das wäre fair und kein Mobbing, sondern eine Meinugnsäußerung unter Männern. Sind das jetzt keine Männer mehr? Ach ja, die sollen ja aussterben. Offenbar läuft das Aussterben schon. Im Berliner Kurier zählen sie schon die Tage von Pantelic bis zu dessen Vertragsende dort kommenden Sommer herunter. Noch 216 - Countdown in Berlin. Fragt sich nur, wer als nächster hochgeht. Übrigens: In der "Bild" schlägt man sich - zumindest mit der Schlagzeile - auf die Favre-Seite. So sind die Schützengräben also abgesteckt. Einer ist ja im Dauerhoch: Lukas Podolski. Von seinem einstigen WM-Mentor Jürgen Klinsmann nun auf der Bayern-Bank eingesetzt. Es heißt nur noch "Er nervt". Dieses Verhältnis gilt also auch als gestört, vielleicht unkittbar. Und unlösbar. Denn man meldete aus Köln: Winter-Transfer abgesagt. Podolski muss bleiben - sitzen bleiben. In München. Gute Besserung. Dienstag, 25. November 2008Spocht-Spiegel 10/2008Einer muss gehen, der andere will gehen. Wie dicht Armin Veh und Lukas Podolski beieinander liegen, zeigt, dass niemand so richtig glücklich ist. Der eine (Veh) wurde wegen Erfolglosigkeit als Trainer des VfB Stuttgart entlassen. 2007 war er noch der Motivator für die jungen Wilden der Schwaben und wurde mit ihnen Deutscher Fußball-Meister. Hernach begann der Absturz. Vorläufig sind sie auf Paltz 11 der Bundesliga hart aufgeschlagen. Alles andere mechanisiert die Branche seit ihrer Gründung selbst - Rauswurf. Im Berliner Tagesspiegel findet man einen Anlass, das noch einmal zu resümieren. Wie einen langen Schatten gäbe es den "Fluch der Meisterschaft". Der Autor findet, es sei logisch, dass Veh rausflog - "leider", wie er schriftlich seufzt. Der andere (Podolski), ein deutsch-polnisch Hin-und-Hergerissener, will den FC Bayern München verlassen. Seinen Stammplatz hat der Jungnationalspieler - jung wegen seines Alters von 23 Jahren, nicht wegen seiner 60 Länderspiele - auf der Ersatzbank. Luca Toni und Miroslav Klose haben einen gehörigen Vorsprung in der Gunst von Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann. Die Berliner Zeitung findet in ihrer heutigen Ausgabe: "Er nervt" - nicht Klinsmann, nein Poldi. Ja. Das nervt. Ist der jetzt schon bei den Bayern und immer noch unzufrieden. Das muss man dann erstmal hinkriegen. Montag, 30. Juni 2008Kommentare (2) Trackbacks (0) Ein Schweizer blickt zurückEinen wunderbar lesbaren wie herzhaft bissigen Rückblick auf die Fußball-Europameisterschaft 008 in der Schweiz und Österreich hat der Autor Bruno Ziauddin in der schweizerischen Wochenzeitung "Weltwoche" geschrieben. Der Mann ist Schweizer und zeigt das auch. ![]() Die Webseite des Weltwoche-Beitrages von Bruno Ziauddin. Webfoto: cujau.de Zu einigen Stichpunkten ließ er sich recht treffende Sätze einfallen; natürlich zu seinen Schweizern. Aber auch zu den Deutschen, zu welchen er durchaus ein gespanntes Verhältnis pflegt, wie ich an dieser Stelle schon einmal angemerkt hatte. Jetzt kürte eben jener Autor in der Weltwoche-Kolumne "Gemischtes Doppel" das 1:0 der Deutschen gegen Portugal im Euro-008-Viertelfinale zum "Tor des Turniers" und schreibt dazu: "Fünfzig Meter, fünf Stationen, zehn Sekunden: Der Führungstreffer der Deutschen gegen Portugal hatte die Dynamik einer Kernspaltung." Wie lieb sind die denn?! Montag, 9. Juni 2008ZDF flankiert SpringerVor dem EM-Spiel gegen Polen war gestern Abend für das ZDF nach dem Krawall - nach dem in den Medien. Da hatten in den Tagen zuvor zwei polnische Blätter ihre Nation auf das so wichtige erste Spiel bei der Euro 2008 gegen Deutschland