Mittwoch, 30. Juli 2008Schneller Sehbefehl
Programm-Tipp für heute Abend um 23 Uhr 15 im ZDF: der zweite Teil einer Dokumentation über das Dopingsystem in China vor den Olympischen Spiele in Peking. Der Titel: "Mission Gold (2/2) - Wie sauber sind die Olympischen Spiele?"
Die Reporter Ralf Paniczek und Thomas Reichart spüren dem Doping-Netzwerk hinterher. ![]() ZDF-Zweiteiler zu den Spielen in Peking Webfoto: cujau.de Teil 1 lief bereits voam 9. Juli. Hier in der Mediathek des ZDF kann sich's, wer's verpasst hat, anschauen. Suchbegriff "Mission Gold" eingeben und ansehen. Sehenswert! Mittwoch, 30. Juli 2008Kommentare (0) Trackbacks (0) Olympia in Peking - weltweite ZensurMit dieser Masche hätten sie vor acht Jahren die Olympischen Spiele nicht bekommen. Denn das Internationale Olympische Komitee (IOC) musste eingestehen, dass die chinesischen Behörden den Medienvertretern im Medienzentrum der Spiele den freien und wie es stets hieß "unzensierten" Zugang zum Internet verweigert. Peking weitet seine Zensur auf die ganze Welt aus, heißt das im Umkehrschluss. Die große Chinesische Firewall. So bricht man seine Versprechen weiter. Einen Agenturbericht zur Lage gibt es hier unter "ad-hoc-News" im Netz. Der Wortbruch der chinesischen Behörden darf jedoch niemanden wirklich überraschen. Er bedeutet nun vielmehr, dass das IOC gegenüber den Chinesen einbricht. Im ZDF-Morgenmagazin hatte der Reporter eine Stellungnahme des IOC-Mediendirektors, der Australier Kevan Gosper, erbeten; der tat vollkommen überrascht und würde sich nicht vorstellen können, dass es keine freien Internet-Zugang gibt. Dabei müssen sie beim IOC längst darüber Beschied gewusst haben. Hier wird vielmehr eine Täuschung gedeckt. Ein absurdes Beispiel zeigte der ZDF-Mann mit einer bereits vor Ort tätigen brasilianischen Reproterin. Sie sagte, sie wolle nur ihr eigenes, privats Internet-Blog erreichen. Dort würde sie überhaupt nichts über Peking schreiben. Doch auch sie komme an ihre Webseite von Peking aus jetzt nicht mehr heran. Offiziell heißt es nun, dass nur Seiten, die etwas mit dem Sport zu tun hätten, unter die Forderung des freien Zugangs fielen. Kevan Gosper dazu: "I regret that it now appears BOCOG has announced that there will be limitations on website access during Games time (…). I also now understand that some IOC officials negotiated with the Chinese that some sensitive sites would be blocked on the basis they were not considered Games related." Im April klang das noch ganz anders. Da machte Gosper sich und der Öffentlichkeit noch etwas vor. Der "International Herald Tribune" sagte er: "Even this morning we discussed and insisted again," Gosper said. "Our concern is that the press is able to operate as it has at previous games — at games time." und weiter: "There was some criticism that the Internet closed down during events relating to Tibet in previous weeks, but this is not games time." Aber jetzt ist Games Time. Und das Internet wird zensiert. Vor knapp sechs Monaten war Gosper noch von der chinesischen Offenheit überzeugt. Das belegt diese Korrespondenz von "Spiegel Online". Darin hieß es vor vier Monaten: "China zensiert die Fernsehübertragungen, die die IOC-Mitglieder und Vertreter der Nationalen Olympischen Komitees in dieser Woche bei ihren Tagungen in Peking zu sehen bekommen. Als am Sonntag die BBC von den Demonstrationen am Rande des Fackellaufs in London berichtete, gingen die TV-Geräte in den Zimmern des IOC-Hotels "China