Donnerstag, 24. Juni 2010
Ballack - weg da! Geschrieben von Cujau
in Bafana Bafana 2010 um
20:14Kommentare (0) Trackbacks (0) Ballack - weg da!Der Zusammenprall der Kulturen führt zu famosen Erkenntnissen und skurillen Begegnungen. Hier in Marokko, dem Land der Berber und Araber, können sie gelassen und zurücklehend die Fußball-WM in Südafrika betrachten. Das Königreich (Mohammed VI. oder einfach M6) ist gar nicht erst qualifiziert, Erzrivale Algerien frühzeitig ausgeschieden, Frankreich, die einstige Besatzungsmacht auch, Deutschland, das hier jeder zu lieben scheint, weil sie einen in den Basars beinahe auf hochdeutsch ansprechen, in der Runde der besten 16 und als nächstes gegen England tätig. Man freut sich auch hier darauf.
Eine große Kollision haben sie in Marokko hingegen ins Fernsehen verlegt. Denn da taucht passend zum Deutschland-Spiel gegen Ghana Lothar Mattäus - unser aller ewiger Loddar - im ersten Programm als Fußball-Experte auf. Immerhin ist er damit im richtigen Ressort. Alles andere wäre von uns an Toleranz ja auch zu viel verlangt. Nur: Man weiß das hier in Marokko weniger; vielmehr wissen sie, Mattäus ist nicht der Apostel, sondern Weltmeister von 1990. Also mindestens so prominent wie seine Majestät M6. Was der Loddar dann auch so sagte zum Spiel der Alleman gegen Ghana war nichtg wirklich spielentscheidend. Wichtiger: Er war gut gekleidet, hatte also offenkundig gute Manieren und konnte zu jeder Frage reden. Was er gesagt hat, blieb ungehört; bei dem Krawall in jenem Café in Fes beim hiesigen public viewing. Interessanter verläuft hier die Geschichte mit einem, der gar nicht anwesend ist; weder in Südafrika noch in Marokko; mit Michael Ballack. Dazu muss man wissen, in den Altstädten der arabischen Welt, also auch in Marokko, ist es vielfach eng, stickig, die Luft dringt nur selten bis zum Boden vor, die Gassen geben wenig Blicke zum Himmel frei, weil sie gersäumt sind mit Läden, Menschen, Fahrzeugen und Tieren - beiderlei aller Art. Nun erklärt der geduldige Führer durch die Gassen, dass der Ballack hier ein vielverwendeter Ausruf ist. "Ja", und er lacht dabei. "Ballack ist ein arabischer Ruf und bedeutet: Weg da!" Meist rufen das jene Viehtreiber, die einen Esel oder ein Maultier vor sich herlaufen haben, um damit der Umgebung mitzuteilen, dass sie jetzt Platz brauchten, sie jetzt kämen, man jetzt Platz machen möge. "Ballack" eben. Unser Altstadtführer - ein weltgewandeter Mann - kennt natürlich den deutschen Fußballer Ballack. Deswegen muss er auch schmunzeln bei der Geschichte. Ob die Berber und Araber, die ihr "Ballack" ertönen lassen, das auch so drauf haben, überliefert der Altstadt-Führer nicht. Dennoch: Ballack ist hier in den Altstadt-Souks Marokkos also ein ständig Erwähnter; wenn auch nicht als Fußballer. Als solcher ist er ja aber auch in Südafrika derzeit nicht tätig. Dienstag, 22. Juni 2010Stellung in der Stallung
So ein hübscher freudscher Bock - Stallung statt Stellung - Spiegel Online zur Affäre mit US-General McChrystal wegen dieser Story im Rolling-Stone-Magazin.
Sonntag, 20. Juni 2010
Spiegel Online macht uns den Prince ... Geschrieben von Cujau
in Bafana Bafana 2010 um
21:23Kommentare (0) Trackbacks (0) Spiegel Online macht uns den Prince BoatengDie Empörung über den Auftritt von Kevin-Prince Boateng auf unserem aller Michael Ballack war veritabel und groß. Der Nachtritt von Spiegel Online legt da allerdings noch einen drauf; frei nach dem Motto: Liegt einer am Boden, dann gleich noch mal drauftreten, damit er auch wirklich liegen bleibt - ein echter Boateng von Spon.