eingestimmt. Geschmacklich durchaus diskutabel. Also musste das ZDF dieses Aufwärmen vor dem Anpfiff noch einmal rückblickend betrachten, anmoderiert durch Sender-Zugpferd Johannes B. Kerner von der Fanbühne des Senders im österreichischen Bregenz. Polnische Medien hätten eine Medienschlacht entfacht gegen die Deutschen; es kamen TV-Beitrag neben Bundestrainer Joachim Löw, ehemalige polnische Fußballnationalspieler, der niederländische Trainer der Polen, Leo Beenhakker, zu Wort und sollten sagen, wie sie darüber dachten. Soweit so gut. Gänzlich unerwähnt ließ das ZDF jedoch, dass diese polnischen Blätter, in denen die Köpfe von Ballack und Löw gefordert wurden, in denen Beenhakker das Schwert schwingend Ballack den Schädel zertrümmern sollte, aus einem deutschen Haus wirtschaftlich verantwortet werden - aus dem Axel-Springer-Verlag. Der schaukelte mit dieser Aktion in beiden Ländern die Auflage hoch. Diesen Hintergrund ließ das ZDF einfach so weg. Kein aufklärendes Wort, kein HIntergrund, dass hier der mächtigste Verlag Europas diese Schlacht auflagenträchtig inszeniert hat. Es hätte wohl nicht ins Bild gepasst über die Stimmung der "polnischen Medien" gegen die Deutschen. Passt es vielmehr dazu, dass das ZDF beste Beziehungen zum Springer-Verlag unterhält? Ex-ZDF-Intendant Dieter Stolte wurde hernach Herausgeber der Berliner Morgenpost und der Welt - beides Springer-Blätter. Ein Zufall, dass man jetzt weiter gegenseitigen Flankenschutz ausübt? Donnerstag, 5. Juni 2008EM-Brand-BeschleunigerWenn es also solche Filmchen als Brandbeschleuniger für klischeetreibende EM-Vorbereitungen gibt, die von der Wettfirma Froozee vor der für die deutsche Mannschaft ersten Euro-008-Partie gegen Polen, dann sollte man es eigentlich sportlich nehmen, dass die andere Seite kontert - wenn auch reichlich geschmacksfrei - so wie das die polnische Boulevard-Sport-Zeitung Super Express oder der polnische "Bild"-Ableger Fakt machen - beides Blätter aus dem deutschen Hause Springer. ![]() Beenhaker köpft Ballack - nicht ins Tor! ![]() Beenhakker als Schlächter von Polen Den Hintergrund zu den Medienschlachten und der polnischen Presse selbst liefert hier "Spiegel Online" unter der Schlagzeile: "Polnische Zeitung eröffnet Fußball-Medienschlacht", origineller Weise eine Gazette aus dem Hause Springer. Mit ihrem deutschen Fakt-Blatt "Bild" jammern sie in umgekehrter Richtung heute schon mal so richtig auf: "Polen und Ösis - die ersten Giftpfeile gegen uns". Und heute legen sie bei Bild.de nach: "Hetze gegen unsere EM-Mannschaft: Polen eröffnen Fußball-Krieg". Wenn überhaupt, dann, wie Spiegel Online schreibt, die Medien und nicht die Polen. Wie überaus unoriginell das jedoch aussehen kann, zeigt diese Seite von Super Express mit den geköpften Ballack und Löw. Hübsch geschmacklose Inszenierung mit Springers doppelter Moral und erstes Eigentor der Deutschen. Freitag, 30. Mai 2008Magazin-Titel als Werbehülle/Spochtspiegel 9/2008
Jeden Freitag liegt der "Süddeutschen Zeitung" ein so genanntes Supplement, das "Süddeutsche Zeitung Magazin", bei. Es ist ein unterhaltsames Hochglanz-Heftchen mit vielen netten und hübschen und tragischen Geschichten, kniffligen Rätseln und ein bisschen Werbung.