World" aus. "Wir kennen das Problem. Das ist die Zensur", sagte Kevan Gosper, Chef der IOC-Medienkommission. "Da können wir nichts machen. Aber wir haben die feste Zusage, dass während der Spiele nicht zensiert wird", so der Australier. Er hatte bereits in der vergangenen Woche die chinesische Regierung daran erinnert, dass während der Sommerspiele im August und der Paralympics im September alle Blockaden im Internet aufzuheben seien. Ein entsprechender Passus sei Bestandteil des mit Vergabe der Spiele 2001 abgeschlossenen Ausrichtervertrages zwischen IOC und Organisationskomitee Bocog." Eine Zusammenfassung zu der jetzigen Lage bietet Amnesty International auf seiner Webseite. Die kann man allerdings in Peking und im dortigen Olympia-Medienzentrum nicht lesen, weil die Seite dort geblockt wird. Nun ja, und so gut wie jede News-Seite dieser Welt betreibt einen umfangreichen Sportteil. Doch diese werden genauso gesperrt wie alle anderen Angebote außerhalb Chinas, die nichts mit dem Sport zu tun haben wie etwa westliche Internet-Blogs. Noch liegt beim IOC keine offizielle Stellungnahme vor; noch wiegt man sich in seinem olympischen Geist, dass die Teilnahme zählt. Und kommen wollen ja alle, und alle freuen sich. Das suggerieren die bisherigen Presse-Mitteilungen des IOC. Und dann sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach, ein Deutscher, vorige Woche in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel": "Es sind keine chinesischen Spiele, sondern Olympische Spiele in Peking." Damit will er wohl sagen, das IOC richtet die Spiele aus. Dann muss die Gegenfrage erlaubt sein, ob das IOC auch die Zensur betreibt. Verantwortlich muss es wohl schon sein; jedenfalls nach Bachs Einlassung. Und dann zensiert somit das IOC; wie gesagt, nach Bachs Worten. Hier gibt's das komplette "Tagesspiegel"-Interview mit Bach. Dienstag, 29. Juli 2008Angekündigtes SterbenIch trage schwarz. Denn am Donnerstag wird erstmal gestorben. Compuserve geht vollständig vom Netz. Damit wird mein E-Mail-Kasten bei einem der einst größten Internet-Bereiter und -Dienste Deutschlands für immer geschlossen und verriegelt bleiben. Anfang des Monats hatte Compuserve sein Sterben in einem Rundschreiben angekündigt: Sehr geehrter CompuServe Kunde, Weiter unten heißt es dann: "Falls Sie Fragen oder Anmerkungen haben, wenden Sie sich bitte an folgende Adresse: Ein Abschiedsgruß aus Holland von einem Engländer. Bereits jetzt ist die deutsche Seite von Compuserve - compuserve.de - nicht mehr erreichbar. Man wird auf eine Schweizer Suchmaschine, die rein gar nichts mehr mit dem einstigen Compuserve gemein hat, umgeleitet. Leer und verlassen wirkt das ganze. Der Abschied klingt nüchtern; ohne Worte. Ist so das Netz? Wortlos? Schon die Bemerkungen, was ich nach dem 31. Juli 2008 nicht mehr kann: ins Internet einwählen über Compuserve, alle Informationen seien dann nicht mehr verfügbar. Es hört sich an, als würde Captain Kirk der Enterprice mit Warb 10 ins Never-Come-Back-Nirvana den letzten Schub verpassen wollen. ![]() Compuserve nur noch als Suchgerät Webfoto: cujau.de Compuserve und nicht AOL oder die Telekom war mein Einstiegstor in den 90er Jahren ins Internet. Es ging simpel; mein Einwahlprogramm lief zuverlässig, und die Startseite von Compuserve erklärte sich von selbst. Der größte Vorteil von Compuserve neben seinem großen Newsgroup-Datensätzen bestand darin, dass ich kaum Werbe-Müll erhielt; eigentlich so gut wie gar keinen, wenn