Donnerstag, 31. Dezember 2009Montag, 7. Dezember 2009Kommentare (0) Trackbacks (0) Ein bisschen Zeitung - niiuEine taz, eine FR, eine Morgenpost, ein bisschen Klatsch - alles in einer Zeitung. Das Projekt - vielfach seit Monaten besprochen - heißt niiu, vielleicht deshalb, weil man niemals eine Zeitung so nennen würde; allerhöchstens ein Portal im Internet. Niiu - etwa eine Lautmalerei aufs englische new - neu oder news - Nachrichten. Alles neu jetzt, oder hau? Also was genau das bedeuten soll, weiß nicht mal Wikipedia, und das soll ja eigentlich beinahe alles wissen. Aber eben nur beinahe.
Und damit wären wir schon beim Produkt, Projekt oder der Patchwork-Gazette namens niiu. Sie wurde am Freitag geliefert, am Sonnabend und heute am Montag. Freitag rechtzeitig zum Geburtstag meiner Liebsten - eine Geburtstagszeitung mit eigenem Foto, dem richtigen Datum für das runde Feierfest. Und das gehlört schon zu den positiven Nachrichten im Detail. Alle drei Tage kam meine eigene gedruckte Zusammenstellung; nur zu reichlich unterschiedlichen Tageszeiten; die erste Freitag morgen, die zweite Sonnabend nachmittag, die dritte Montag vormittag. Dass es einen Wirtschaftsteil dann nicht gibt, wenn Sonnabend ist und man dennoch einen Wirtschaftsteil bestellt hat, darauf wird man nicht explizit hingewiesen. Ich weiß, das hätte ich wissen können (müssen). Nur darum geht es hier nicht. Auch ist die Reihenfolge der einzelnen Seiten im Ressort so innovativ wie wild durcheinander geraten. Einer Seite 10 der FR-Politik folgt eine Seite 5 des Tagesspiegels und anschließend eine Seite 4 - die Aufmacher-Politik-Seite - der FR. Die zweite Sportseite des Tagesspiegels liegt vor der ersten, eine nicht bestellte BZ-Titelseite erscheint mittendrin bis ziemlich am Ende in meiner Zeitung, dafür bleibt man mir den Lokalteil der Morgenpost schuldig. Bei niiu bekommt man alles ein bisschen: Ein bisschen taz, ein bisschen Morgenpost fürs Lokale, ein bisschen Frankfurter Rundschau fürs Feuilleton oder der Politik, ein bisschen Tagesspiegel für den Sport - in der Summe keine komplette, sondern in allem ein bisschen Zeitung. Und nicht zehn Zeitungen in einer, sondern zehn Ressorts verschiedener Zeitungen. Das kann spannend sein, oder soll es wirken. Niiu - eine Abkürzung für Häppchen-Journalismus? Der Reiz besteht ohnehin nicht darin, selbst Herausgeber spielen zu dürfen, sondern darin, aus verschiedenen Zeitungen die Stärken zu kondensen. Zumindest von denen, welche in das Projekt involviert sind mit ihren redaktionellen Inhalten - wohlweislich nicht ganz ohne Gedanken an eine spätere Nachnutzung durch den niiu-Konsumenten. Reibungsverluste lauern überall. In Ausgabe 1 fehlte komplett der Sportteil, in Ausgabe 3 das Morgenpost-Lokale, gab es bei den Internet-Inhalten sinnfreie Kommentarabdrucke Marke "Re: ähhhhhhh" mit Angabe des Urhebers und der Quelle - in dem Fall dem Nachrichten-Feed von kicker.de, und das gleich zweimal, oder jene Meinungsäußerung "Dallas - Du Scheißkerl". Das Internet wimmelt von Bauchkommentaren dieser Art. Und bei niiu kriegt man davon eine Verstimmung bei ensprechender Empfindlichkeit, wenn das dann so unvermittelt daherkommt. Eine Redaktion bei niiu scheint da nicht drüber zu schauen. Das sollten sie aber schleunigst. Schließlich drucken sie Inhalte auf einer eigenen Projektionsfläche - und so werden Inhalte auch gegendarstellungsfähig. Noch ist man sich bei niiu wenig schlüssig über die Gestaltung der Zeitung; abgesehen von der Titel-Marke. Auf der ersten und der letzten Seite werden im Fließtextverfahren, nur unterbrochen von Rubriken-Hinweisen, von oben links nach unten rechts Internet-Inhalte abgedruckt wiedergekäuert. So wurde Zeitung vor 180 Jahren gemacht - layoutresistent. Das Titelbild war die ganzen