Oliver Kahn macht weiter. Er ist zurück aus dem
Archiv. Immerhin nicht als Torhüter, sondern vielmehr als Fußballsalbader. Nein, das ist keine Nachricht des Tages, es ist eine Konstante im Leben des Ex-Titanen. Weiter, immer weiter machen. Denn seit dem Fußball-WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland spaziert er wieder in die deutschen Wohnzimmer; via ZDF.
Neben Johannes Babtist Kerner gab er den Günter Netzer des ZDF. Allerdings: Kerner ist nicht Delling, der Netzer-Delling Delling. Und Kahn nicht Netzer. Und woran merkt man das: Richtig, daran, dass Kerner den Kahn duzte; und wie. Als seien die beiden zusammen in die Schule gegangen. Bei Delling und Netzer undenkbar. Nicht einmal das "Du Günter, ja Gerhard". Ohne ihr siezen wäre ihr Erfolg kaum möglich, kaum die Situationskomik, welche vielfach unfreiwillig über den Bildschirm kam.
Also duzte der Kerner den Kahn an, wie das denn sei mit dem Klose, der also gegen Finnland nach soundsoviel Minuten endlich wieder das Tor traf und das gleich dreimal. "Klose ist zurück", das sollte eigentlich eine Frage werden. Kahn beschrieb das so, wie man es von ihm gewohnt ist: "Da musst du immer weiter machen." Er sah ein tolles Spiel. Was für ein banales Geheimnis, mag man denken. Doch Kahn hat recht. So simpel ist das Leben. Weiter machen, tolles Spiel, tolle Erfahrung.
Einzig aus der Fassung schien Kahn zu geraten, da Bundestrainer Joachim Löw die Szene nach der Finnland-Partie im ZDF-Glaskasten des Olympiastadions in Helsiniki betreten hatte. Eisiges Begrüßen. Warum? Noch immer steht zwischen beiden, dass Kahn die WM vor zwei Jahren nicht als Nummer 1 im Tor erlebt hatte, sondern sein Lieblingsfeind Jens Lehmann. Löw gilt als der Kahn-Wegflüsterer, als Jürgen Klinsmanns Mastermind von 2006.
Kahn hörte nur stumm hin, als Kerner und Löw über das 3:3-Spiel gegen Finnland plauderten. Kahn schaute stumm zu, als Kerner um Fragen zu Klose rang, die Löw mit Schulterzucken konterte und eigentlich nicht beantworten wollte. Kahn schwieg in seinem ersten Auftritt seines neuen Jobs bei Kerner. Delling hätte Netzer da längst einen Vorwurf zu dessen Passivität vorgeworfen, so faul wie der in seiner aktiven Zeit Fußball abarbeitete.
Also ist auch klar, Kahn ist nicht Klopp. Klopp, jener Experte, der dem ZDF nach der Euro 008 abhanden kam, weil er als Trainer für Borussia Dortmund über viel zu viele sensible Dinge informiert ist und deshalb nicht mehr experteln darf fürs ZDF.
Noch ist nicht bekannt, ob Kahn vielleicht doch wieder in irgendein Tor zurückkehrt. Lance Armstrong will ja auch wieder in Frankreich Fahrrad fahren. Man muss halt immer weiter machen.