Montag, 27. August 2007
Die erste kleine Alltagsweisheit Geschrieben von Cujau
in Die kleine Alltagsweisheit um
15:31
Kommentare (0) Trackbacks (0) Die erste kleine Alltagsweisheit
Vegetarier sind Mörder, sollten Pflanzen leben, und das tun sie ja. Warum sonst reden wir seit den 80er-Jahren über das Waldsterben?
Freitag, 24. August 2007Bildblog als Spot
Jetzt schalten sie selbst Werbung. Das Bildblog, jenes Portal, das täglich den Falschmeldungen der Bild-Zeitung und deren Onlinedienstes bild.de auf der Spur ist und sie veröffentlicht. Seit gestern laufen nun bildblog-Spots auf verschiedenen Sendern wie Viva, Comedy Central, MTV als auch im Internet wie beim Webfilmportal Youtube.
Ein Spot, der den Lifestyle visueller Kritik trifft. Die Macher Brainpool engagierten für das Filmchen unter dem hübschen Titel, abgeleitet vom Bild-Werbespruch: "Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht": "Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt" die hinreißend heuchelnde Anke Engelke als Ehefrau und Christoph Maria Herbst als gehetzten, aber vermeintlich liebenden Ehemann. Bildblogger Stefan Niggemeier schreibt in seinem eigenen Blog, welche Arbeit er hinter sich hat und welche Reaktionen es bereits vor der Veröffentlichung des Werbespots gab. Einer von Niggemeiers angegriffenen Medienmenschen heißt Peter Turi, der erfolgreiche Erneuerer des Mediendienstes kressreport, den er bereits wieder verlassen hat. So gab es, wie konnte es anders sein, auch eine erste Kritik durch Turi; einen wohlgesonnene natürlich. Denn Turi mag den Spot, nicht aber, wie das Bildblog die "Bild" auseinander nimmt. In den Kommentaren zu Turis Eintrag über das Bildblog entbrannte gleich auch eine Diskussion darüber, dass für den Spot keine Gagen gezahlt worden sind; ähnlich wie bei Aktionen der Tierschutzorganisation PETA, für die sich Models engagieren, ohne dafür Geld zu bekommen, unzeitgemäß uneigennützig. Bildblog polarisiert also schon wieder; auch allein durch die Tatsache, dass Blogs generell dem Thema Werbung skeptisch begegnen. So kann ihnen kaum etwas Besseres passieren, als die aktuelle Diskussion, der sie sich durch eigene Aktionen ja stellen. Werbung nervt, nicht nur zuweilen - das weiß auch das Bildblog, so dass es auf ihrer Webseite einen Button gibt, mit welchem man die Werbung ausschalten kann - wie im Fernsehen. Eine bis jetzt einzigartige Weise, sich von den eigenen Einnahmequellen zu emanzipieren. Doch den Spot von Bildblog muss niemand abschalten; er ist komisch, witzig und doch ernst genug, um sich für das beworbene Produkt zu interessieren. Samstag, 18. August 2007
Landliebes Care-Paket mit ... Geschrieben von Cujau
in Essen und Trinken um
08:22
Kommentare (0) Trackbacks (0) Landliebes Care-Paket mit "Sortimenten"
So einfach ist selbst einkaufen nicht mehr. Ganz normal, in einem Supermarkt.
