Jetzt, wie sie behaupten, haben sie es schwarz auf weiß: Klaus Kinski hatte Tobsuchtsanfälle, sagt man im TV-Spot bei "Welt-Online". Ein Choleriker sei er gewesen, das sei jetzt sicher. Seine Psycho-Akte ist in Berlin aufgetaucht. Wir brauchten also eine Akte, um festzustellen, dass Kinski nicht alle Steine auf der Schleuder hatte. Der Mann war Patient, wen wunderst's? Die Medien offenbar. Jesus Christ Kinski.
Dabei gibt es unzählige Belege für seine Manien; seine Egomanie, seinen Schizo-Hang. Eines der besten Dokumente dafür ist ein Film seines langjährigen Regisseurs Werner Herzog "Mein liebster Feind". Kinski taucht dort in beinahe allen bekanntne Tobarten der Welt auf - einfach grandios toll.
Und jetzt wird uns weisgesagt, er war nicht ganz dicht. Natürlich war er nicht ganz dicht, war er anders; nicht kompatibel zum Rest des Lebens um ihn herum. Nur, warum ist das so überraschend, wo ist die Nachricht zu dieser These. Zu dieser Analyse bedurfte es kaum einer klinischen Akte, sondern einfach einer halbwegs ausgeprägten Beobachtungsgabe.
Irre! Kinski! Wahnsinn!
(Berliner Kurier, 22. Juli 2008, Seite 1)
Foto: cujau.de
Hier jedenfalls folgt ein Ausschnitt aus Kinskis "Video-Akte" - mein Kinski-Videogramm:
Kinski 1982 am Set von "Fitzcarraldo":
Kinski 1984 in einer NDR-Talkshow:
Kinski 1985 bei 3sat:
Kinski in Cannes:
Kinski bei einer Aufnahme zu einem Interview:
Kinski bei Arte:
Kinski 1985 bei Gottschalks "Na sowas":
Kinski 1971 in der Berliner Deutschlandhalle:
Wer ist jetzt eigentlich verrückt? Eine Nachricht wäre gewesen, dass man erst jetzt herausfand, dass Kinski nicht ins gesellschaftliche Raster unseres angepassten Verhaltens passt. Dass es eine Psycho-Akte über Kinski gibt, ist ja wohl das Normalste dieser Welt, weil sie Kinski nicht verstanden hat. So funktioniert diese reflexgesteuerte Medienwelt mit ihrer Kinski-Macke. Hübsch, dass dann "Spiegel Online" (über Kinski: "... der große Berserker des deutschen Autorenkinos") da nicht mitdurchdreht und eine eigene "Spiegel"-Psycho-Akte über Kinski enthüllt. Mindestens so witzig wie der leibhaftige Kinski. Sind wir nicht alle ein bisschen Kinski? Der würde das sicher tobend dementieren, oder?
Außer Köche - Oscars
Heute Nacht werden die Oscars verliehen. Deutsche Kandidaten gibt es wie in den Jahren zuvor diesmal auch. Mit "Der Baader-Meinhof-Komplex" (Regie Uli Edel, Produzent/Drehbuch: Bernd Eichinger, Vorlage: Stefan Aust) befindet man sich in direkter Konkurren
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Aufgenommen: Feb 22, 23:17