Passend zur Wirtschafts-, Finanz- und Sonstwaskrise: Dodson, Mississippi, zur Zeit der Depression: Voller Angst erwartet der ganze Ort die Ankunft von Owen Legate, einem von Robert Redford gespielten Eisenbahnmanager, der die Taschen voller Kündigungsschreiben für die Bahnarbeiter hat. Alva Starr (Natalie Wood) hingegen ist die kokette Dorfschöne mit vielen Plänen, aber ohne Ziel - bis Legate an ihrer Tür erscheint. Die Affäre der beiden entrüstet Alvas kalte und gefühllose Mutter - und entfacht einen Rachefeldzug des ganzen Ortes.
Dieses Südstaaten-Drama ist die freie Adaptation eines Einakters von Tennessee Williams, der hier die wichtigsten Motive seiner Stücke variierte: Die unerfüllten Träume einer zutiefst sinnlichen Frau, die sich aus dem Mief einer Kleinstadt heraussehnt; das Scheitern am Geld und an der Gehässigkeit der eigenen Verwandten; die Ökonomie der Sehnsüchte und des sexuellen Verlangens. Francis Ford Coppola - damals noch ein weithin unbekannter Newcomer - bearbeitete diesen Stoff für die Leinwand und griff dabei die Erzählperspektive des Stückes auf. Für den im Vorjahr verstorbenen Regisseur Sydney Pollack war "Dieses Mädchen ist für alle" das Sprungbrett für seine spätere internationale Karriere mit Meisterwerken wie "Die drei Tage des Condors" und "Jenseits von Afrika".
Beinahe passend zum spannenden Reality-Thriller von Robert Saviano über die Camorra in Neapel "Gomorrha" gibt's heute auf dem Kulturkanal einen Film aus Süditalien. Michele, gespielt von Giuseppe Cristiano, entdeckt in einem Erdloch den kleinen Filippo (Mattia Di Pierro). Michele, gerade 10, will dem verwahrlosten Jungen helfen. Dabei entdeckt er natürlich, warum Filippo so leben muss, wer und was hinter den mysteriösen Umständen steckt.
Regisseur Gabriele Salvatores verlegt die Handlung ins Italien von 1978. In eine recht explosive Zeit; die Hochzeit der Roten Brigaden, der Zeit, in welcher der führende Politiker der Democracia Christiana, Aldo Moro, entführt und später ermordet worden ist.
Im Film spiegelt sich der große Konflikt im kleinen Alltag durchaus wider. Alle ducken sich, bewegen sich bedächtig unter einer unsichtbaren gewaltsamen Macht. Der Lichtblick gegen das bleiernde Gefühl ist der Michele.
Auf der Berlinale 2003 war "Ich habe keine Angst" einer der beachtetsten Streifen, wenn auch nicht prämiert. Salvatores wurde immerhin für 2004 in die internationale Jury zur Berlinale berufen. Bei den renommierten Donatello-Awards wurde der Film unter anderem mit den Preisen für die beste Regie und die beste Kamera ausgezeichnet.
Stilles wie tiefes afrikanisches Ereigniskino: Die Wüste wächst, die endlose Dürre lässt die Brunnen austrocknen. Ihrem Instinkt folgend, ziehen die meisten Bewohner eines Dorfs nach Süden. Nur Dorflehrer Rahne (Issaka Sawadogo) hält das für falsch und geht mit seiner Frau Mouna (Carole Karemera Umulinga) und seinen drei Kindern nach Osten, obwohl dort Krieg herrscht. Ihre einzigen Besitztümer sind ein paar Schafe, einige Ziegen und Chamelle, das Dromedar. Doch ihr Marsch führt sie unter brennender Sonne direkt in Feindesland.
Regisseurin Marion Hänsel fängt große Bilder von dieser zerissenen Nomaden-Gesellschaft ein. Umrahmt von der Liebe, der Hoffnung, von Verzweiflung, Flucht und der Dürre der Natur. Und einer vereinahmenden Musik René-Marc Binis.
Der Roman "Chamelle" von Marc Durin-Valois - der 2005 unter anderem mit dem "Prix des Cinq Continents de la Francophonie" ausgezeichnet worden ist - liefert die Vorlage zur Geschichte eines Exodus, einer Reise der Hoffnung und der Unausweichlichkeit. Aber der Film ist auch eine Parabel über Entschlossenheit, voller Lebensfreude, Beharrlichkeit, der Stärke und Liebe eines Vaters.
Schon als Kinder verbrachten der Italiener Enzo Molinari (Jean Reno) und der Franzose Jacques Mayol (Jean-Marc Barr) ihre Zeit am liebsten mit Tauchen vor den griechischen Inseln. Ihre Begeisterung und ihre Freundschaft riss 20 Jahre lang nicht ab. Nun ist Enzo Weltmeister im Tiefseetauchen ohne Sauerstoffgerät und Freund Jacques würde ihm den Titel gerne abjagen.
Bei den Weltmeisterschaften auf Sizilien geht es allerdings um mehr. Beide sind an der attraktiven Blondine Johanna Cross (Rosanna Arquette) interessiert und wollen ihr durch einen Sieg imponieren. Noch "gehört" die Dame Jacques, aber Enzo - von Reno als selbstbewusster 17facher italienischer Weltmeister im Tieftauchen ohne Gerät genial und humorhaft gespielt - würde das gerne schnellstmöglich ändern. Die beiden Freunde versuchen sich gegenseitig zu überbieten - und eine Tragödie scheint programmiert.
