Freitag, 25. Juli 2008Schmähschriften unter Alpha- und Beta-TierenDiese Woche wurde der Stellungskrieg eröffnet; eine mediale Schlacht um Wahrheit und Wahrhaftigkeit zwischen Journalisten ("Der Spiegel") und deutschen Bloggern. Man kennt sich und hasst sich in tiefer Zuneigung. Auslöser ist eine Schmähschrift im so genannten deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter der Schlach(t)zeile "Die Beta-Blogger". Natürlich hat der Spiegel bewusst das Wort "Alpha" vermieden, weil ein "Alphatier" unter den Medien schließlich keinen neben sich duldet. ![]() "Spiegel"-Heft mit Blogger-Schmäh Heraus kam - auch in der Reaktion, dass ungefähr jeder versucht, aus seiner Perspektive die Bestätigung für seine Wahrheit zu finden und zu determinieren. Das gelingt dem "Spiegel" genauso wie Bloggern ganz gut. Und dahinter lässt es sich recht hübsch eingraben. Man sieht sich auf der jeweils anderen Seite im Recht und natürlich als der Bessere an. Worin auch immer. Auf jeden Fall im Polemisieren. Was ist nun an der Diskussion, die der "Spiegel" losgetreten hat, falsch? Selbst wenn der "Spiegel" überteibt oder falsch liegt, dann macht er nichts anderes als das, was Blogs auch gelegentlich gern tun - polarisieren, um die jeweilige Andersartigkeit herauszustellen. Also kämpfen alle mit gleichen Waffen. ![]() Die Schmäh-Schrift Webfotos (2): cujau.de Klar liegen die "Spiegel"-Eier falsch, wenn sie betonen, in Blogs würde die journalistische Sorgfalt vor die Hunde gehen. Denn die Frage lautet wohl eher: Wie bekommt man die journalistische Qualität wieder hin; besonders beim "Spiegel" und anderen so genannten "Qualitätsmedien"? Zudem aber legt es kaum ein Prozent der Blogs darauf an, einen so genannten Bürgerjournalismus zu betreiben; also können journalistische Maßstäbe für die überwiegende Mehrzahl der Blogs gar kein Gradmesser sein; vielmehr Originalität. Und darin sind sie wiederum mit Zeitungen oder Online-Medien eben nicht vegleichbar. Und was passiert: Die Szene tappt in die Falle und schmäht auf derselben Klaviatur wie sie geschmäht wurde, fühlt sich angesprochen und meint, der "Spiegel" habe unrecht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Relevant? Die Beta-Tiere beißen zurück. So ein Getöse hier wie da trägt kaum zur Wahrheitsfindung bei, aber es ist immerhin Unterhaltung; auch wenn der "Spiegel" zuspitzt, und es spielt keine große Rolle, selbst wenn der "Spiegel" meint, Leitmedium der Republik zu sein. Man sucht sich seine Argumente für seine Wahrheiten. So reflexhaft ist heutiger Journalismus; auch unter den neuen "Spiegel"-Machern von Blumencron und Mascolo. Es gibt wichtigere Sachen. Und die haben eine viel größere Relevanz. Ein bisschen mehr Gelassenheit und weniger Häme wäre also allerorten angebracht. Denn dass Blogs per se und generell besser sind, ist wohl kaum bewiesen; allenthalben bei einer Umfrage unter Bloggern eine solide mehrheitfähige These, gäbe es sie. Eine hübsche Wutschrift auf den "Spiegel", die amüsant zu lesen wie auch unterhaltsam wie informativ formuliert ist, hat der "Spiegelfechter" unter der Zeile "Beta-Journalisten und Beta-Blogger" verfasst. Gleichfalls sehr treffend fasst die Situation der Frei-Gen'er zusammen. YEP! Das sitzt. Großartig. Davon brauchen wir mehr. Wahrhaft gebrüllt wird hier. Trackbacks
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pssst... ich benutze zwar das selbe Thema wie die "Bedarfshaltestelle", aber es ist ein anderer Blog
Es gibt ja noch keinen Konsens im deutschen Raume darüber, was ein Blog ist, und die Maßtäbe sind allenfalls journalistsich. Polemik und Polarisierung sind bilige Stilmittel, allenfalls Unterhaltung, aber warum nicht? Man muss, darf und kann endlich Stellung beziehen, es in die Welt hinauspupsen meinetwegen.
