Was haben der
Deutsche Fußball-Bund, auch DFB genannt, und die
Deutsche Bahn gemeinsam? Abgesehen von ihrer Herkunft, die sie im Vornamen tragen, bieten beide ein Chaos im Sommer 2010.
Während bei der Bahn die Klima-Anlagen ausfallen, die Passagiere reihenweise bei über 50 Grad Celsius kollabieren, tobt auch beim DFB die Klimakatastrophe. Bleibt Joachim Löw Bundestrainer? Wird
Mediendirektor Harald Stenger entsorgt? Zwischen dem Außer-WM-Kapitän
Michael Ballack und dem WM-Kapitän
Philipp Lahm tobt ein rhetorischer Krieg über die Frage, wer jetzt das Sagen hat. Ballack oder Lahm? Ballack brüllt aus Leverkusen, seiner neuen alten Fußball-Heimstatt:
"Ich bin Kapitän." Noch aus Südafrika, dem WM-Land, blaffte der seit heute Frischvermählte Lahm:
"Ich will Kapitän bleiben." Um dann aber ein paar Tage später klein zu verlautbaren, die Medien hätten ihn zu der Aussage gezwungen. Oh, die Medien zwingen Lahm, und das gleich mehrfach, nämlich
hier,
hier und
hier.
Warum hat eigentlich niemand von den Medien Lahm gezwungen, die Mannschaft als Kapitän nach Berlin im Anschluss an die WM zu bringen, damit sie sich bei den Fans für die vierwöchige Unterstützung auf den Jubelmeilen des Landes bedankt und so die Fans ihren Idolen nochmals vor dem Abschied in den dann verdienten Urlaub zujubeln können.
Nun ja, Spanien hatte allen Grund zum Feiern. Welcher Weltmeister hätte das nicht? Klar, die Holländer haben geweint nach ihrer dritten Finalniederlage und haben sich hernach von ihrer Königin Beatrix und ihren Oranjes an den Grachten trösten lassen - ein Riesenspaß. Und Uruguay, ja, die haben auch mit den Ihren geschunkelt - Platz 4. Platz 4, die Holzklasse haben sie mit einem Buskorso durch Montevideo begangen.
Und die deutsche, von WM-Kapitän Lahm angeführte Mannschaft? Sie floh durch den Hinterausgang am Flughafen Frankfurt/Main nach der Rückkehr aus Südafrika. Die Folge sind atmosphärische, also klimatische Störungen bei den wartenden Anhängern: "Wir sind enttäuscht von euch, wir sind enttäuscht von euch, wir sind, wir sind enttäuscht von euch." Ja, das Dumme und Logische daran ist, das reimt sich. Böses Deutsch.
Wer hat die Fanflucht den deutschen Spielern nur suffliert? Wer war der Whistle-Blower für den würdefreien Abgang am Flughafen? Es hieß, der Mannschaftsrat habe es in Südafrika beschlossen; Lahm, Arne Friedrich, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose also. Die waren's. Diese vier entscheiden über den horrenden Kolateralschaden, den die Mannschaft damit angerichtet hat. Vier gegen mehrere Millionen Fußballfans und Deutschlandtrikotträger, die auf den Fanmeilen in tausenden Kilometern Entfernung ihre letzten Kräfte bei glühender Sommerhitze für ihre Idole aufbrachten? Die hatten es hingegen derweil ja angenehm kühl im südafrikanischern Winter.
Das wahre Versagen liegt jedoch nicht bei den Spielern, nicht bei Philipp Lahm, der heute seine Claudia ehelichte. Lahm hatte immerhin mit seiner Hochzeit ein schweres Motiv, sich gegen Berlin und für sein privates Sommermärchen im bayerischen Aying statt für das kollektive Sommermärchen zu entscheiden. Ja, in der Provinz ist es warm und gemütlich.
Versagt hat das Management des DFB, versagt haben Oliver Bierhoff und sein vorgesetzter, oberster Fußballfunktionär Theo Zwanziger. Bundestrainer Joachim, Jogi gerufen, Löw schweigt. Ihnen drei ist der veritable Aussetzer zuvorderst anzulasten, dass die Mansnchaft nicht bei den Fans, sondern in den Armen der Frauen landete und dort privat feierte. Managerversagen suppt durch Deutschland; durch die Bahn, den DFB, die Banken. Man hätte es ahnen können. Es ist schon bezeichnend, dass sowohl bei der Detuschen Bahn als auch beim Deutschen Fußball-Bund die Mitarbeiter das Marketing des Produktes bestimmen; die hilflosen Zugbegleiter genauso wie die flüchtenden Spieler, während sich die Manager ducken, Ausreden suchen und Ablenkungsmanöver starten. Der Imageschaden wächst, weil zudem nicht klar wird, wer ist wann für was zuständig, also verantwortlich. Warum beschäftigt also der DFB einen Oliver Bierhoff als Manager? Was außer der Hitzeopfer-Seite unternimmt die Deutsche Bahn, um ihr Problem an den Klima-Anlagen nachhaltig zu lösen? In erstere Linie rätseln derzeit die Reisenden darüber, wann es sie erneut treffen wird, welcher Zug wieder keine klimafreundliche Zone hat. All das kostet Geld und, schlimmer noch, Ansehen.
Das Kommunikationsdesaster nach der Fanfeierabsage der detuschen Nationalspieler folgte dann genauso folgerichtig wie unausweichlich:
Heute musste sich die Mannschaft bei den Fans via Webseite - durch Philipp Lahm - für ihre Fanflucht entschuldigen - aus der Ferne des weltweiten Netzes, ganz ohne Tuchfühlung. Es hätte ja zur Fa(ei)n(d)berührung kommen können.
Nun, dafür werden woanders, bei diesem Ausmaß Millionen Fans, also Millionen Kunden, vors Schienbein getreten zu haben, Leute gefeuert. Nur: Auch bei der Deutschen Bahn sind noch keine Manager-Köpfe wegen der Klimakatastrophe gerollt. Was lehrt uns das? Zumindest eines: Am Ende kommt noch immer alles raus und schlägt als Boomerang zurück. Möchte Ballack, der Kapitän a. D., wirklich noch der Anführer dieser Mannschaft sein, die so vor den eigenen Fans gar jammervoll versagte?
Vor vier Jahren wollte einer partout nicht in die Hauptstadt Berlin nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der WM 2006 im eigenen Land aus Stuttgart - dem Spielort um Platz 3 -
mit dem unterhaltsamen 3:1-Sieg gegen Portugal Richtung Berlin reisen: Michael Ballack. Durchgesetzt hatte sich damals die Mehrheit der Spieler; die Mehrheitsmeinung beispielsweise eines diesmal abwesenden, weil nicht-wm-nominierten
Torsten Frings. Nachzuschauen in dem
Sönke-Wortmann-Streifen "
Deutschland - ein Sommermärchen".
Gute Besserung, liebe Deutsche Bahn, danke, lieber Bräutigam Lahm, viel Vergnügen, Herr Ballack!