Mittwoch, 30. April 2008Kommentare (6) Trackbacks (0) Rückennummer 75! Oder bald 80?
Heute wird die Rückennummer 75 Jahre alt. Das Frühjar 1933 gilt als der Startzeitpunkt. Damals wird im Fußball erstmals die Rückennummer als Kennzeichen für Spieler eingeführt. Das englische Pokalfinale am 30. April 1933 zwischen dem FC Everton und Manchester City gilt offiziell als erstes Fußballspiel mit Rückennummern, wobei die Spieler von Everton die Nummern 1 bis 11 und die Spieler aus Manchester die Nummern 12 bis 22 trugen. Bis 1993 hatten die Spieler in ihren Vereinen keine festen Rückennummern. In der Anfangself standen stets die ersten elf Zahlen.
Allerdings gibt es auch andere Quellen, die angeben, dass erstmals am 25. August 1928 in England in den Spielen des FC Arsenal gegen Sheffield Wednesday und das des FC Chelsea gegen Swansea City Rückennummern zur einfachen Unterscheidung der Spieler verwendet wurden. Also können wir nochmals am 25. August den 80. Geburtstag der Rückennummer feiern. Bis 1993 hatten die Spieler in ihren Vereinen keine festen Rückennummern. In der Anfangself standen stets die ersten elf Zahlen. Michel Platini Die berühmsteste Rückennummer im Fußball ist sicher die 10. Der erste, der sie zu Berühmtheit führte, war wohl Edison Arantes do Nascimento, oder einfach Pele. Danach wurden stets die Spielführer der Mannschaften, die Ideenzünder mit der 10 ausgerüstet - Günter Netzer, Bobby Charlton, Mihel Platini, Maradona, Ronaldo, Ronaldinho. Die 10 gilt nunmal als die magischste Nummer des Fußballs. Zinedine Zidane, der bei Juventus turin noch die 21 trug, wurde mit der Zehn 1998 Weltmeister, 2000 Europameister, zur WM 2006 war er für Frankreich der Zehner und hatte dort den berühmtesten und zugleich einzigartigsten Abgang aller 10er dieser Welt im Finale gegen Italien: Kuriose Rückennummern trugen etwa Jan Jongbloed, der als Torhüter der Niederländer im WM-Finale 1974 gegen Deutschland (1:2) die Nummer 8 statt die 1 trug. Hintergrund: Die Niederländer hatten ihre Rückennummern für diese WM in alphabetischer Reihenfolge vergeben. Einzige Ausnhame: Johan Cruiyff durfte seine Lieblingsnummer 14 tragen, obwohl er der Kandidat für die 1 war. Recht beliebt geworden ist später die 18, seit Jürgen Klinsmannn sie eines Tages in der Nationalmannschaft und bei seinen Klubs trug. Für Michael Ballack war nie die "10" das Maß aller Dinge; seine Lieblingsnummer ist schon immer 13. Die 10 scheint also an Glanz verloren zu haben. Im deutschen Team trug sie bei der WM 2006 Oliver Neuville, der Mönchengladbacher Stürmer, der im Gruppenspiel gegen Polen in Dortmund das 1:0-Siegtor kurz vor dem Abpfiff erzielt hatte. Michael Ballack, der etatmäßige Spielmacher des deutschen Teams, dem die 10 zustehen würde, trägt lieber die 13. Bei den Engländern trug nicht David Beckham die 10, sondern Stürmer Michael Owen. "Die Rückennummern der Spieler bei der Weltmeisterschaft 2006 mussten zwischen 25 und 35 Zentimeter hoch sein, die Nummern in Brustnähe und auf der Hose zwischen 10 und 15 Zentimetern. Sie durften keine Werbung aufweisen und mussten sich von der Hintergrundfarbe deutlich absetzen. Und damit nichts schief gehen konnte, mussten alle Teilnehmer der Fifa-Muster ihrer Kleidung und sogar der Torwartausrüstung zur Genehmigung schicken", schreibt das Magazin "11 Freunde". Dienstag, 29. April 2008
Hingerichtet 2.0 - Baum 1 lebt Geschrieben von Cujau
in Der Tag um
21:02
Kommentare (0) Trackbacks (0) Hingerichtet 2.0 - Baum 1 lebt
Nun, einen Tag nach dem Fälltermin für drei Bäume, sieht es in der Käthe-Niederkrichner-Straße in Berlin Prenzlauer Berg nicht mehr so grün und blühend aus. Ganze Arbeit hat man dennoch nicht geleistet.