In ausschweifenden Bildern versucht Regisseur Luc Besson (Taxi, Taxi, Leon, der Profi) vor allem die Schönheit des Meers darzustellen. Das gelingt ihm! Allerdings trägt dies alleine keine zwei Stunden Film. Leider ist das Drehbuch ein wenig schlapp geraten, und auch die beiden Hauptdarsteller überzeugen nicht unbedingt. So kann "Im Rausch der Tiefe" eine Stunde lang faszinieren - danach stellt sich bei den meisten Nicht-Tauchern cineastische Atemnot ein.
Ohne eine persönliche Erfahrung hätte es den Regisseur Besson und damit diesen Film gar nicht gegeben. Denn als 17-Jähriger erlitt der extrovertierte Filmemacher einen Tauchunfall - die Eltern betrieben eine Tauschule. So wurde Besson doch nicht Meeresbiologe sondern setzte sich glücklicherweise auf den Regiestuhl.
Man kann ja Maria Furtwängler vieles vorwerfen - beispielsweise, nicht so richtig zu wissen, was sie eigentlich so sein will; Ärztin, Sopranistin oder Schauspielerin. Wohltuend darf man aber feststellen, wir wissen, was sie richtig gut kann - ihre Rolle als Kommissarin Charlotte Lindholm im Hannover-Tatort.
Sie sorgt noch dafür, dass ein phasenweise behäbiges Drehbauch einigermaßen flotte Fahrt bekommt. In ihrer neuesten Geschichte von heute Abend muss die privat solo durchs Leben gehende Ermittlerin einer Jugendfreundin nachspüren. Ganz sieht es so aus, dass jene die Mörderin eines Polizisten ist. Manu, so der Name der ihr nahestehenden Dame und gespielt von Karoline Eichhorn, macht sich verdächtig durch militante Kongolesen in ihrem Umfeld. Der Verfassungsschutz will es auch noch mit Frau Lindholm aufnehmen, nimmt die festgenommene Freundin einfach mal mit und lässt diese dann frei.
Na dann. Regisseur Dror Zahavi ("Die Luftbrücke", 2005) konstruierte einen konfliktreichen Fall mit politischem Ausmaß. Der Israeli stellt zwei starke Frauen-Charaktere nebeneinander. Konflikt inbegriffen; auch von der Story her.
Eine Doku über die dunkle Seite Frankreichs; der der Kollaboration mit den deutschen Nazis, mit deren abgründigster Organisation - der SS. Es geht um die französische Miliz.
Nach dem Ersten Weltkrieg gewann auch im ausgebluteten Frankreich unter den Kriegsveteranen rechtsradikales Gedankengut an Einfluss. Vom italienischen Faschismus und vom Erfolg der Nazis in Deutschland faszinierte Kreise setzten die Republik in gewaltsamen Demonstrationen unter Druck.
Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 erwies sich die französische Linke aufgrund ihrer pazifistischen Ausrichtung als völlig handlungsunfähig. In der Folge der Niederlage der französischen Streitkräfte, des Waffenstillstands und der Installierung der Vichy-Regierung wurde die ursprünglich apolitische Kriegsveteranenvereinigung "Légion des anciens combattants" zu einem Propagandainstrument des Pétain-Regimes.
Anhand der Aussagen von Widerstandskämpfern und Kollaborateuren aus der Zeit der Okkupation Frankreichs zeichnet der Film die Geschichte der 1943 von Pierre Laval gegründeten "Milice française" nach. Umfangreiches Material aus Filmarchiven sowie Fotos und Briefe beleuchten die Werdegänge von ehemaligen Milizangehörigen und Widerstandskämpfern und geben Einblicke in die Geschichte der Miliz.
Regisseur Alain Ferrari, ein Vertreter des Film Noir, hat aus den Interviews einen spannenden Doku-Thriller zusammengebastelt.
Jetzt gibt's wieder neue Folgen der Kommissar-Stolberg-Reihe. Nach einem Streit mit seinem Bewährungshelfer wird Boris Pahlke (Josef Heynert) ermordet aufgefunden. Seine Freundin Judith Führmann (Jasim Gerat) hatte ihre Verbrecherkarriere offenbar an den Nagel gehängt, um sich ein neues Leben im Restaurant der Familie Palmieri aufzubauen. Kommissar Stolberg (Rudolf Kowalski) taucht tief in die Geschichte der Beteiligten ein, um den Mord aufzuklären.
Die Arbeiter der englischen Kleinstadt Grimley kämpfen gegen die Schließung ihrer Zeche - der Kampf ist jedoch bereits verloren, der Stillstand eine beschlossene Sache. Damit scheint auch die Ära der "Grimley Colliery Band", der Blaskapelle der Bergarbeiter, zu Ende zu gehen. Für Bandleader Danny (Pete Postlethwaite) ein herber Schlag. Er wünscht sich zum Abschluss nur noch eins: Einmal im Finale des Blaskapellen-Wettbewerbs in der "Royal Albert Hall" in London auftreten zu dürfen.
Aber da gibt es noch einige Steine und Differenzen aus dem Weg zu räumen. Eine ist ganz persönlicher Natur, als sich gleich mehrere der Musiker - allen voran Sunny-Boy Andy (Ewan McGregor) in die hübsche Gloria (Tara Fitzgerald) vergucken. Die Schwärmerei wird je beendet, als sie erfahren, dass Gloria zum Management gehört, dass die Schließung der Zeche angeordnet hat ...
Regisseur Mark Herman (Hope Springs/2003, Little Voice/1998) erzählt die Geschichte der kleinen Leute und hat daraus großes Kino gezaubert. Seine Tragikkomödie erfrischt durch die natürlichen Bilder, aus dem uneitlen, rauen Arbeitermilieu.