Mit dieser Masche hätten sie vor acht Jahren die Olympischen Spiele nicht bekommen. Denn das
Internationale Olympische Komitee (IOC) musste eingestehen, dass die chinesischen Behörden den Medienvertretern im Medienzentrum der Spiele den freien und wie es stets hieß "unzensierten" Zugang zum Internet verweigert. Peking weitet seine Zensur auf die ganze Welt aus, heißt das im Umkehrschluss. Die große Chinesische Firewall. So bricht man seine Versprechen weiter.
Einen Agenturbericht zur Lage gibt es hier unter
"ad-hoc-News" im Netz. Der Wortbruch der chinesischen Behörden darf jedoch niemanden wirklich überraschen. Er bedeutet nun vielmehr, dass das IOC gegenüber den Chinesen einbricht. Im
ZDF-Morgenmagazin hatte der Reporter eine Stellungnahme des IOC-Mediendirektors, der Australier Kevan Gosper, erbeten; der tat vollkommen überrascht und würde sich nicht vorstellen können, dass es keine freien Internet-Zugang gibt. Dabei müssen sie beim IOC längst darüber Beschied gewusst haben. Hier wird vielmehr eine Täuschung gedeckt. Ein absurdes Beispiel zeigte der ZDF-Mann mit einer bereits vor Ort tätigen brasilianischen Reproterin. Sie sagte, sie wolle nur ihr eigenes, privats Internet-Blog erreichen. Dort würde sie überhaupt nichts über Peking schreiben. Doch auch sie komme an ihre Webseite von Peking aus jetzt nicht mehr heran.
Offiziell heißt es nun, dass nur Seiten, die etwas mit dem Sport zu tun hätten, unter die Forderung des freien Zugangs fielen.
Kevan Gosper dazu: "I regret that it now appears BOCOG has announced that there will be limitations on website access during Games time (…). I also now understand that some IOC officials negotiated with the Chinese that some sensitive sites would be blocked on the basis they were not considered Games related."
Im April klang das noch ganz anders. Da machte Gosper sich und der Öffentlichkeit noch etwas vor. Der
"International Herald Tribune" sagte er:
"Even this morning we discussed and insisted again," Gosper said. "Our concern is that the press is able to operate as it has at previous games — at games time."
und weiter:
"There was some criticism that the Internet closed down during events relating to Tibet in previous weeks, but this is not games time."
Aber jetzt ist Games Time. Und das Internet wird zensiert.
Vor knapp sechs Monaten war Gosper noch von der chinesischen Offenheit überzeugt. Das belegt diese Korrespondenz von
"Spiegel Online". Darin hieß es vor vier Monaten:
"China zensiert die Fernsehübertragungen, die die IOC-Mitglieder und Vertreter der Nationalen Olympischen Komitees in dieser Woche bei ihren Tagungen in Peking zu sehen bekommen. Als am Sonntag die BBC von den Demonstrationen am Rande des Fackellaufs in London berichtete, gingen die TV-Geräte in den Zimmern des IOC-Hotels "China World" aus. "Wir kennen das Problem. Das ist die Zensur", sagte Kevan Gosper, Chef der IOC-Medienkommission. "Da können wir nichts machen. Aber wir haben die feste Zusage, dass während der Spiele nicht zensiert wird", so der Australier. Er hatte bereits in der vergangenen Woche die chinesische Regierung daran erinnert, dass während der Sommerspiele im August und der Paralympics im September alle Blockaden im Internet aufzuheben seien. Ein entsprechender Passus sei Bestandteil des mit Vergabe der Spiele 2001 abgeschlossenen Ausrichtervertrages zwischen IOC und Organisationskomitee Bocog."
Eine
Zusammenfassung zu der jetzigen Lage bietet
Amnesty International auf seiner Webseite. Die kann man allerdings in Peking und im dortigen Olympia-Medienzentrum nicht lesen, weil die Seite dort geblockt wird.
Nun ja, und so gut wie jede News-Seite dieser Welt betreibt einen umfangreichen Sportteil. Doch diese werden genauso gesperrt wie alle anderen Angebote außerhalb Chinas, die nichts mit dem Sport zu tun haben wie etwa westliche Internet-Blogs. Noch liegt beim IOC keine offizielle Stellungnahme vor; noch wiegt man sich in seinem olympischen Geist, dass die Teilnahme zählt. Und kommen wollen ja alle, und alle freuen sich. Das suggerieren die bisherigen
Presse-Mitteilungen des IOC. Und dann sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach, ein Deutscher, vorige Woche in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel": "Es sind keine chinesischen Spiele, sondern Olympische Spiele in Peking." Damit will er wohl sagen, das IOC richtet die Spiele aus. Dann muss die Gegenfrage erlaubt sein, ob das IOC auch die Zensur betreibt. Verantwortlich muss es wohl schon sein; jedenfalls nach Bachs Einlassung. Und dann zensiert somit das IOC; wie gesagt, nach Bachs Worten.
Hier gibt's das komplette "Tagesspiegel"-Interview mit Bach.