![]() Käthe-Niederkirchner-Straße in Berlin-Prenzlauer Berg Quelle: Google Maps Denn: Ein Baum von drei Traubenkirschen durfte - oder musste - stehen bleiben. Ausgerechnet der schiefste von den dreien. Gab es nicht das Argument, dass die Bäume eine so genannte Verkehrsgefährdung darstellten? Hm? Die Wege des Herrn sind unergründlich. Wie krank die Bäume waren, wird man wohl nie erfahren; zumindest die Stümpfe zeugen nicht gerade von Zerfall, wie die Bilder wohl zeigen. Hingerichtet wie andere Bäume nach dem Willen des Bezirksamtes Pankow unter Bürgermeister Matthias Köhne (SPD). ![]() Jetzt gesund? Baum 2 ![]() Schnitt durch Baum 2 ![]() Jetzt gesund? Baum 3 ![]() Schnitt durch Baum 3 Fotos (5): cujau.de Montag, 28. April 2008Pflüger stoibert
Immer häufiger gelingt es Verlierern zu siegen. Dereinst hatte das mal Edmund Stoiber probiert, als er am Abend der Bundestagswahl 2002 im Angesicht einer ständig wechselnden Führung zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb trotzig in die CDU-Sieg-besoffene Menge rief: "Wir haben die Wahl gewonnen." Blöd nur, dass die anderen die Regierung stellten und Stoiber nicht Kanzler wurde. Gewonnen? Dennoch muss Stoiber fortan als stilbildend gelten.
Jetzt hatte es ja in Berlin einen als Volksentscheid deklarierte Umfrage gegeben, in welcher darüber gestimmt werden sollte, soll der Stadtflughafen Tempelhof nun offenbleiben oder ab Oktober schließen. Es mussten für eine Offenhaltung über 610000 Stimmen zusammen kommen. Es wurden 500000 und ein bisschen. 21,7 Prozent, Tempelhof-Pflüger brauchte 25 Prozent. Immerhin 21 Prozent wurden es, und doch sind es zu wenig. 36 Prozent der wahlberechtigten kamen zur pflügerschen Beratschlagung. Was macht Kampagnen-Führer Friedbert Pflüger von der CDU? Er stoibert: "Das ist ein doller Sieg." Verloren und doch gewonnen. Pflügers verheerender Sieg hatte sich schon gegen Sonntagmittag abgezeichnet, als erst 15 Prozent ihre Stimme abgegeben haben. Pflüger sollte der Sonne die Schuld zuschieben. Was? Profil? Mitleider? Der bloggende Pflüger, der die so genannte und von der Springer-Presse (Berliner Morgenpost, BZ, Bild Berlin) medial befeuerte Bürgerinitiative für Tempelhof volkswütig anführte, deutet das mehrheitliche Nichtvotum für ihn als Sieg und will weiter für Tempelhof kämpfen. Es scheint sein einziges Thema in Berlin, bei dem er punkten kann - bei der altwestberliner Charlottenburg-Tortentanten-Cafe-Kranzler-Generation. Doller Pflüger! Setzen. 5. Eine 1 gibt's für Demagogie! Sonntag, 27. April 2008Tod durch Gesundheit!
Da ist er nochmal glimpflich davon gekommen, der partybereite Wowereit, Klaus aus Berlin, Regierender Bürgermeister. Tempelhof bleibt Tempeldorf und wird kein City-Airport. Fein für Wowi. Dank der mangelnden Abstimmungsbereitsschaft, weil es ja kein Volskentscheid, sondern gerade noch als durchgehender Volksratschlag zu verstehen galt, was da über die so genannte Zukunft herbeigestimmt werden sollte. Berlins Politik hätte sich so oder so nicht an der Votum gebunden gefühlt. Das ist auch gut so.