Immerhin: Trotz seiner WM-Abstinenz wird Ballack so nicht ganz vergessen. Allerdings wird man das Gefühl beim Lesen dieses Beitrages nicht los, dass der Populismus auch bei Ihnen um sich greift. Doch zunächst lägen sie nicht mal falsch, Sie schreiben schlichtweg Unsinn. Und zwar so: "Zum ersten Mal seit dem Scheitern in der Zwischenrunde der WM 1978 in Córdoba, müsste die deutsche Mannschaft bereits vor den K.o.-Spielen nach Hause fahren." Wie halbherzig und ausweichend. 1978 hat es nach den Gruppenspielen der WM in Argentinien eine Zwischenrunde gegeben. Dass bei einem nunmehrigen Scheitern eine deutsche Mannschaft so schlecht abschneiden würde wie damals, entspricht wohl kaum den Tatsachen. Jene 78er Runde kann mit einem Achtelfinale wenig gleichgesetzt werden; vielmehr und wenn überhaupt dann mit einem WM-Viertelfinale. Mindestens bei einem Unentschieden hätte die deutsche Mannschaft damals im abschließenden Spiel gegen Österreich den zweiten Platz in der Zweitrundengruppe A belegt und wäre statt Italien ins WM-Halbfinale eingezogen. Die 1978er 2:3-Niederlage der helmutschönschen Deutschen gegen Österreich hat aber, wie wir wissen, eine andere Geschichte geschrieben; keineswegs jedoch eine, die eine schlechtere Bilanz ausweist als die 1962er, 1994er oder 1998er WM, bei der eine deutsche Mannschaft jeweils ins Viertelfinale einzog und dort scheiterte. Also: Ein Ausscheiden einer deutschen Mannschaft in der aktuellen WM-Vorrunde muss als das historisch miserabelste Ergebnis gelten und ist fürderhin so einmalig wie singulär, seit es eine deutsche Mannschaft bei einer WM gab oder gibt. Dass nun noch der Ex-WM-Spielführer Michael Ballack durch einen überhöht dargestellten WM-Spielführer Philipp Lahm postboateng entsorgt wird, zeugt von wenig Sensibilität und Realität. Mal abgesehen von albernen Plattitüden wie Lahm sei "das Gegenstück" zu Ballack oder gar "der Anti-Ballack". Der Anti-Christ, was? Also was jetzt? Das Gegenteil von Ballack oder ein Kämpfer gegen Ballack? Klar ausdrücken war gestern. Eher wohl: Nichts von beidem ist Lahm. Er ist schlicht der Nachrücker als Mannschaftskapitän und bringt dabei seine eigenen Kompetenzen und Qualitäten mit. So einfach kann das nämlich sein. Spiegel Online macht's kompliziert und falsch. Warum? Deshalb: Ohne das dumme Geschrumbel über einen irgendwie "Anti-Ballack" Lahm gäbe es keine Story. Denn man fragt sich die ganze Zeit, wo ist sie, die Story? Sämtliche Anti-Ballack-Thesen greifen nicht. Gelassenheit bei Lahm statt was bei Ballack? Zurückhaltung bei Lahm? Wie bitte? Wollte er nicht die Mannschaft zum Titel führen? Nachzusehen und -zuhören ist das hier in der ZDF-Mediathek. Somit greift dieses Argument wenig mit ohne stichhaltige Belege. Ballack hingegen äußerte sich vorsichtiger. Wie man beispielsweise hier nachlesen kann. Gleichwohl hat Lahm genau das Richtige betont; Ballack hätte nicht mehr und nicht weniger gesagt als Kapitän zum jetzigen Zeitpunkt Nur wie gesagt, hier würde es dann keine Story geben. Der Kollegin ist offenbar nichts Besseres als der unpassende Vergleich zweier gleicher Spielerpersönlichkeiten eingefallen. Nur bei Gleichheit gibt's nunmal nicht zu polarisieren. Dumm, denn es gibt dann keinen Anti-Ballack ohne Story. Nur einen veritabel kopierten Prince Boateng durch Spiegel-Online gegen Ballack. Dünn, sehr dünn. Gute Besserung! Mittwoch, 2. Juni 2010Happy 90, MRR!Wer, wenn nicht Marcel Reich-Ranicki, könnte uns dieselbe Prozedur liefern wie jedes Jahr und sie würde dennoch nie an Unterhaltungswert verlieren. Da wird einer 90, der mal sagte, nachdem er gefragt wurde, ob er auch ein Telefonbuch kritisieren könne, nein, das könne er nicht, es sei ja ein Buch, und er sei ja kein Buchkritiker, sondern ein Literaturkritiker.
Was umgekehrt heißt, Telefonbücher entbehren einer gewissen Literaturzugehörigkeit. So wie Haruki Murakami? Oder wie Martin Walser ("Tod eines Kritikers")? Oder wie der späte Günter Grass ("Ein weites Feld")? Alles Lieblingsfeinde von MRR. Alles Literatur im weitesten Wortsinn von MRR, Bücher im engeren. Doch am wunderbarsten hat er uns den Spiegel bei der Fernsehpreisverleihung 2008 vorgehalten. Er könne diesen Preis nicht annehmen; denn das, was da auf der Glotze täglich geboten würde, sei unter seiner Würde. "Alles Köche!", rief der Mann. Alles Telefonbuchautoren!, ließe sich auch übersetzen. Genau so ist die Welt, eine Telefonbuchwelt. Und ohne MRR wüssten wir das nicht. |
KalenderSucheKategorienBlog abonnierenVerwaltung des Blogs |