Eigentlich brauchte ich die Marmelade gar nicht. Aber gut. Da stand ganz verführerisch eine Stiege eines neuen Sortiments von "Landliebe". Das klang auch mal interessant neu: Quittengelee. Erst beim zweiten Hinsehen bemerkte ich, dass ganz deutlich auf dem Etikett "Gratiszugabe" draufstand. Ein Preis für ein Glas war auch weit und breit nicht zu sehen. Nur: Wofür gab es ein Glas gratis dazu? Zum Joghurt daneben? Kein Hinweis. Nichts. Dennoch wagte ich mich an die Kasse. Dort spätestens musste man mehr wissen; dachte ich. Also fragte ich. Doch die Kassiererin wusste nichts damit anzufangen. Klar, meinte sie, es müsste irgendeine Aktion gerade damit verbunden sein. Nur welche? Sie blätterte im aktuellen Werbeblättchen des Marktes - nichts, keine Aktion. Doch sie wusste offenkundig den Preis für ein Glas und tippte ihn ein: 1,59 Euro. 1,59 Euro für ein "Sortiment", wie der Kassenzettel auswies. Da stand "Sortiment 7%". Gut, dachte ich, ich kaufe Sortimente, kein Problem. Nur gratis bedeutet eher etwas anderes. In etwa so: kostenlos, umsonst - in jedem Fall kein Geld. Ein Anruf bei der Hotline von Landliebe bringt mich zunächst nicht wirklich weiter. Man sagt mir, da wären wahrscheinlich von einer Aktion die Etiketten übrig geblieben, sie wären trotzdem verarbeitet worden und wären dann in den freien Verkauf gelangt. Was? Waren gelangen einfach so mit einem derartig eindeutigen Verweis darauf, dass es nichts kosten soll? Nun ja. Der Mann an der Hotline versprach, sich zu informieren und mich zurückzurufen. Man mühte sich. Wie lieb. Zehn Minuten später erfahre ich von ihm, es sei so, wie er vermutet hätte. Das sei wohl irrtümlicherweise in die Regale des Supermarktes gelangt. Man könne sich das nicht erklären. Ich sollte meine Adresse hinterlassen; sie würden sich für meine Mühe erkenntlich zeigen. Und tatsächlich: Ich bekam ein Care-Paket von Landliebe. Nach dem Liebesentzug liebte mich Landliebe offenbar wieder. In einem kleinen Brief erklärten sie sich nochmals lang und breit. Man wolle sich versöhnen; und schickte fünf Gläschen ihres neuen Sortiments hinterher. Als Zugabe für meine Nachforschung. Gratis. Lieber spät als nie, werden sie sich gedacht haben. Freitag, 10. August 2007Wohnen in Gaza
Jetzt weiß ich Bescheid. Ich wohne in Gaza. Jedenfalls sagt mir das ein Bericht mit Bild des Grimme-Preis-prämierten Weblog Riesenmaschine.
Ich muss sagen, die haben recht. Das sieht gar nicht Berlin-hipp, Berlin-anarchisch, sondern spießig, ja kleinbürgerlich aus - so ein Bauzaun mit ausgekerntem Häuschen dahinter, wie übel kleinbürgerlich, Oh Gott. Falsch abgebogen, ich bin nach Gaza umgezogen und nicht an den Volkspark Friedrichshain Denn auch von oben sieht es wie im Krisengebiet aus, wie man ja sehen kann. Nur eigentlich sollte das doch eine neue Luxuswohngegend sein. Also gibt's nur eine Lösung für meinen Irrtum: "Ich bin ein Townhouse, holt mich hier raus!" Nur eines verstehe ich nicht: Seit wann kann man frei auf den Märchenbrunnen schauen; direkt von Gaza aus? Vielleicht weiß riesenmaschine.de ja einen Rat. Donnerstag, 9. August 2007Faul mit Tarantino
Einen ganzen Tag faul sein, das hatte ich vor. Einfach mal nichts tun. Das ging bei mir mal richtig gut. In meiner Zeit als Student hätte ich dafür glatt Scheine sammeln können. Akademischer Nichtstuer mit Diplom, wenn man so will. Lange schlafen, endlos frühstücken, fernsehen, wieder schlafen, Zeitung lesen und abends vielleicht noch irgendwo etwas trinken gehen, Freunde treffen, rumhängen.
