Der Abend hatte es in sich: Ton- und Bildausfall beim Public Viewing zum EM-Halbfinale zwischen der Türkei und Deutschland; der Blitz hatte im internationalen Medienzentrum in Wien eingeschlagen und die Stromversorgung getroffen. Tot. ZDF-Reporter Belá Retý war nur noch zu hören; zu sehen war hingegen in rarer Realität sein Konterfei. Plötzlich musste er den Herbert Zimmermann (1954: "Und Rahn schießt. Tooor. Tooor. Tooor.") geben; also wie ein Radioreporter die Szene beschreiben. Sechs Minuten lang. Das war auch im österreichischen Bregenz auf der großen ZDF-Public-Viewing-Bühne am Bodensee nicht anders.
Doch genau hier flickten sie ihre Leitungen wieder zusammen; nicht in Wien, nicht in Mainz. Denn sowohl die Technik als auch die komplette Sportredaktion des deutschen Fernsehsenders ist in Bregenz vor Ort. Man strickte ein Signal, welches man vom Schweizer Fernsehen anzapfte und somit produzierte. Die Schweizer sind nämlich während der EM der einzige Sender, der ein eigenes Signal produziert. Der Blitzschlag von Wien hatte in Basel somit keine Auswirkungen. Also baselte das ZDF seine Bilder in Bregenz - bis zum Finaleinzug. So konnte Retý, als Radiomensch eher limitiert talentiert, schnell entlastet werden und ganz Deutschland war wieder mit Bildern von der Halbfinal-Partie gegen die Türkei versorgt. Zuvor hatte Retý jedoch das Tor von Miroslav Klose um einige Bruchteilsekunden früher vermeldet, da das Bildsignal verzögert über die Satellitenleitung heruntergefunkt wurde.
Gerade noch rechtzeitig zum 2:1 für die Deutschen war das Fernsehbild wieder da - das der Schweizer; und zu den anderen Treffern; dem zwischenzeitlichen 2:2 der Türken bis zum deutschen Siegtreffer in der Schlussminute durch Philipp Lahm. Nach dem Abpfiff und auch schon davor war die Bühne in Bregenz dennoch fest in deutscher Hand; wie überhaupt der Festspielort am Bodensee (Tosca wieder ab 11. Juli) so eine Art neuntes EM-Stadion gewesen ist; die Atmosphäre war jedenfalls vergleichbar wie in der Fankurve.