![]() Titelblatt als Werbe-Hülle - Außenseite Das neueste Heft wartet mit einer werbetechnischen Innovation auf. Die Titelseite des Heftes mit der Nummer 22 wurde zum Couvert umfunktionert. In dieser Hülle liegt dann ein Hochglanz-Flugblatt der US-Sportartikel-Firma Nike. Man verweist auf einen Marathon-Lauf am 31. August, einer, der weltweit an diesem Tag gestartet werden soll. ![]() Titelblatt als Werbe-Hülle - Innenseite Jene Art der Werbung hat es so noch nicht gegeben. Denn man ist quasi auf der Titelseite vorhanden und gleichzeitig verhüllt. Diese Couvert-Funktion des Titelblattes mach es möglich. Was es mal gegeben hat und damit vergleichbar wäre, war jene Titelseite des Berliner "Tagesspiegels", den die Zeitung im November 2004 der Kette "H&M" verkaufte - komplett. Darunter war dann aber die richtige Tagesspiegel-Titelseite. Eine damals kontrovers diskutierte Art der beiderseitigen Vermarktung. Übrigens sehr empfehlenswer ist die Geschichte über den Vorstandsvorsitzenden des Fußball-Rekordmeisters und -Rekordpokalsiegers FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge. In "Das Prinzip Rummenigge" beschreibt Autor Andreas Bernard wie Rummenigge den Weltenmann geben will, es aber irgendwie nicht so recht schafft damit. Nach der Titelstory über Oliver Kahn zu dessen Abschied vom Fußball wieder eine Fußballstory, die so gar nicht ins Klischee des Fußballs passt. ![]() Kahn als SZ-Magazin-Titel Fotos (3): cujau.de Mittwoch, 21. Mai 2008Kommentare (0) Trackbacks (0) Ballack wie Lehmann / Spocht-Spiegel 9/2008Michael Ballack fehlt uns; auf Mallorca. Die einzige internationale Größe in der deutschen Mannschaft darf sich heute noch vor der Euro international titeltaumelnde Träume erfüllen - den Champions-League-Pokal mit dem FC Chelsea gegen Manchester United. Die "Berliner Zeitung" hat daran gleich doppelt Freude; auf Seite 3 skizziert sie den Weg Ballacks an die Spitze der Hierarchie beim Londoner Milliardärsklub des Roman Abramowitsch und titelt vom "König von Chelsea", bevor er nächsten Montag der "König von Mallorca" wird und zur deutschen Mannschaft stößt. ![]() Statt König von Mallorca Herrscher von Chelsea Foto: cujau.de Ballack erlebt damit das selbe, was auch Jens Lehmann vor zwei Jahren durchgemacht hatte, als die frisch bestimmte deutsche Nummer 1 mit dem FC Arsenal im Champions-League-Finale gestanden hatte, bevor er dann ins Trainingslager vor der WM auf Sardinien nachreiste. Die deutsche Mannschaft wird Ballack die Daumen drücken; dann hätten sie schon mal das Gefühl eines internationalen Titels ganz dicht bei sich. Lehmann kam vor zwei Jahren mit leeren Händen aus Monaco vom Endspielort. Ein Fehler von ihm hat Barcelonas Sieg von damals befördert. Geschadet hatte es hernach der detuschen Mannschaft nicht; man wurde ja immerhin WM-Dritter. ![]() Sir United Foto: cujau.de Im tatsächlichen "Sportteil" haben sie eine Hymne auf Sir Alex Ferguson angestimmt und den Gegner von Ballacks Klub Manchester United gleich mal umgetauft: "Der fantastische FC Ferguson". Das darf man, wenn man bedenkt, dass der weise Sir bereits seit 1986 auf der dortigen Trainerbank sitzt und seinem zweiten Champions-League-Titel nach 1999 entgegen strebt. Ballacks Schaden und der der deutschen Mannschatf soll es nicht sein; wie Lehmann ja vorgemacht hatte. Dienstag, 20. Mai 2008Spocht-Spiegel 8/2008Zwei Berliner Zeitungen haben heute die Fußball-Bundesliga-Saison samt Hertha BSC ins Archiv verpackt. "Tagesspiegel" und "Berliner Zeitung" sind im Euro-Fieber für das Alpen-Turnier und geben uns von ihrem Fieber reichlich ab mit zwei Helden der WM von vor zwei Jahren: Torsten Frings ("Tagesspiegel": "Wir sind weiter als vor zwei Jahren") und Bastian Schweinsteiger ("Berliner Zeitung": "Irgendwann muss das ein Ende haben"). Etwas hölzern bis nüchtern, ja aufreizend sachlich geht es mit Frings zu. Sein Satz aus der Schlagzeile hätte demnach