Heute ist es
im griechischen Olympia entzündet worden und soll dann um die ganze Welt gehen, bis auf den
Mount Everest gehieft werden - wie absurd: das olympische Feuer. Dabei brennt es in China bereits. In Tibet wurde das Feuer vor Wochen gezündet, seit Wochen sterben dort bei Protesten Menschen. Chinas Regierung bestätigte immerhin 19 Tote. Olympia wird in Peking dennoch am 8. August eröffnet und 14 Tage soll gefeiert werden.
EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering hat einen Boykott der Spiele in Peking ins Gespräch gebracht. Es wird dazu eine Sondersitzung des Parlaments in Strasburg in dieser Woche geben. Einen Boykottbeschluss kann es nicht verabschieden, man kann nur empfehlen.
In China wird derweil die Berichterstattung über die Unruhen in Tibet massiv erschwert. Alle deutschen Reporter sind bereits aus der Region ausgewiesen worden. Das Netzwerk
Reporter ohne Grenzen hat
Protest dagegen eingelegt.
Tibet brennt, und China will Olympia feiern. Die deutschen Sportorganisationen wie der
Deutsche Olympische Sportbund DOSB halten nichts von einem Boykott und lehnen ihn in einem
Papier ab. Von der ehemaligen Olympiateilnehmerin
Heidi Schüller kam dieser Tage der Vorschlag, die Eröffnungsfeier zu boykottieren. Das kann nur ein Scherz sein, aber kein ernstgemeinter Rat. Die deutsche Stabhochspringerin Anna Battke äußerte den Vorschlag, bei der Eröffnungsfeier zur Hälfte in Kostümen der tibetischen Mönche und zur anderen Hälfte in Kleidung der chinesischen Regierung zu erscheinen und sich die Hände zu reichen während des Einmarsches. Ein hübscher, aber wohl wirkungsloser Versuch, die chinesischen Behörden mit der eigenen Meinung zu konfrontieren. Sie glaubt selbst auch nicht daran, wie sie im
Interview im aktuellen "Spiegel" äußerte.
Was die chinesischen Offiziellen von derlei Amateur-Politzirkus halten, ist spätestens seit dem Empfang des Dalai Lama durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt - man schaltet auf stur und ist eingschnappt. Was sofort die deutsche Wirtschaft verschreckt hat. Sie pflegt traditionelle Kniefall-Beziehungen mit China und stellt sich im Zweifel auf die chinesische Seite; der Markt dort drüben ist einfach zu verlockend. Also werden sich auch deutsche Sportler - reichlich gesponsort und alimentiert durch deutsche Wirtschaft - ab August ins olympische Fegefeuer begeben. So viel Eitelkeit muss sein. Denn dabei sein ist bei Olympia schließlich alles. Was für eine Feier. Das olympische Feuer ist schon mal an, und China brennt.