Nicht so gut und weniger fein ist, was Berlin sonst so auf den Straßen zu bieten hat. Da die Baumpflege teurer und teurer wird, werden die Traubenkirschbäume straßendeckend gemäht. Die nächste Aktion steigt in der Berlin-Prenzlauerbergschen Käthe-Niederkirchner-Straße; gleich am Montag, frühmorgens ab 7 Uhr. Dann kommen die Säger und kappen drei Bäume in der Straße; sie seien krank, wird aus dem Umweltamt verlautet. Hm. Nur so sehen die gar nicht aus, wie die Bilder vom Sonntagnachmittag zeigen; voll in der Blüte, vielleicht ein wenig schief in der Reife stehend. Sie seien eine Verkehrsgefahr. So, so. Gefährlich die Gesundheit dieser strotzenden Bäume. Wie krank! Hingesägt wurde zuvor in Berlin schon in der Ystader-, Gaudy- und Milastraße nahe der Schönhauser Allee im so genannten Gleimviertel. Nun werden sie "hingerichtet", wie sie selbst auf ihren eigenen Todesanzeigen ankündigen. Hinrichtungstermin: Montag, 28. April, 7 Uhr. Klingt martialisch. Das sollte noch untertrieben sein. Tod wegen Geldmangels. Klingt nach verhungern; ja, Berlin kann seine Bäume nicht mehr ernähren. Live-Vorstellung: Montag früh, 28. April, 7 Uhr. Warum? Klaus Wowereit soll eine Antwort wissen. ![]() Kranker Baum 1 ![]() Kranker Baum 2 ![]() Kranker Baum 3 ![]() Todesanzeige ![]() Liebesgrüße an Wowi in der Käthe-Niederkrichner-Str. Fotos (5): cujau.de Nachtrag: Das Bezirksamt begründet die Baumfällungen in einer Presseerklärung vom 11. April. Hier steht mehr dazu. Freitag, 25. April 2008Fritze Hitler wird 25!
Konrad Kujau lacht wahrscheinlich immer noch. Jedenfalls scheint seine Dauerfröhlichkeit über den Tod hinaus tauglich für das zu sein, was hier in diesem Land als die größte Medien-Ente des 20. Jahrhunderts etabliert wurde. Denn heute vor genau 25 Jahren, am 25. April 1983, erscheint das Magazin "stern" mit dieser Titelgeschichte:
"Hitlers Tagebücher entdeckt" Einen Autoren diese Kalibers hatten sie beim "stern" vorher nicht und nachher erst recht nicht. Man würde die Geschichte wahrscheinlich nur übertreffen, wenn sie die Tagebücher von Osama bin Laden finden würden. Die müsste es dann aber bitte wirklich geben. Anderenfalls wäre es nur eine billige Fälschung der Konradkujauschen Idee. Als alles schon wenige Tage, ja beinahe nur Stunden nach der Veröffentlichung der vermeintlichen Hitler-Episteln erste Zweifel laut wurden und am 6. Mai 1983 die Fälschung offiziell aufflog, mussten nicht große Teile der deutschen Geschichte neu geschrieben werden, sondern nur die Meinung über eines der angesehnsten Blätter Deutschlands. Der "stern" war mit seiner vermeintlichen Enthüllung zur Mediensatire verkommen, die reichlich ausgewaidet wurde. Niemand beim "stern", weder Reporter Heidemann noch Verleger Nannen wurden stutzig beim anblick ihrer eigenen Titelseite, auf welcher großflächig ein Buchdeckel eines der Tagebücher abgebildet war. Als Initialen standen dort "FH". Das altdeutsch geschriebene "F" sah dem "A", wenn überhaupt, nur flüchtig ähnlich. Schwamm drüber; beim "stern" sah man damals nur noch, was man sehen wollte. Einen Scuop der Extraklasse. Hitler ist besser als jeder akademische Zweifel über ihn. Wie wir alle wissen, hieß er bekanntlich nicht Fritze Hitler. Aber Fritze Hitler wird heute 25. Na herzlichen Glückwunsch an Konrad Kujau und herzliches Beileid dem "stern". ![]() Der große Charlie Chaplin als Hitler 1940 Aber gut; Kujau brachten seine 62 Bände über 9,4 Millionen Mark ein und die Erkenntnis, dass Frechheit siegt. Von seinen vier Jahren und sechs Monaten Haft, zu denen er verurteilt wurde, musste er drei Jahre absitzen. Sein Hitler-Werk wanderte in die Aservatenkammer beim "stern", wo es heute noch schmort. Kujau führte die Kontrollmechnismen der deutschen Journaille vor; für graphologische Gutachten wurden andere Kuja-Fälschungen herangezogen. Also musste die Originalschrift damit übereinstimmen. Erst ein unabhängiges Gutachten des Bundeskriminalamtes belegte den Schmuh: Die Papiersorte war zu neu; vor Kriegsende hatte es solches Papier nicht gegeben. Ergo: Hitler im "stern" ist eine Fälschung und nicht Hitler. Er hieß ja auch nicht Fritze. Spätestens hier lacht Charlie Chaplin ("Der große Diktator") mit Kujau mit. Und wie: "Schtonk!" ![]() So war's wirklich: Schtonk! 