2006 taumelten wir alle Klinsmann-besoffen durch ein Fußball-Sommermärchen. Die Fußball-WM 2006 in Deutschland schien eine kollektive Gute-Laune-Veranstaltung für die Ewigkeit.
Und dann kommt da ein junger Journalist namens Ronny Blaschke und vergällt einem die schöne Partystimmung mit seinem Buch
"Im Schatten des Spiels". Er schreibt darin über die dunklen Seiten des Fußballs, über Rassismus und Randale; und das ausgerechnet im Jahr 2006. Ein Nischenthema, mochte man annehmen. Im Jahr 2006 sollte der Fußball in Deutschland doch gefiert werden.
Blaschke feiert nicht und hält uns alen den Spiegel vor, zieht den Nebelvorhang des schönen Fußball-Scheins hoch und benennt die vielen versteckten Fouls. Hier foult einer Klinsmann, könnte man denken, hier foult einer die guten Laune weg.
Gott sei dank! Es ist wohltuend, wie ungeschminkt Ronny Blaschke - gerade mal 26 Jahre alt - die Fakten eingesammelt hat bei seinen zahlreichen Stadienbesuchen, Funktionärs-Interviews und Recherchen bei Fanbeauftragten und Hooligans. Er beschränkt sich bei seinen Beschreibungen nicht nur auf Detuschland, sondern schildert die Lage in England, wo die Gewalr aus denStadien gewichen ist durch eine enge Vernetzung von Politik, Vereinen, Fanbeauftragen und Fangruppen. Wohingegen die Probleme in Italien unter dem Rasen schwelen. Jüngst erst erschoss ein Polizist einen Fan. Blaschkes Fazit: Das Fußballleben ist nicht schön; es ist bitterer Ernst.
Diesen Ernst wünschte man sich bei so manchen Fußball-Schönschreibern, von welchen es noch immer die meisten unter den Fußball-Journalisten gibt. Insofern fand es die
"Deutsche Akademie für Fußballkultur" für angemessen, Blaschke mit dem Preis des besten Fußballbuches 2006 zu bedenken. Und das bei einem Überangebot an jubelnden Büchern über den Fußball 2006 von so renommierten Journalisten wie
Christoph Biermanns Filmbuch über Sönke Wortmanns
"Deutschland - ein Sommermärchen" oder die diversen anderen gebundenen Freudentänze.
211 Titel erschienen 2006 neben Blaschkes Fußballbuch; er gewann den Titel "Fußballbuch des Jahres" und ist damit besser als Klinsmann, der ja "nur" Dritter bei der WM wurde.
Blaschkes Buch ist kein Märchen; es ist eine unbequeme Wahrheit und spiegelt die Realität in einer medial wie gesellschaftlich verklärenden Atmosphäre. Deshalb ist es dem freien Journalisten Blaschke, Jahrgang 1981, umso höher anzurechnen, dass er gegen den Trend ein mutiges Buch vorlegte, das dem Leser die Augen über die wahren Zustände öffnet. Ein empfehlenswertes Buch!