man vier bis fünf pro Jahr als nicht existent ansieht. Angesichts der Spam-Flut bei anderen Providern ein Paradies im Internet eine Oase. Jetzt wird sie trocken gelegt. Das ist schade, sehr schade. Zwar hatte ich längst durch DSL und Flatrate einen anderen Einwahl-Provider; doch Compuserve blieb mein treuer, vertrauer Briefträger. Denn Compuserve basierte auf dem simplen Prinzip, den Schlüssel fürs Internet auf die Theke zu legen; so wie ein vertrauter, zuverlässiger Portier, wie eine gute Seele, die einem das Leben erleichtert. Compuserve ist vielleicht auch deshalb gefressen worden; weil sie die gute Seele verkörperten. Ganz sicher sogar. Erst bemächtigte sich AOL des Internet-Provider-Pioniers, dann wurde AOL vom Hanseaten Alice verschlungen. Nur war da Compuserve bereits verdaut und waberte nur noch ein bisschen als kleiner Bit-Rülpser durchs Netz. Doch es lebte. Und das ganz unauffällig und angenehm als uneitler Maildienst. Jetzt stirbt Compuserve ganz unauffällig. Das merkt nur der, der ständig noch Mails über den digitalen Briefchendienst erhalten hat. Ich habe und muss jetzt alles wichtige dieses Eingangs speichern, andere Mailadressen an die mir wichtigen Verteiler senden. Ich räume auf wie bei einem Umzug. So stelle ich mir das vor, wenn man einen Haushalt auflöst, weil jemand gestorben ist. Jetzt werden die Bibelfesten auf Hochtouren tönen: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Ich glaube in dieser reichlich überhitzten Internet-Welt gibt es keinen Anfang und kein Ende; sondern nur noch ein Mitmachen und Durchhalten oder Abschalten, was beinahe unmöglich scheint, denn dann ist man so tot wie jetzt Compuserve. Es wird kein Web 3.0 geben, weil das keinen Sinn ergäbe. Zurück zu den Ursprüngen hätte auch keinen Sinn, dafür ist zu viel passiert. Eigentlich ist es ein Wunder, dass Compuserve so lange weiter existiert hat, seit sie eigentlich von AOL in den Archiv-Keller verbannt wurden; beinahe unbemerkt von der Masse. Schade! Donnerstag geht mein erster Provider für immer. Schade! Wirklich schade! Hier hat etwas für mich Sinnvolles existiert. Ich bin vielleicht auch zu altmodisch; doch liebgewonnene Dinge lasse ich nur schwer gehen. Hier gibts einige Abschiedsgrüße auf heise.de. Da steht dann ein paar Mal das, was ich meine, wenn ich hier ein bisschen vor mich hin trauere. Freitag, 25. Juli 2008
Schmähschriften unter Alpha- und ... Geschrieben von Cujau
in Blogwelt um
15:21
Kommentare (8) Trackbacks (0) Schmähschriften unter Alpha- und Beta-TierenDiese Woche wurde der Stellungskrieg eröffnet; eine mediale Schlacht um Wahrheit und Wahrhaftigkeit zwischen Journalisten ("Der Spiegel") und deutschen Bloggern. Man kennt sich und hasst sich in tiefer Zuneigung. Auslöser ist eine Schmähschrift im so genannten deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter der Schlach(t)zeile "Die Beta-Blogger". Natürlich hat der Spiegel bewusst das Wort "Alpha" vermieden, weil ein "Alphatier" unter den Medien schließlich keinen neben sich duldet. ![]() "Spiegel"-Heft mit Blogger-Schmäh Heraus kam - auch in der Reaktion, dass ungefähr jeder versucht, aus seiner Perspektive die Bestätigung für seine Wahrheit zu finden und zu determinieren. Das gelingt dem "Spiegel" genauso wie Bloggern ganz gut. Und dahinter lässt es sich recht hübsch eingraben. Man sieht sich auf der jeweils anderen Seite im Recht und natürlich als der Bessere an. Worin auch immer. Auf jeden Fall im Polemisieren. Was ist nun