drei Tage gleich - ein hellerleuchtetes Brandenburger Tor bei Nacht. In ihrer Rund-Mail vom Wochenende an die Leser - die erhielt ich sicherheitshalber gleich neunzehnmal - teilten sie mit: "Nachdem die gröbsten Herausforderungen in der niiu behoben wurden bleiben noch unendlich viele Weiterentwicklungsideen für Portal, Mantelseiten und Verlagsseiten. Insbesondere das Titelbild 'Brandenburger Tor' können wir nicht mehr sehen. Wir haben schon von Anfang an geplant dieses durch ein tagesaktuell wechselndes Bild zu ersetzen. Das wird nun kurzfristig umgesetzt." Grob gesagt, eine eher späte Erkenntnis. Denn die Leser sollten am Produktwerdungsprozess nur insofern beteiligt werden, als dass sie Hinweise und Wünsche für die Zukunft ja äußern können, nicht aber ihnen gesagt wird, was alles schief läuft momentan. Was läuft denn noch so alles schief, sei dann mal sofort meine nächste Frage. Es ist durchaus spannend, die Titelseite der taz zu lesen, danach den Leitartikel der FR und den Sportkommentar zu Hertha BSC - alles in einem Blatt, zwischen Titel- und letzter Seite. Und hübsch wirkt auch, dass ich der Zeitung einen eigenen Titelnamen geben kann. Ich habe sie - völlig wertfrei und dafür umso mehr umgebungsanlehnend - "Märchenbrunnen" genannt. Und dann sehe ich auf meiner niiu-Portalseite, dass sie sich jetzt für ein neues Titelbild entschieden haben. Viel Ozeanwasser mit einem Boot. Na dann, Mast und Schotbruch! Oder droht die Klimakatastrophe? Oder von beidem ein bisschen? Sonntag, 6. Dezember 2009Kommentare (0) Trackbacks (0) Ganz einfach - Graf LambsdorffZum Tod von FDP-Mann Otto Graf Lambsdorff gibts von mir folgende Episode ohne Gewähr:
Erich Honecker darf während seines Besuches 1987 in der Bundesrepublik eine Plenarsitzung des Bundestages besuchen. In einer Sitzungspause fragt er seinen Gastgeber Helmut Kohl: "Sagen Sie mal Herr Bundeskanzler, bei Ihnen hier ist eine Sitzung des Parlaments sehr unterhaltsam, geistreich und ziemlich lebhaft. Bei uns in der DDR-Volkskammer läuft das nie so ab. Da ist es immer sehr trocken und eintönig. Woran liegt das, lieber Herr Kohl?" "Nun, wir stellen unseren Abgeordneten immer eine Frage als Aufnahmeprüfung. Wenn der- oder diejenige sie richtig beantwortet, dann sind sie fähig, im Bundestag Abgeornete zu sein. Ich zeig Ihnen das mal. Passen Sie mal auf lieber Herr Honecker." Helmut Kohl ruft den gerade vorbeikommenden Otto Graf Lambsdorff zu sich. "Graf Lambsdorff, komm mal her." Graf Lambsdorf kommt her. "Graf Lambsdorf, ich stell dir jetzt eine Frage, und die beantwortest du sofort." "Gut." "Also Graf Lambsdorff, es ist das Kind deiner Eltern, aber nicht dein Bruder, wer ist das?" "Das bin ich." "Richtig." Erich Honecker ist außer sich vor Begeisterung: "Das ist ja toll." Zurück in Ostberlin muss Honecker wenige Tage später einer erneut langatmigen wie langweiligen Volkskammersitzung zuschauen und zuhören. In der Pause geht er zu Staatssicherheitschef Erich Mielke. "Du Erich", sagt Erich Honecker, "ich stelle dir jetzt eine Frage, und du beantwortest sie mir." "Ja, Genosse Honecker." "Gut. Also es ist das Kind deiner Eltern, aber nicht dein Bruder. Wer ist das?" "Genosse Honecker, das kriegen wir raus." "Nein, Erich, du gibts mir jetzt sofort die Antwort, wer das ist?" "Erich, gleich morgen früh hast du den Bericht als Erstes mit alllen Einzelheiten auf dem Tisch. Ganz sicher." "Nein, ich will es jetzt sofort wissen." "Jetzt sofort?" "Ja, jetzt sofort. Gleich. Kannst du mir jetzt sofort die Antwort geben?" "Ähm. Jetzt sofort geht das nicht. Das kriegen wir nicht hin. Also ich weiß es nicht, nicht jetzt sofort." Honecker zu Mielke daraufhin: "Also Erich, das ist ganz einfach. Es ist Graf Lambsdorff." |
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