Seit dieser Woche wissen wir: es gibt ihn, den Westen. Jedenfalls meldet er sich unter seinem eigenen Namen:
der Westen. So heißt ein Portal, welches der WAZ-Konzern gestartet hat. Hier wird klar, es handelt hier nicht vom Osten, man betont, man ist nicht der Osten, sondern tief im Wehesten, wie bei Grönemeyer. Und da sind wir doch alle froh, der Westen startet durch.
Zur Chefredakteurin hat der Medienmulti aus dem Westen eine Internetamazone installiert. Kathrin Borchert soll den schwerfälligen Zeitungskonzern zukunftsfähig machen. Man simuliert Zeitgeist mit ihr, weil sie vermeintlich weiß, wie das so geht. Denn Katharina Borchert kommt aus der Blogger-Szene. So viel Innovativität hätte man den WAZlern (Westdeutsche Allgemeine, Neue Ruhr/Neue Rheinzeitung, Westfälische Rundschau) gar nicht zugetraut.
Borchert bloggt als
Lyssa im Netz. Was offenkundig die WAZ-Herren so beeindruckt hat, dass sie die Bloggerin einstellten. Sie muss noch einige Kapzitäten frei gehabt haben. In einem Internet-Interview sagte sie im Juli 2006: "Lyssa ist keine Kunstfigur. Sie ist ein Teil von mir, aber eben nur ein kleiner Teil." Der größere gehört jetzt offenkundig dem WAZ-Konzern. Oder wie viel Zeit wird ihr - Lyssa - bleiben, um noch für andere zu schreiben? Beispielsweise dem Stadtportal
Brainstorms!? Wo ist Lyssa? In jedem Fall im Westen und nicht im Osten!
Jetzt internetten sie zusammen; die Lyssa und WAZ. "Wir wollen eine Heimatadresse im Internet sein", sagt Borchert im Medium-Magazin. Der Westen, fühlt er sich nicht mehr zu Hause in diesem Land? Hübsch Verleger-gestanzt klingt ihr Credo.
Innovativ immerhin ist die Tatsache, dass der Westen alle Printtitel des WAZ-Konzerns bündelt und zu jedem Thema alle Beiträge der Blätter anbietet. Nun ja; so richtig neu ist das kaum. Also weiter: In einer Kartennavigation wird dargestellt, wo die einzelnen Beiträge spielen. Man kann dann auch herausfinden, was, wo am Abend so läuft - ein Angelhaken für Werbekunden.
Die Medienkritik feierte das neue Portal schon mal als "neu und schlicht". Nur, so neu sieht es dann auf den zweiten Blick gar nicht aus. Die Navigation erinnert sogleich an die gängigen Platzhirsche; im besten Fall an
Spiegel online.
Oder?
Wie innovativ ist so ein Plagiat?