an der Diskussion, die der "Spiegel" losgetreten hat, falsch? Selbst wenn der "Spiegel" überteibt oder falsch liegt, dann macht er nichts anderes als das, was Blogs auch gelegentlich gern tun - polarisieren, um die jeweilige Andersartigkeit herauszustellen. Also kämpfen alle mit gleichen Waffen. ![]() Die Schmäh-Schrift Webfotos (2): cujau.de Klar liegen die "Spiegel"-Eier falsch, wenn sie betonen, in Blogs würde die journalistische Sorgfalt vor die Hunde gehen. Denn die Frage lautet wohl eher: Wie bekommt man die journalistische Qualität wieder hin; besonders beim "Spiegel" und anderen so genannten "Qualitätsmedien"? Zudem aber legt es kaum ein Prozent der Blogs darauf an, einen so genannten Bürgerjournalismus zu betreiben; also können journalistische Maßstäbe für die überwiegende Mehrzahl der Blogs gar kein Gradmesser sein; vielmehr Originalität. Und darin sind sie wiederum mit Zeitungen oder Online-Medien eben nicht vegleichbar. Und was passiert: Die Szene tappt in die Falle und schmäht auf derselben Klaviatur wie sie geschmäht wurde, fühlt sich angesprochen und meint, der "Spiegel" habe unrecht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Relevant? Die Beta-Tiere beißen zurück. So ein Getöse hier wie da trägt kaum zur Wahrheitsfindung bei, aber es ist immerhin Unterhaltung; auch wenn der "Spiegel" zuspitzt, und es spielt keine große Rolle, selbst wenn der "Spiegel" meint, Leitmedium der Republik zu sein. Man sucht sich seine Argumente für seine Wahrheiten. So reflexhaft ist heutiger Journalismus; auch unter den neuen "Spiegel"-Machern von Blumencron und Mascolo. Es gibt wichtigere Sachen. Und die haben eine viel größere Relevanz. Ein bisschen mehr Gelassenheit und weniger Häme wäre also allerorten angebracht. Denn dass Blogs per se und generell besser sind, ist wohl kaum bewiesen; allenthalben bei einer Umfrage unter Bloggern eine solide mehrheitfähige These, gäbe es sie. Eine hübsche Wutschrift auf den "Spiegel", die amüsant zu lesen wie auch unterhaltsam wie informativ formuliert ist, hat der "Spiegelfechter" unter der Zeile "Beta-Journalisten und Beta-Blogger" verfasst. Gleichfalls sehr treffend fasst die Situation der Frei-Gen'er zusammen. YEP! Das sitzt. Großartig. Davon brauchen wir mehr. Wahrhaft gebrüllt wird hier. Donnerstag, 24. Juli 2008Obama in Berlin"Ihr Völker der Welt, schaut auf Berlin!" (US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten Barak Obama, 24. Juli 2008 bei seiner Rede vor der Siegessäule in Berlin) Was wird er sagen, wenn er in Berlin redet, hat man aufgeheizt unter den Medien gerätselt. Nach John F. Kennedys "Ich bin ein Berliner", nach Ronald Reagan vor dem Brandenburger Tor ("Mister Gorbatschow open this Gate, tear down this wall") und Bill Clintons Rede mit den deutsch gesprochenen Sätzen bei seinem Berlin-Besuch am 12. Juli 1994 "Alles ist möglich. Berlin ist frei" sollte auch Obama etwas epochales von sich geben. Also tat er es und zitierte Ernst Reuter, den ersten Regierenden Bürgermeister Berlins nach dem 2. Weltkrieg. "Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!" (Ernst Reuter, Regierender Bürgermeister von Berlin, vor dem Schöneberger Rathaus 1948 während der Berlin-Blockade durch die Sowjetunion) Da können die Medien ja jetzt beruhigt schlafen gehen oder Berlin wie Obama wieder verlassen. Donnerstag, 24. Juli 2008Euro 008: Fan-Film 2.0Detlev Bucks Film zur Fußball-EM in Österweiz liegt bereit. Nächste Woche Donnerstag läuft "23 