In diesen Tagen taumelt man von einem Einkauf zum nächsten. Weihnachten macht's möglich. Unweigerlich geht das nicht ohne Menschenkontakte ab.
Im Kaufhof am Berliner Alexanderplatz schlenderte ich durch die Gourmet-Abteilung und blieb an einer Whiskey-Verkostung hängen. Eher teilnahmslos betrachtete ich die mir bis dato unbekannten Sorten. Es war ein verschnittener Whiskey dabei (blended) und ein so genannter Single Malt. Plötzlich sprach mich die Frau neben mir an. Sie muss so um die 50 gewesen sein. Auf englisch.
"Taste it. That's really good stuff." Sie probierte gerade einen dieser braunen Goldwässerchen. Wirkte sich der Stoff jetzt also sprachfördernd aus? Nun ja. Ich fand es äußerst amüsant und angenehm, plötzlich mit einer Kennerin der Whiskey-Szene zu plaudern, obgleich ich nicht im Geringsten ein Experte für das rauchige Getränk war. Fürs Plaudern aber hatte ich schon immer was übrig.
Sie machte dann eine Pause mitten im Trinken. Warum? "Ich will da noch ein bisschen Wasser rein haben. Der Kellner bringt das gerade." Wasser auf Whiskey?
"Oh yes!" Es würde den Whiskey sanfter und noch gehaltvoller machen, noch mehr Aromen würden sich entfalten, weissagte mir die plauderfreudige Amerikanerin neben mir. Es musste eine Amerikanerin sein, denn ihr Slang deutete nicht auf England hin. Nicht Oxford, eher hinter großen Teich, vielleicht auch Kanada.
Als sie dann den Schluck Wasser in ihren Whiskey gegossen bekam, wurde ich neugierig und wünschte auch eine Probe. "Kein Problem", sagte der dunkelhäutige Verkäufer-Kellner. Es sei der sanftere, den ich da probieren würde. Und richtig, versicherte er, "ein Schluck Wasser verändert nochmal den Geschmack von Whiskey, macht ihn noch interessanter, vielfältiger."
Meine Gespärchspartnerin neben mir dampfplauderte derweil fröhlich weiter auf mich ein. Sie hätte früher auch solche Pröbchen während ihrer Studienzeit angeboten und sei dabei immer gut mit Menschen in Kontakt gekommen. Deshalb mag sie solche Situationen. "Als ich dann nach dem Studium bei einem normalen Unternehmen ein Vorstellungsgespräch hatte, redete ich und redete ich, bis die dann sagten, dass es genug, genug sei. Ich sollte bitte aufhören."
"Da waren die für Sie zu normal gewesen, was", merkte ich fragend an. "Oh yes", erwiderte die US-Dame mir. Sie schiensich wohl zu fühlen an dem Stand und in der Gesellschaft des Whiskey-Ausschenkers, auf dessen des Job sie auch schon gestanden hatte, wie sie erzählte. Dann nahm sie ihren letzten Schluck und ging freundlich winkend.
Ich muss sagen, das gefiel mir. In der hektischsten Zeit des Jahres steht neben dir jemand, der ein bisschen aus seinem Leben preisgibt, einen guten Ratschlag hat, dich ein bisschen zum Mitmachen animiert und dabei noch gute Laune verbreitet.
Vor ein paar Tagen hatte mein Freund
Thilo Baum begeistert über die Menschen in Los Angeles und ihren Kommunikationsstil in seinem Blog geschrieben. Sollte meine damenhafte Plaudertasche eine US-Amerikanerin gewesen sein, dann kann ich Thilos Begeisterung sehr gut nachempfinden (übrigens auch dann, wenn sie es nicht war). Zwar mag der lockere Umgang einen oberflächlichen Eindruck hinterlassen. Im Kern verstehen es die Menschen von dort drüben offenbar viel besser als wir, sich mit ihrer Umwelt auszutauschen, und sei es über so profane Dinge wie Whsikey. Was in meinem Fall immerhin dazu führte, dass ich erfuhr, wie Whiskey noch besser schmecken kann und was die Frau vor Jahren mal erlebt hat.