gar vom Budnestrainer oder Oliver Bierhoff stammen können, so bräsig kommt er daher. Für seinen besonderen Witz und Charme ist Frings ohnehin nicht bekannt. Immerhin verrät er Emotionen. Noch immer wurmt ihn, ja treibt ihn Wut um, dass er vor zwei Jahren das WM-Halbfinale sanktionierterweise gegen Italien von der Tribüne aus erleben musste. Wegen seines Hiebes nach Abpfiff des Viertelfinals gegen Argentinien, das die Deutschen ja gewonnen hatten. Tagesspiegel und Frings passen also recht gut zusammen. ![]() Tritt Scheini nach Frings? Verbal siegt er jedenfalls. Das darf bei Schweinsteigers Worten in der "Berliner" ähnlich gelten. Man plaudert erstmal klein daher, redet übers Skifahren, darüber, dass der "Basti" mal vor Jahren schneller auf den Brettern bei einem Wettkampf war als der derzeitige beste deutsche Skirennläufer Felix Neureuther. Man hat es also einer Laune zu verdanken, dass Schweinsteiger noch den Fußball entdeckt hat oder der Fußball ihn. So genau ließ sich das nicht mehr rekapitulieren. Alles nett im Plauderton. Jetzt ist er 23, so wie 18 könne er nicht mehr sein, die Zeiten ändern sich, man sei nicht mehr so unbekümmert - mit 23. "Nee" kommt gleich zweimal nacheinander als einleitende Rechtfertigung Schweinsteigers vor. Bis zur Favoritenfrage kommen sie schon noch; und da wirds dann doch staatstragend, stromlinienförmig, klar sei man einer der Favoriten, neben Italien oder Frankreich oder Holland oder Portugal. Es könnte also auch Platz 4 herausspringen. Immerhin mehr als vor vier Jahren. Da war nach der Vorrunde mit Platz 3 in der Gruppe (Tschechien, Niederlande, Lettland) Schluss, so wie vor acht Jahren. Ein Schicksal, das die Deutschen von den Favoritennationen exklusiv besitzen - abgesehen von England, die mal gar nicht dabei sind und deshalb kein Favorit mehr sein konnten. ![]() Warum gerade ich? Timo Hildebrand in der heutigen SZ Mit Vorfreude kann Timo Hildebrand, der ausgebootete Torhüter, nichts mehr anfangen. Bei ihm hat sie aufgehört, bevor sie beginnen konnte. Der Bundes-Jogi wollte ihn nicht dabei haben - und ließ über seinen Abjutanten-Köpke die unfrohe Botschaft verbreiten. Dass Hidlebrand im fernen Valencia am Morgen des 17. Mai wenig amüsiert sein musste, liegt wohl auf der Hand. So wenig, dass er nicht sprechen konnte - bis heute nicht, wie die "Süddeutsche Zeitung" heute darlegt. "Warum nur, Andy, warum?", vergrübelt sich Hildebrand und sieht auch verfangen in seiner Verlorenheit aus. Absturz der Nummer 2 ins Niemandsland aller deutschen Torhüter. Bitter bleibt wohl, dass Löw es ihm nicht selbst gesagt hat oder nicht sagen konnte; so wie er den noch drei verbliebenen Streichkandidaten die hässliche Nachricht nicht ersparen, aber durch andere überbringen lassen wird; wetten? ![]() Aktuelle Kicker-Ausgabe mit Mercedes-Kampagne zur Euro 08. Mit dem aussortierten Timo Hildebrand (4. von links) Hier posierten sie noch fröhlich für den Bergruf nach dem EM-Titel in in einer Anzeige einer aktuellen Kampagne des DFB-Werbeflagschiffs Mercedes - im aktuellen "kicker"-Heft ... ... vom 19. Mai 2008 in Leni-Riefenstahl-Ästhetik. Hildebrand ganz dicht schräg links hinterm Alpen-Jogi (3. von links); mit einem leichten Lächeln. So nah kommen sie sich nie wieder. Hildebrand hat seine vier Jahre als Nummer 2 lächelnd ertragen. So war es immer. Und da dachte dann wohl auch Löw, so wird das nichts. Und es wurde nichts mehr. "Vor Euch liegt ein schwerer Weg. Aber Ihr geht ihn nicht allein." Für Hildebrand gilt dieser Kampagnen-Slogan nicht mehr; seinen Abstieg vom Alpen-Panorama