Ein Tunnel als Zugang und Abgang - die Veranstalter der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 von der Lopavent GmbH aus Berlin hätten wissen können, wie das endet; nämlich in einer tödlichen Falle. Eine bestechende Blaupause der Duisburger Tragödie liegt über 20 Jahre zurück.
Das Halbfinale im englischen Fußballcup FA steigt 1989 zwischen Nottingham Forest und dem FC Liverpool, ausgetragen im Hillsborough-Stadion in Sheffield. Das Fassungsvermögen liegt bei knapp 40 000 Plätzen. Von Schwarzhändlern wurden an jenem Tag weit mehr Karten verkauft, als Plätze auf den Stadionrängen vorhanden waren. Somit drängten viele tausend Fans ins Stadion, ohne dass man für sie Platz hatte.
Der Ausgang aus der Sackgasse war damals ein Tunnel; eine Einbahnstraße in eine zweite Sackgasse.
Trotzdem die Polizei den Innenraum zum Spielfeld wegen der dramatischen Szenen auf den Rängen öffnete, strömten viele Fußball-Fans durch diesen Tunnel, um wieder aus dem Stadion kommen zu können. Dieser Irrglaube kostete 96 Menschen das Leben. Auch hier hielt ein Tunnel genau wie in Duisburg den Massen nicht stand; es waren einfach zu viele Menschen auf zu wenig Fläche unterwegs. Seit dieser Tragödie vor 21 Jahren wurde "You'll never walk alone" zur Liverpooler Fan-Hymne.
Der FC Liverpool selbst war damit nur vier Jahre nach der Zuschauer-Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion von 1985, bei der 39 Menschen aus einem ähnlichen Grund wie in Sheffield oder Duisburg starben, beim Europakpokalfinale gegen Juventus Turin zum zweiten Mal an einem tödlichen Ereignis beteiligt. Duisburg ist nicht Liverpool, aber dafür Liverpool 3.0. Die zweifelhafte Ehre hätten sie auch ohne Liverpool verhindern müssen. Vielleicht fehlte dazu der Wille bei den Verantwortlichen.