1992 Außer für Häme und bitterböser Satire, die Helmut Dietl 1992 in dem Kinostreifen "Schtonk!" umsetzt, eignet sich die Posse nur noch für müdes Mitleid; etwa für den damaligen "stern"-Reporter Gerd Heidemann, der in seiner Drei-Zimmerwohnung in Hamburg-Altona noch immer an das gute Ende seiner Story glaubt. Die Story ist ja auch gut - für einen Film. Besser kann man den Stoff kaum verarbeiten, was ja auch die US-Filmakademie mit einer Oscar-Nominierung honorierte. Wenig Trost für den "stern" dürfte es sein, dass einen Tag vor dem Tagebuch-Fake das ZDF mit der US-Steinreichen-Serie "Denver Clan" loslegte; damals im Abendprogramm des 24. April 1983 mit der ersten Folge gleich nach dem "heute-journal" - am Vorabend der "stern"-Enthüllung. Was das alles miteinander zu tun hat? Ganz einfach: viel Gebrüll um wenig Realtität. Mittwoch, 23. April 2008Wo ist OBL?
Wo ist Osama bin Laden? Das fragt sich nicht nur die Welt, sondern zuvorderst US-Regisseur und Doku-Filmer Morgan Spurlock, der bekannte Selbsttester aus dem Fastfood-Film im Michael-Moore-Format "Super Size Me".
Spurlock fragt also, wo in der Welt ist der gefährlichste Terroristenanführer Osama Bin Laden, und wir dürfen ihn auf seinem weltweiten Weltrettungstrip begleiten "Where in the world is Osama bin Laden?". Ob in Ägypten, in den afghanischen Höhlensträngen von Tora Bora, in Marokko oder im Irak unter anderen Suchern wie der US-Armee - er will ihn finden. Vielleicht gibt es ihn aber gar nicht; am Ende ist er nur eine Illusion. Spurlock führt uns vor, wie wir bisher gesucht haben; reichlich erfolglos nämlich. Doch Spurlock behält dabei den Witz und Humor als Triebfeder seiner Suche bei und hält uns den Spiegel vor. Auch den, uns vor Angstpsychosen medial vollgepumpt einzugraben, statt rauszugehen und mit den anderen Kulturen einfach mal ein Gespräch anzufangen. Paradoxerweise verbiegen sich beinahe alle Gesprächspartner in diesen Ländern vor Lachen, wenige erschauern vor Spurlocks Frage, die er zuweilen ganz beiläufig ungefähr mal so stellt, nachdem er sich etwa die Ingredenzien einer Hautcreme erklären ließ: "Wissen Sie, wo Osama Bin Laden ist?" Oder wie es spukt, wenn Spurlock in eine Höhe hineinruft: "Juhuu, Osama!" Da muss der große Terrormann schlottern, weil er ja nun erwischt ist. Oder doch nicht?! Wir reisen während dieser Dokumentation, die in den USA gerade anläuft und in Deutschland allerdings erst Anfang November zu sehen ist, mit Spurlock um die ganze, fürchterliche, terroristische, islamistische Welt mit und fallen dabei selbst von einer Lachnummer in die nächste; selbst als an vorderster Front mal Granaten einschlagen. Um Spurlock brauchen wir uns keine Sorgen machen; der hat ein solides Überlebenstraining absolviert und weiß genau, dass man sich bei Handgranaten entgegengesetzt der Wurfrichtung hinwerfen und die Hacken an den Boden pressen muss. Spurlock wird zum Spürhund durch die Kulturen. Was für ein Spaß in dieser kriegerischen Umgebung, in welcher er sein Thema ansiedelt. Spurlock macht den wichtigsten US-Kriegsgrund seit 2001 zum Comedy-Clip und führt CIA und FBI und die Bush-Administration vor. "Wir müssen überall Humor finden, denn da, wo Humor ist, ist auch Menschlichkeit. Und in dem Film ist viel Menschlichkeit", sagt Spurlock in einem Making-of-Interview über sein neuestes Werk. Man sollte sich den 6. November offenbar mal vormerken. Hier schon mal der Trailer: Für den, der will, gibt's hier die ersten fünf Minuten: Sonntag, 20. April 2008
Nur nicht in die Luft gehen! Geschrieben von Cujau
in Die kleine Alltagsweisheit um
09:40
Kommentare (0) Trackbacks (0) Nur nicht in die Luft gehen!