Das ist das faszinierende! Ich möchte aber nicht, dass die Blogleser mit entwertet werden. Warum? Sind Gala- und Bunte-Leser schlechtere Menschen?? Wer bemisst den Wert des intelektuellen Beitrags? Nach welchen Kriterien? Entspannung zu fordern heißt, eine Chance zu verpassen. Noch ist es der Hund der bellt, doch bald sollte es der Löwe sein der brüllt.
Sind die Maßstäbe bei Blogs generell journalistisch? Würde ich bezweifeln; würde ich auch nicht für sinnvoll halten, weil dann einesinnfreie Qualitätsdiskussion losginge.
Bei Blogs, die für sichin Anspruch nehmen, journalistisch sein zu wollen, für die sollten die journalistischen Maßstäbe schon gelten; wegen der Einordnung und Vergleicbarkeit mit anderen journalistischen Blogs. Polarisieren und Polemisieren sind Kommantar-Stilmittel - ich meine nicht Blog-Kommentare, sondern journalistische Kommentare. Hier geht es um die eigene Meinung und auch um Provokation. Journalismus gibt es ohne dies nicht. Ich finde es wunderbar, wie Du Deine Blogleser nicht denuziert oder herabgewürdigt haben willst. Nur: Die betrifft diese Diskussion gar nicht, glaube ich. Sie mögen Deinen Blog und scheren sich nicht um Maßstäbe, die der "Spiegel" als allgemeingültig ausweist. Ansonsten kann niemand bestimmen, wer intellektuell ist und wer nicht. Wer anfängt, hierbei Regeln zu erstellen, fällt intellektuell durchs Raster. Und was die Entspannung oder Unterhaltung angeht, nur so viel: nur das entscheidet darüber, ob man weiter Leser haben wird. Nicht ein Kampf um einen wie auch immer definierten, subjektiv, bewerteten, besseren Journalismus. Ob der Hund ein Löwe wird und ob der Löwe brüllt, entscheidet ohnehin der Angebrüllte, nicht der Brüllende.
Na jawoll, das hat der "Spiegel" doch einen Nerv getroffen; richtig einen gucken lassen. Wer will schon Beta sein. Und dann auch noch Blocker als Blogger.
... und es wundert mich bzw. erfüllt mich mit Neid, dass ich nicht auf den Begriff "Beta-Blogger" gekommen bin, er ist das, was eine gute Zeile ausmacht: naheliegend und abgefahren zugleich. Grmpf.
Hat eigentlich jemand im Zuge der "Spiegel"-Schelte darüber geschrieben, dass man, um bei einem "Spiegel-Online"-Post zu kommentieren, erst seine Daten zu Marketingzwecken freigeben muss? Wie finden das die "Spiegel"-Redakteure, denen meines Wissens der Verlag zumindest teilweise gehört? Ist das die gute alte linke Auffassung von Verbraucherschutz?
Zu Grmpf: Ja, das wundert mich allerdings auch.
Zu Spiegel: Alos wenn ich die Posts in Bloggistan so quer durchgelsen habe, dann hat sich so tiefschürfend niemand mit der Online-Spiegelei nicht befasst. Das mag daran liegen, dass man ja das klassische Medium pauschal ablehnt; also kommt niemand bis zur Registreirung für ein Forum. Falls ja, willigt die Mehrheit wohl ein und denkt sich offenbar nichts dabei. |
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