Tage" (Eigenwerbung: "Der erste Fan-Kinofilm der Welt") in den Kinos an. Das Besondere an dem Streifen: Das Material hat das Publikum geliefert mit seinen Videoschnipseln von der EM, vom Public-Viewing, vom Boltzplatz. Genauer gesat: das Youtube-Publikum. Denn dort mussten die Streifen hochgeladen werden. Das Wichtigste für Detlev Buck (Sonnenallee, Knallhart) war jedoch, dass die Filmchen einen Bezug zur Europameisterscahft haben mussten; welchen, das jedoch blieb den Machern überlassen. Laut Buck sollte etwas vollkommen Neuartiges entschehen: "In Form der weltweit ersten EM-Dokumentation 2.0." Buck erfindet Buck 2.0 mittels Fan 2.0. Soweit die Idee. Das Filmtagebuch über die 23 EM-Tage soll die EM wiederbeleben; ein Youtube-Sommermärchen ohne Sönke Wortmann, dafür mit einem anderen Regie-Star aus der etwas anderen Perspektive. 1000 Fan-Videos sollen eingesandt worden sein: "Mit Spieldokumentationen, dramatischen Jubelszenen, Fußballtricks oder eigenen EM-Songs", teilen sie auf ihrer Webseite mit. Die genauen Vorführ-Termine des Youtube-Steifens sollen am 28. Juli veröffentlicht werden. Ab 31. Juli wird der Film dann zwei Wochen lang täglich in den jeweiligen Städten zu sehen sein; in Berlin im CineStar im Sony-Center am Potsdamer Platz. Hier schon mal der Euro-Fan-Trailer: Donnerstag, 24. Juli 2008
Fortschrittsanleitung Geschrieben von Cujau
in Die kleine Alltagsweisheit um
10:51
Kommentare (0) Trackbacks (0) Fortschrittsanleitung
"Man macht nur Fortschritte, wenn man nicht weiter weiß." (Alberto Giacometti)
Donnerstag, 24. Juli 2008Elektronischer SchäubleDie Wolfgang-Schäublerisierung schreitet munter voran. Diese Woche bekam unser aller Schutzminister seinen elektronsichen Personalausweis. Kommen soll das Schäuble-Dokument ab 2010; der elektronische Schäuble als Scheckkarte. Wenn man den Verheißungen der vergangenen Tage glauben mag, dann offeriert uns der neue Ausweis neue Freiheiten; etwa im Internet. Einfacher soll es dann sein, wenn man sich dort ausweisen müsste, dort bezahlen soll, Behörderngänge sollen unkomplizierter sein. Mich würde mal interessieren, wie oft - statistisch gesehen - ein Bürger Behördengänge macht. Per se sind die - egal wann und zu welchem Zweck - nie einfach; allerhöchstens lästig; doch kaum häufig. Weshalb sollten sie dann in so groß angelegter Aktion erleichtert werden. Schäuble-Argument: Personalausweis als Passersatz, wo ja der Fingerabdruck bereits drauf ist. Nur: Welches Land, in dem ich den Pass als Dokument zur Einreise benötige, akzeptiert denn nur den Personalausweis. Keines, so viel ich weiß; nicht mal die Türkei. Auf einem Chip sollen auch das Foto gespeichert und, wenn man möchte, auch die Fingerabdrücke gespeichert werden. Das ist also freiweiwillig. Was ungefähr so klingt, als ob wir selbst entscheiden dürften, welche Gesetze für uns gelten und welche nicht. Ganz neue Freiheiten unter Schäuble. Wohl kaum. Wer sich weigert, seine Fingerabdrücke speichern zu lassen, der wird zunächst wohl extra gespeichert werden - in der Schutzverweigerer-Kartei womöglich. Motto: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Fingerabdrücke von sich speichern zu lassen, hat den Charme erkennungsdienstlicher Ermittlungen gegen sich selbst. Warum man sich dadurch sicherer als vorher fühlen soll, erschließt sich eher nicht. Der Staat darf sich sicherer fühlen, von mir schon mal alles vorliegne zu haben. Nun gibt es ja die Lebenslügen-Romanze, dass, wer nichts zu verbergen hätte, auch