Was ist denn dem Thomas Müller zugestoßen. Man musste um seine Gesundheit bangen, so depressiv wirkte er bei seinem jüngsten öffentlichen Auftritt. In diesem Video des DFB.tv ist er bei einer der täglichen Pressekonferenzen des DFB-Trosses diesen Mittwoch vor dem EM-Viertelfinalspiel gegen Griechenland am Freitag ab 20.45 Uhr in Danzig nach Sami Khedira als Zweiter an der Reihe. Er wirkt niedergeschlagen, missgelaunt, brummelt vor sich hin. Nachdem die Pressekonferenz wie immer befürchtet vor sich hin plätscherte, ging es auch bei Thomas Müller - im Video nach 23 Minuten - zunächst vorhersehend friedlich los. DFB-Direktor Harald Stenger stellt dem Münchner eine harmlose Frage, wie er es als Offensivspieler sehe, gegen ein Defensivbollwerk wie bei den Griechen spielen zu müssen.
Du liebe Güte, was soll man darauf schon antworten. Müller macht das aber reichlich professionell. Spult drei Minuten geübte Worte herunter. Dann die Frage des Kollegen Wolfgang Stephan vom Stader Tageblatt: "Was ist der Unterschied zwischen dem Thomas Müller bei der WM und dem jetzt bei der EM? Was hat sich geändert? Es gibt Leute, die behaupten, aus so einer Chance wie in der zweiten, dritten Minute hätte er bei der WM zwei Tore gemacht."
Hm. Wie soll das gehen? Aus einer Chance zwei Tore. Andersherum geht das wohl; aus zwei Chancen ein Tor. Aber sei es drum. Müller ist freundlich und versucht sich an einer Antwort. So spricht er erstmal banale Fakten aus: "Also erstmal bin ich älter geworden ..." So tief schürfend wie die Frage, beginnt also die Antwort darauf. Ab der Minute -16:00 geht es hübsch los im Video.
Man sollte ein bisschen positiver über das Ganze räsonieren, fordert Müller. Er spürt den kritischen Unterton seiner Unfähigkeit als ungerechtfertigte Generalabrechnung mit dem deutschen Fußball. Bei den public viewings sei das anders, da würden die Menschen jubeln, die Begeisterung sei groß. Das wünschte er sich auch von den Medien. Bislang aber Fehlanzeige. Es müllerte bislang also weniger auf dem Platz, dafür im deutschen Fußball-Medienzentrum bei Danzig.
Allerdings: Das Gefühl hat Thomas Müller nicht exklusiv. Mesut Özil sucht nach seiner Form des Frühjahres, als er Real Madrid zum Meister machte. Bei der Euro allerdings schleppt er die Last von über 60 Saisonspielen mit sich umher. Was sagte Mehmet Scholl dieser Tage: "Die Trikots werden immer schwerer." Genau. Und so ist Müllers Stimmungslage, der mit Bayern München bis in zwei Endspiele der Saison kam mit DFB-Pokal und Champions League und sie beide mit seiner Mannschaft wie Bastian Schweinsteiger verlor. Das wirkt sicher nach. Dafür muss man kein Lippenleser sein, sondern einfach nur klar denken können.
Auch Schweinsteiger zeigt die Spuren der herben Bayern-Niederlagen noch immer. Nach dem 2:1-Sieg gegen Dänemark wirkte er nicht ausgelaugt, wie er selbst behauptete, sondern niedergeschlagen. Da fehlte die Freude, der Glanz in den Augen des Leitwolfes. Vielmehr merkt auch Schweinsteiger, dass die Mannschaft unfertig spielt, nicht immer bei der Sache ist, dumme Fehler in er Defensive begeht. Nur: Genau da übersteht man vielleicht so Spiele, gewinnt aber noch keine Meisterschaften. ARD-Mann Dietmar Teige wundert sich über die malade Stimmung bei Schweini und müht sich redlich ab. Teige hat aber wenig Glück, eine wirklich überzeugende Antwort zu erhalten. Kurz blitzt dann doch der Wutgrund bei Schweinseiger auf: Er habe viel laufen müssen, mehr als geplant nach hinten, das sei anders geplant gewesen. Darüber sei zu reden.
Klar ist aber: Schweinsteiger macht uns den Timm Thaler, den Jungen der sein Lachen verkaufte und damit verlor. Und das trotz neun Punkten in der EM-Vorrunde. So müllert auch Schweinsteiger nach drei deutschen Siegen und einer unentschiedenen Atmosphäre in der Medienlandschaft. Möglicherweise kann es aber wieder besser werden: DFB-Maskottchen Angela Merkel kommt zum Spiel gegen Griechenland am Freitag nach Danzig. Das schafft die Kanzlerin dann doch sicher - ein Lächeln ins Gesicht von Schweinsteiger zaubern. Da hat sie schon anderen das Lachen zurückgegeben - Cameron, Sarkozy, Hollande, Tusk, Berlusconi wie Monti oder Papandreu, Warm nicht dann auch Schweinsteiger.