Man kann sich jeden Tag ärgern; man ist aber nicht dazu verpflichtet.
Freitag, 18. April 2008
Tragödie nach Coen-Art Geschrieben von Cujau
in Auf der Leinwand um
14:06
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tragödie nach Coen-ArtEs besteht noch Hoffnung für uns. Im gesegneten Alter von 84 Jahren landet Regie-Altmeister Sidney Lumet ("Die 12 Geschworenen") einen Volltreffer der Extraklasse. Tödliche Entscheidung heißt der Streifen aus seiner Altersweisheit und den finsteren Tiefen der menschlichen Gier. Lumet präsentiert alles, was ein Gauner-Thriller so bieten kann - rasante Bilder, Dramatik, Tragödie und eine verschachtelte Handlung. Zwei Brüder Andy (Philip Seymour Hoffman) und Hank (Ethan Hawke) können ungleicher nicht sein. Eines eint sie jedoch: sie brauchen Geld und zwar dringend. Hank ist notorisch klamm und kann den Unterhalt für seine Tochter nicht aufbrinbgen, weswegen ihn seine Ex-Frau bei jeder sich b ietenden Gelgenheit demütigt. Andy will endlich das Geld für einen Neuanfang einer Immobilienfirma in Rio de Janeiro auftreiben. Ihre ständige Konfrontation mit der Realität lassen sie zu Flüchtigen aus der Gegenwart in eine Traumwelt werden. Dem skrupelloseren von beiden, Andy, fällt die vermeintlich richtige Idee ein. Ein Juwelierladen soll überfallen werden, alles Geld der Woche wird einkassiert nebst der Brillianten und anderen Schmuckelemente. Alles eine sichere Sache, alles ganz einfach. Denn der Laden wird von zwei alten herrschaften geführt, die gelegenltlich von einer Freundin unterstützt werden. Eben nur gelentlich. Denn am Tag des Überfalls ist alle anders. Und noch etwas ist anders: Das Geschäft gehört den Eltern der Brüder. Einfach scheint es zu gehen, keiner kommt zu Schaden, keiner erleidet einen Verlust, alle gewinnen. Nach dem Überfall werden die Ladenbesitzer von der Versicherung entschädigt. Ein todsicheres Ding eben. Soweit der Plan. Dann geht alles schief, was nie schief gehen sollte. Schäden gibt es in Hülle und Fülle, es fließt Blut, bitteres Blut, denn es fließt familiäres Blut. Eigenes Blut. Die Blutsbrüder Andy und Hank haben mit ihrem kleinen Plan ein Blutbad hervorgezaubert. Lumet versteht es glänzend, aus dem so simplen Gaunerplan eine hochamüsante wie unterhaltsame Tragödie werden zu lassen. Feingeistige Verweise enthüllen dabei unaufdringlich doch unübersehbar die sozialen Ursachen des persönlichen Scheiterns. Dazu braucht es keine hektischen Schnitte, keinen dröhnenden Musikkrach, keine ausufernden Gewaltsequenzen. Sidney Lumet setzt auf kluge Dialoge, Bilder, die das Geschehen nicht nur einfach spiegeln, sondern mit geschickten Schlüsselmomenten vorantreiben, und – allem voran – exzellenten Schauspielern. Alles kreist um die These, dass die handelnden Männer die Frauen wie auch alten Menschen heillos unterschätzen. So beginnt der Alptraum mit einem gezielten Frauenschuss und endet auch genau damit. Vielen Kritikern drängeln sich Vergleiche mit Filmen wie "Matchpoint" von Woody Allen oder "The Million Dollar Baby" auf. Das "Yorcker" Filmmagazin aus Berlin schreibt zu dem Film: Im Original heißt der Film Before the Devil Knows You’re Dead. Der Titel wurde einer irischen Volksweisheit entlehnt: May you be in heaven half an hour, before the devil knows you’re dead. Dem entsprechend macht Lumet dem Publikum die Hölle mit einem Thriller der Extraklasse heiß – und versetzt es ins Paradies wirklicher Kinokunst. Mir drängt sich nur ein Vergleich auf - der zu dem Oscar-Streifen der brillianten Brüder Ethan und Joel Coen "Fargo". Ein Ehemann braucht dringend