beruhigt alles von sich geben und alles zeigen kann. Fein, wer's mag Nur: Noch gehört mein Finerabdruck mir und nicht dem Staat. Nicht der Staat hat ihn mir gegeben, sondern die Natur durch meine Eltern, ansonsten gäbe es mich gar und auch meinen Fingerabdruck nicht. Somit gehört der Fingerabdruck zu meiner Privatsphäre. Und wenn ich recht informiert bin, ist die durch das Grundgesetz (Art. 2 Abs. 1, in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1) geschützt. Oder möchte Herr Schäuble daran rütteln? Nachtrag: An dieser Stelle gibt's Einblicke in das Grobkonzept des Schäuble-Ministeriums für den E-Ausweis. Dienstag, 22. Juli 2008Kinski-Psyche der MedienJetzt, wie sie behaupten, haben sie es schwarz auf weiß: Klaus Kinski hatte Tobsuchtsanfälle, sagt man im TV-Spot bei "Welt-Online". Ein Choleriker sei er gewesen, das sei jetzt sicher. Seine Psycho-Akte ist in Berlin aufgetaucht. Wir brauchten also eine Akte, um festzustellen, dass Kinski nicht alle Steine auf der Schleuder hatte. Der Mann war Patient, wen wunderst's? Die Medien offenbar. Jesus Christ Kinski. Dabei gibt es unzählige Belege für seine Manien; seine Egomanie, seinen Schizo-Hang. Eines der besten Dokumente dafür ist ein Film seines langjährigen Regisseurs Werner Herzog "Mein liebster Feind". Kinski taucht dort in beinahe allen bekanntne Tobarten der Welt auf - einfach grandios toll. Und jetzt wird uns weisgesagt, er war nicht ganz dicht. Natürlich war er nicht ganz dicht, war er anders; nicht kompatibel zum Rest des Lebens um ihn herum. Nur, warum ist das so überraschend, wo ist die Nachricht zu dieser These. Zu dieser Analyse bedurfte es kaum einer klinischen Akte, sondern einfach einer halbwegs ausgeprägten Beobachtungsgabe. ![]() Irre! Kinski! Wahnsinn! (Berliner Kurier, 22. Juli 2008, Seite 1) Foto: cujau.de Das Boulevard schrie jedoch dieser Tage auf: "Sensations-Entdeckung in Berlin: Kinskis Irrenhaus-Akte" titelte etwa der "Berliner Kurier", die Berliner "BZ" blieb ungewohnt nüchtern bei "Psycho-Akte Kinski", "Bild" wuchtete überschriftliches Entsetzen "Kinskis Psycho-Akte entdeckt", die "Welt" dichtete "Genie und Kinski". Wahnsinn! Irre! In der Online-Ausgabe der "Welt" gibt's unte der Zeile "Wie sich Klaus Kinski in die Psychiatrie brachte" noch jede Menge Hintergrund-Wissen zur Akte. Endlich wissen wir's. Oder hätten wir es längst wissen müssen oder können. Hier jedenfalls folgt ein Ausschnitt aus Kinskis "Video-Akte" - mein Kinski-Videogramm: Kinski 1982 am Set von "Fitzcarraldo": Kinski 1984 in einer NDR-Talkshow: Kinski 1985 bei 3sat: Kinski in Cannes: Kinski bei einer Aufnahme zu einem Interview: Kinski bei Arte: Kinski 1985 bei Gottschalks "Na sowas": Kinski 1971 in der Berliner Deutschlandhalle: Wer ist jetzt eigentlich verrückt? Eine Nachricht wäre gewesen, dass man erst jetzt herausfand, dass Kinski nicht ins gesellschaftliche Raster unseres angepassten Verhaltens passt. Dass es eine Psycho-Akte über Kinski gibt, ist ja wohl das Normalste dieser Welt, weil sie Kinski nicht verstanden hat. So funktioniert diese reflexgesteuerte Medienwelt mit ihrer Kinski-Macke. Hübsch, dass dann "Spiegel Online" (über Kinski: "... der große Berserker des deutschen Autorenkinos") da nicht mitdurchdreht und eine eigene "Spiegel"-Psycho-Akte über Kinski enthüllt. Mindestens so witzig wie der leibhaftige Kinski. Sind wir nicht alle ein bisschen Kinski? Der würde das sicher tobend dementieren, oder? Montag, 21. Juli 2008Turi3 ...?Eigentlich