musste er vorfristig antreten; vor dem Gipfel und allein. ![]() Der Jogi (links) und der verstoßene Hildebrand - So nah wie nie wieder. Fotos (5): cujau.de Dumm nur für Mercedes und den "kicker". Die Anzeige ist bezahlt; also muss sie veröffentlicht werden. Einen neuen Bergruf-Fototermin konnte der DFB zwischen vorigem Freitagfrüh und der Drucklegung des Fußball-Fachorgans nicht mehr zwischenschieben. Das nennt man dann wohl Super-GAU - für Mercedes und den "kicker". Denn welcher Leser will ernsthaft unterscheiden, wer jetzt hier die Schuld trägt. Für den Leser zuvorderst das Medium. Oder doch der Jogi? Donnerstag, 15. Mai 2008Kommentare (0) Trackbacks (0) Spocht-Spiegel 6/2008: Embedded RiberyTja, so läuft das mit Interviews: Man führt sie als Zeitung oder Zeitschrift mit einer prominenten Person und soll sie vor dem Abdruck noch einmal gegenlesen lassen von dem Interviewten. Das ist Alltag im Print-Mediengeschäft. Beim Fernsehen sind die Sätze gesagt, sie sind raus, nichts kann mehr gegengelsen werden. Darum beneiden die Zeitungsredakteure ihre Kollegen von den elektronischeren Medien. Wie auch immer. Den vorerst jüngsten Wirbel um ein Interview gibt es nun um Frank Ribery, den französischen Vize-Weltmeister, Ballkünstler, legitimen Zidane-Erben. Im Interview für die vorige Wochenend-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" hatte er einige brisante Sachen über seinen Arbeitgeber, den FC Bayern München gesagt; jedenfalls brisant für dei Führungsetage des Vereins. Er sehe in der Champions League der kommenden Saison nur eine reale Chance für den deutschen Rekordmeister, wenn dieser weiterhin prominent einkaufe. Übersetzt hieß das, Ribery findet den aktuellen Kader des FC Bayern nicht champions-league-titel-fähig. Soweit die Meinung des einzelnen Herrn Ribery. Das wäre auch alles nicht weiter schlimm gewesen, zumal die Bayern mit dem Weltmeister Gennaro Gattuso zumindest für die Mittelfeld-Defensive einen durchaus titelverdächtigen Geheimwaffe vom AC Mailand (Champions-League-Sieger 2007) umschwärmen. Das aber war der Führungs-Elite des FC Bayern um Chef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Franz Beckenbauer zu offenherzig; jedenfalls fand das die Kommunikationsabteilung und ließ diese Passagen aus der Originalabschrift des Interviews der "Süddeutschen" streichen. Das muss ironischerweise als vorauseilender Ungehörsam gelten, denn selbst Beckenbauer hat mehr Qualität in seinem Spieler-Ensemble angemahnt. Ribery redet also in der Sprache Beckenbauers; nur wissen darf das offenbar niemand. Nach dem Überarbeiten kam eine wenig brisante, nette Unterhaltung mit der nachvollziehbaren Trauer Riberys, ihm stecke St. Petersburg wegen des Ausscheidens im UEFA-Pokal so kurz vor dem Finale "noch im Hals". Des Aufhabens wäre es also halb so schwerwiegend gewesen, wenn Ribery das hätte im Interview sagen können. Dass es nun doch heraus kam, ist einem geschickten Zug der SZ-Sportredaktion zu verdanken. Sie entnahmen jene Passage mit den heiklen Sätzen des Franzosen und fromten daraus einen kleinen Text, den sie mit einer Linie umrahmten und in das Interview als quasi Zusatztext einbetteten; embedded Ribery sozusagen. Der Trick: Fließtexte müssen nicht autorisiert werden; ihr Wahrhaftigkeitsgehalt muss jedoch einer Prüfung stand halten. Das tut er auch, denn die Kollegen könnten im Streitfall ein Tonband vorlgen. Und so kommt doch zum Vorschein, was Ribery zu sagen hatte; lediglich die Form variiert, wie. Warum werden also Interviews überhaupt autorisiert? Es ist ein ehernes