Geld, heuert zwei mittelmäßige Gangster an, die seine Frau entführen sollen, damit der schwerreiche Schwiegervater sein Töchterchen auslöst. Von dem Lösegeld von 80000 US-Dollar sollen die Klein-Ganoven auch etwas abbekommen - streng genommen die Hälfte, 40000 Dollar. Eine Farce. Ein Witz. Ein Witz ohne happyend, aber mit reichlich Pointen und Seitenhieben auf das amerikanische Kleinbürgertum. Einfach großartig. Blutig. Blutiger Schnee, wie der Untertitel ja besagte. Darin und in vielen anderen Dingen sind sich die Coen-Brüder und der betagte, aber herzerfrischend ironische Lumet einig. In der tiefsten Tragödie steckt immer noch reichlich Komik. Sonntag, 13. April 2008
Loose Change - Indizien über 9/11 Geschrieben von Cujau
in Loose Change - Film um
09:53
Kommentare (0) Trackbacks (0) Loose Change - Indizien über 9/11
Zunächst ein Trailer:
Er ist eine Ansammlung von Indizien - dieser Film namens "Loose Change" der beiden US-Studenten James Burmas und Dylan Avery. Für nur 6000 Dollar produzierten sie ihren Dokumentarfilm, über unbeantwortete Fragen zu den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Das kontroverse Projekt zweifelt die offizielle Version der Ereignisse an und zeigt die Widersprüchlichkeiten der Geschehnisse auf, die von den Massenmedien bisher nicht untersucht wurden. Die Filmemacher haben an das Publikum appelliert, die Fakten und Zeitdokumente selbst zu prüfen und zu erkennen, dass die offizielle Darstellung der Vorgänge des 11.September 2001 eine ebensolche unbelegbare Theorie ist. Es ist legitim, Sachverhalte auf diese Art aufzusammeln und zu bündeln. Nichts anderes passiert bei Indizienprozessen. Loose Change existiert nun in der dritten Fassung. Die beiden Versionen zuvor sind nicht etwa schlechter oder weniger detailreich, sondern wichtige Aufbauarbeiten für die finale Fassung. Hier gibt es die zweite, synchronisierte Version des Film zu sehen oder direkt hier; einfach die Play-Taste ansteuern: Die neueste Fassung ist eine völlig überarbeitete im Vergleich zur 2. Ausgabe Loose Change 2, die nichts desto weniger aufregend ist und aufreizende Belege für Ungereimtheiten ausbreitet. Die aktuelle Fassung von "Loose Change - Final Cut" liegt also in einer finalen Fassung nach zwei vorherigen Fassungen vor; erstmals auch mit deutscher Synchronisation. Es ist ein völlig neuer Film, mit neuen Interviews und Dokumenten. Alles scheint konstruiert. Doch frappierend ist, wie die Dramaturgie sich entwickelt, und das ohne Zutun der Filmemacher, denn die reihen hier lediglich Fakten aneinander, ihre Fakten und Bilder sprechen. Daraus entstand eine spannende Doku zum 11. September; nicht eine unter vielen, sondern eine, die den Zuschauer ergreift, erschüttert, entsetzt und zum Nachdenken über alles, was mit dem 11. September in Verbindung steht. Alles kreist um die eine Frage: Wie weit war die US-Administration selbst in die Anschläge involviert? Viele Indizien weisen daraufhin ohne eine Verschwörungstheorie zu sein. Hier sprechen Fakten für sich. Während man sich Teil 1 und 2 aus dem Netz vollständig herunterladen konnte, ist die Version des Final Cut in Deutschland so nicht mehr verfügbar, da lizenzrechtliche Gründe dagegen stehen. Nur noch in den USA kann man eine kostenfreie Version aus dem Internet herunterladen. Loose Change undownloadbar Webshot: cujau.de Samstag, 12. April 2008Skurile Parallelwelt
Kann man einfach etwas behaupten? Man kann, die Webseite www.behaupte.es macht's möglich. Einfach eine These aufstellen und die Gemeinde stimmt ab, ob sie zustimmt oder die These ablehnt.