ist Peter Turi als so genannter Kenner der Medienszene bekannt; wenn auch nicht flächendeckend wohlwollend. Dafür kennt er zu viele so genannte und selbst ernannte Macher der Medien und damit viele seiner Feinde persönlich. Das muss kein Grund für allgemeingültige Abneigung sein. Doch Turi, der von seinem Mediendienst behauptet, von bis zu 7000 Medienmenschen täglich gelesen zu werden (Eigenwerbung: "Die Leser von turi2 sitzen in ihren Unternehmen ganz weit oben - als Vorstände, Geschäftsführer, Verleger, Chefredakteure, Programmchefs, Online-Chefs, Marketingleiter. Sie verantworten in ihren Unternehmen die Konzeption, Gestaltung, Redaktion, Vermarktung, Analyse oder Werbebuchung von Medien oder die Markenkommunikation."), belegt seinen Hang zum schnellen Werbegeld für seinen Mediendienst "Turi2" durch recht dubiose Anzeigen. Wie diese (linke Spalte unter "Wanted"): ![]() "Turi2" mit "Come United"-Werbebanner (links) Webfoto: cujau.de Bei derlei Werbepartnern werden aber die so wichtigen Medienentscheider (siehe oben) eher verstört statt informiert. Aktuell wirbt etwa ein Portal namens "Come United"; um die Gunst genau jener Klientel, die Turi zu infornieren sucht: Eventmanager, Journalisten, Texter, Marketing-Menschen und andere Multipli- wie Kommunikatoren. Kennt der Medienprofi Turi dieses Angebot überhaupt? Nach seinem Selbstverständnis muss er das. Dann allerdings sieht es nicht gut um den omnipotent informierten Turi in dieser Sache aus. ![]() Kommt zusammen: "Come united"-Homepage Webfoto: cujau.de Nur: "Come United" besteht aus so gut wie keinem Eintrag; besticht durch schlechtes Deutsch auf der Homepage. Im Impressum wird unter dem Stichwort "Redaktion" kein Mitarbeiter genannt, sondern mal fröhlich drauflosdilletiert: "blablabla". Aha. Welcher seriöse Medienmensch von Turis vier- bis fünftausend Lesern beißt hier eigentlich an? Was hat Turi davon, dass er solche Werbekunden in seinem Portfolio hat - mehr als Geld kaum. Eher wird sein Image weiter angekratzt. Denn bei Stefan Niggemeier, dem Macher von "Bildblog", stößt Turi auf wenig Gegenliebe, wie einer der aktuellen Beiträge belegt. Ähnlich - um es wohlwollend zu sagen - kritisch kommt Turi in Don Alphonsos "Blogbar" weg; mal ganz abgesehen von solchen Verissen. "Come United" will ein Stückchen des Web-2.0-Kuchens abhaben; versucht sich als Portal im "Vz"-Format; anmelden und warten, dass noch einer vorbeikommt. Wollten sie das professionelle Netzwerk "Xing" kopieren wollen, dann dürften sie gscheitert sein, bevor sie angefangen haben. Anders kann man den Versuch nicht deuten. Kostenlos anmelden solle man sich. Das verheißt der Werbebanner auf Turis Seite. Man würde dadurch Werbung in eigener Sache betreiben. Perfekte Anti-Werbung wohl eher. ![]() Ein Fuchs der Herr Fox? Webfoto: cujau.de "Come United" ist dann auch noch als Name ein böser, gehoppelter Anglizismus auf deutsch; denn kommt zusammen oder schlicht sich treffen, heißt nun einmal "get together" und weniger "come united". Das Archiv der Webseite weist nur einen Monat auf: März 2008. Einen Inhalt dazu sucht man vergebens. Als Betreiber der Seite ist ein Alexander Fox aus dem bayerischen Erding, (Eigenwerbung: "altbayerische Herzogstadt"), nordöstlich von München gelegen, registriert. Kann es sein, dass Turi mit seinem 2.0-Webgetöse Geldsorgen hat? Sieht ganz so aus. Oder braucht er Bares für Turi3? Oder lauert hier etwa Turi3? |
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