Heute mal kein Tipp im Fernsehen, sondern im Internet. Bei Arte.tv haben sie seit einiger Zeit eine Abspielplattform "plus7" für gesendete Beiträge. Vorigen Freitag Abend sendete der deutsch-französische Kultursender die Verfilmung der Autobiographie von Marcel Reich-Ranicki "Mein Leben". Sein Leben tirtt in unser Leben, seit er übers Fernsehen Literatur macht.
Das klingt pathetisch; entspricht durchaus den Tatsachen. In der ARD wird der Film am Mittwoch von 20 Uhr 15 bis 21 Uhr 45 gesendet. Eine Literaturverfilmung, die kondenster, prägnanter kaum je zuvor im deutschen Fernsehen lief, mit einem Matthias Schweighöfer in Bestform und in dieser Rolle ziemlich sicher auf dem Weg zu zahlreichen Fernsehpreisen.
Der Film handelt die ersten 38 Jahre Reich-Ranickis ab; seine Kindheit mit dem Leben in der deutschen Schule, seine Jugend in Deutschland, die Jahre in Warschau, im Ghetto, seine Liebe Tosia, die seine Frau im Ghetto wird bis zur Übersiedlung in die BRD 1958. Wo er seitdem mit seiner Frau lebt, die ihm damals nachfolgte.
Bei Arte läuft das Werk von Regisseur Dror Zahavi seit Freitag in der Mediathek Arte plus 7. Und heute Abend hat es meine Zeit vertrieben; glänzend. Also ohne Anfangs- und ohne Endzeit. Allerdings begrenzt für vier Wochen. Wer also am Mittwoch die ARD-Termin verpasst, sollte ins Netz gehen. Der Abzweig lohnt.
FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher schreibt hier über den Film. Eine treffende Rezension liefert Thilo hier, die in dem Schluss mündet: "Die Abwesenheit großer Literatur und stattdessen die Anwesenheit konkreten Erlebens machen diesen Film zu mehr als nur sehenswert und wichtig. Er ist große Klasse." Dem füge ich Schweigen hinzu.