Direkter und repräsentativer geht keine Reaktion auf eine Behauptung, wie auch immer sie lautet. So asymetrisch wie die Internet-Gemeinscahft in Echtzeit vorhanden ist, so asymetrisch fällt ihr Urteil aus. Selbst so skrurile Fragen wie die folgende werden dann in einer Umfrage gewogen: ![]() Eine Behauptung und ihr Urteil Webshot: cujau.de Das mag abwegig klingen; entschieden wird es im Ergebnis der Umfrage. Was sich bisher nur in langwierigen Kommentaren im Web-2.0 abzeichnete - das Stimmungsbild - wird jetzt sofort sichtbar. Man muss nur abstimmen. Ist das vielleicht ein Hinweis darauf, dass das Web 2.0 ausgereizt ist, und nun die neue Qualität erreicht ist? Sicher noch nicht vollends. Wir sind damit aber einen Schritt in eine neue Richtung. "behaupte.es" ist soetwas wie das Text-Youtube - den Inhalt bestimmt der Leser, der Nutzer, nicht der Anbieter. Sicher gab es auch schon vorher Abstimmungen im Internet mit sofortiger Klarsicht, wer vornelegt, allerdings nicht mit Fragen oder wie hier Thesen, die die Nutzer aufwerfen. Mittlerweile wird schon diskutiert, was hier passiert. Wie bei Thilo Baum, der sich seine Gedanken über eine Verschiebung der Wirklichkeit mit solchen Seiten macht. Gibt es sie, die Realität, überhaupt noch? Vielleicht nicht so wie wir sie ursprünglich kennen gelernt haben. Nicht in dieser greifbaren Masse, sondern vermehrt in einer ungreifbaren Vorstellung. Wo das hinführt? Vielleicht zu solchen Thesen wie jenen, die da jetzt als diese Webseite auftauchen. "behaupte.es " entwirft eine durchaus spannende wie unterhaltende, in jedem Fall auch skurile Parallelwelt. Was wäre, wenn wir tatsächlich so eine Abstimmungesgesellschaft würden und es ständig um Entscheidungen dieser Sorte ginge? Simon Stich aus Hagen hat jedenfalls mal eine lustige Idee in eine Webseite umgesetzt und dabei sogar noch geistreich agiert. Nicht behaupte-es.de aufgesetzt. sondern einfach die spanische Netz-Endung "es" verwendet. Das sollte ja glatt noch mehr Seiten entstehen lassen. Nachtrag: Eine ähnliche Seite bietet Hendrik Mans aus München an. Er nennt sie Dilemma5000; warum soll er entscheiden, wenn genug andere da sind. Richtig: Arbeit delegieren statt selbst werkeln. Immerhin: Denkarbeit hat er geleistet. Dennoch: Schicker finde ich die erste Variante, weil man da so eine hübsche Torte nach der Abstimmung präsentiert bekommt, eine Hitliste der Zustimmungen und Ablehnungen sieht und die Webseite den eindeutig treffenderen Namen hat. ![]() Was für ein Dilemma. Webshot: cujau.de |
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