So einfach ist selbst einkaufen nicht mehr. Ganz normal, in einem Supermarkt.
Eigentlich brauchte ich die Marmelade gar nicht. Aber gut. Da stand ganz verführerisch eine Stiege eines neuen Sortiments von "Landliebe". Das klang auch mal interessant neu: Quittengelee. Erst beim zweiten Hinsehen bemerkte ich, dass ganz deutlich auf dem Etikett "Gratiszugabe" draufstand.
Ein Preis für ein Glas war auch weit und breit nicht zu sehen. Nur: Wofür gab es ein Glas gratis dazu? Zum Joghurt daneben? Kein Hinweis. Nichts. Dennoch wagte ich mich an die Kasse.
Dort spätestens musste man mehr wissen; dachte ich. Also fragte ich. Doch die Kassiererin wusste nichts damit anzufangen. Klar, meinte sie, es müsste irgendeine Aktion gerade damit verbunden sein. Nur welche? Sie blätterte im aktuellen Werbeblättchen des Marktes - nichts, keine Aktion.
Doch sie wusste offenkundig den Preis für ein Glas und tippte ihn ein: 1,59 Euro. 1,59 Euro für ein "Sortiment", wie der Kassenzettel auswies. Da stand "Sortiment 7%". Gut, dachte ich, ich kaufe Sortimente, kein Problem. Nur gratis bedeutet eher etwas anderes. In etwa so: kostenlos, umsonst - in jedem Fall kein Geld.
Ein Anruf bei der Hotline von Landliebe bringt mich zunächst nicht wirklich weiter. Man sagt mir, da wären wahrscheinlich von einer Aktion die Etiketten übrig geblieben, sie wären trotzdem verarbeitet worden und wären dann in den freien Verkauf gelangt.
Was? Waren gelangen einfach so mit einem derartig eindeutigen Verweis darauf, dass es nichts kosten soll? Nun ja. Der Mann an der Hotline versprach, sich zu informieren und mich zurückzurufen. Man mühte sich. Wie lieb.
Zehn Minuten später erfahre ich von ihm, es sei so, wie er vermutet hätte. Das sei wohl irrtümlicherweise in die Regale des Supermarktes gelangt. Man könne sich das nicht erklären. Ich sollte meine Adresse hinterlassen; sie würden sich für meine Mühe erkenntlich zeigen.
Und tatsächlich: Ich bekam ein Care-Paket von Landliebe. Nach dem Liebesentzug liebte mich Landliebe offenbar wieder. In einem kleinen Brief erklärten sie sich nochmals lang und breit. Man wolle sich versöhnen; und schickte fünf Gläschen ihres neuen Sortiments hinterher. Als Zugabe für meine Nachforschung. Gratis. Lieber spät als nie, werden sie sich gedacht haben.