Gesetz, ungeschrieben zudem, das zwischen den Interviewpartner - ausgehandelt mit den Journalistenverbänden - herrscht. Vor Abdruck sollen die Interviewten über ihre Aussagen lesen können, um eventuelle Missverständnisse aus der Welt zu räumen. Das allerdings hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass ganze Passagen aus den für den Abdruck vorgesehen Zeilen ersatzlos gestrichen oder komplett neu geschrieben worden sind. Mit einer authentischen Berichterstattung hat das kaum noch etwas zu tun; allerhöhstens mit der Willkür der so über die Worte herrschenden gegenüber den Machtlosen, den Journalisten. Ihrerseits sind sie trickreich genug, so sie selbstbewusst genug sind, diese Willkür zu brechen. Wie jettz die "Süddeutsche". Dafür gebührt ihr Respekt, weil es noch immer darum geht, den Leser aufzuklären und nicht mit Redigierkunst zu hintergehen. Es ist natürlich oft genug vorgekommen, dass Redaktionen bei zu viel Redigeirwut der Interviewten dann auf einen Adruck verzichtet haben. So viel Eigentsändigkeit besitzen Redaktionen noch; oder man handelt so wie die "Süddeutsche" und umgeht dann das Interview mit einem redaktionellen Text. "Ribery und die Folgen" schreibt deshalb heute der "Tagespiegel" und wundert sich über so viel "White-House-Medienpolitik". Mich hingegen wundert das weniger. Zu sehr hat sich dieser Umgang unter Medienteilnehmern festgefressen und festgesetzt. Auch die Tatsache, dass vorauseilend Dinge in der Welt bewältigt werden, ist kein Zu- und schon gar kein Einzelfall und erst recht nicht au die Medien begrenzt. Doch wenn selbstständiges Denken auf diese Art sanktioniert wird, sterben die Typen aus; und mit Oliver Kahn würde dann einer dieser Dinosaurier damit aussterben. Übrigens: Im Internet-Archiv der "Süddeutschen" ist der eingebette Ribery-Aufreger-Text nicht verfügbar. Hier kommt deshalb das Original: Nachtrag: Ein wunderschönes Beispiel für eine emanzipierte Reaktion einer Zeitungsredaktion auf großstilistisch gelöschte Passagen aus einem Interview gab es in der Zeit vom April 2006. Damals im vorsommermärchenhaften Deutschland war für Oliver Kahn längst der Herbst angeborchen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann war der Klimazerstörer; war zu Kahns Albtraum geworden, weil der Bundestrainer einen Wettkampf unter den Torhütern asurief. Kahn sah dahinter vor alem eines: die Demontage seines Denkmals. Wir wissen, wie dieser ungleiche Wettbewerb - das Ergebnis stand für Klinsmann recht früh fest - ausging. In dieser Zeit der Konkurrenz hatte die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte ein Interview mit Kahn geführt. Von der Autorisierungstour zurück waren im Manuskript fast alle Antworten gelöscht worden; während des Gesprächs sei die Atmosphäre offen gewesen, und man hatte den authetischen Kahn vor sich, den grübelnden, eingeigelten, aufbrausenden Mann vor sich. Aus dem Auto hatte Kahn in der Zeit-Redaktion angerufen und angekündigt, das Interview nicht freigeben zu können. Klack. Aufgelegt und nie wieder von sich hören lassen. ![]() Zeit-Story 2006 Webshot: cujau.de Die findigen Zeit-Leute machen das zu ihrer Geschichte "Die Angst des Torwarts" und schreiben einfach auf, was da passiert war. Es wird ein Bumerang für Kahn. Denn man führt dem Leser das Interview so gut es geht mit allen Fragen vor und die Nichtantworten Kahns auch. Das Nachlesen ist ein besonderer Spaß und die Geschichte hinter dem Interview ein journalistisches Dokument der Zeitgeschichte geworden. |
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