Jetzt bot sich mir die Gelegenheit, diese frühe Fähigkeit aufzufrischen - ein freies Wochenende ohne Freundin. Sie ist Ärztin und hatte Dienst im Krankenhaus, ich frei. Eine bessere Chance zum Faulenzen gibt es kaum. Soweit der Plan. Eines gleich vorweg: Nach diesem Tag muss ich feststellen, ich habe das Faulsein verlernt. Eine Kollegin hatte schon zuvor prophezeit, sie könnte das nicht, sie müsste immer etwas tun. Ich wollte ihr den Gegenbeweis erbringen. Ich wollte nicht glauben, wie schwer das sein würde. Nichtstun war richtig Arbeit für mich. Ich habe das heute so verlernt wie den induktiven Beweis für eine logarithmische Funktion; Integral- und Diffenrenzialrechnung. Man kennt das ja, höhere Mathematik eben. Ich habe es verlernt. Das passiert, wenn man Dinge nicht regelmäßig trainiert. Erlernte Fähigkeiten verkümmern so; abgesehen von schwimmen oder Rad fahren. Irgendwie ging es schon schief los. Bereits der Morgen misslang. Um halb acht Uhr früh stand ich auf. Über eine halbe Stunde hatte ich mich da bereits im Bett herumgewälzt. Schon ausschlafen kann ich nicht mehr. Für gewöhnlich stehe ich mit meiner Freundin um 6 Uhr auf, frühstücke mit ihr, und wenn sie um dreiviertel sieben die Wohnung verlässt, schalte ich das erste Mal das Internet ein. Nachrichten sammeln, Blogs durchstöbern, E-Mails lesen und beantworten. Mein Körper wollte arbeiten. Für mich fing der Tag also tatkräftig und gar nicht so unbeschwert wie geplant an. Also versuchte ich es mit Langsamkeit, duschte ausgiebiger als sonst, putzte meine Zähne länger, trank den ersten Kaffee gefühlte zwei Stunden. Es war gerade neun Uhr. Fertig mit Frühstücken, fertig mit Kaffee trinken - um 9! Dann die nächste Versuchung - eine Zeitschrift. Schon Regisseur Helmut Dietl ließ in der Oscar-nominierten Hitler-Tagebuch-Satire „Schtonk“ seine Hauptfigur Professor Doktor Fritz Knobel - den Fälscher - sagen: „Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung.“ Wie gut ich ihn verstehe. Zum Nichtstun, dachte ich, gehört auch nichts denken, den Kopf völlig leer machen. Hirnforscher wollen darin eine Quelle für gute Gedanken erkannt haben. Allein das gelang mir schon deshalb nicht, weil ich zu dieser frühen Stunde des Faulenzer-Tages jenen Zeitschriftenartikel darüber gelesen habe, dass es kein Gen für Faulheit gibt. Reiner Zufall, dass der mir in die Hände geriet. Früher hatte ich das Abhäng-Gen bestimmt in meiner DNA. Jetzt hatte es mich verlassen, ich bin resistent und immun dagegen geworden. Was mich einerseits beruhigte, wenigstens bin ich also dahin gehend nicht vorbelastet. Andererseits erschwerte es mir mein Vorhaben selbst jedoch erheblich. Hier zu Lande gilt der Büroschlaf als ehrenrührig. In Japan gilt er als kraftschöpfend. Dabei raten heutzutage sogar Mediziner dringend dazu, man solle mal richtig faulenzen: „Vertrödeln Sie auch mal einen Tag mit Faulenzen, lesen, Musik hören - oder einfach dösen und nichts tun - auch das ist gesund“, lese ich auf einer Gesundheitstipp-Seite im Internet. Müsiggang sieht anders aus. Bis dahin hatte ich hatte einen stressigen Vormittag, weil ich nur mühsam nichts tun konnte. Gesund kann das wohl nicht sein. Mir fehlt das Faul-Gen. Nachmittags räumte ich den Keller auf, später den Balkon, schließlich ging ich einkaufen. Hatte ich versagt? Hatte jetzt meine Kollegin Recht? Wie sieht das Endstadium der Ruhelosen aus? Muss ich Seminare zum Thema Faulsein besuchen? Ich als Student wäre jetzt mein bester Lehrer. Abends gehe ich schließlich ins Kino. Ein letzter, verzweifelter Versuch auf der Suche nach der Faulheit. Ich schaue mir Quentin Tarantinos neuen Streifen „Death proof – Todsicher“ an. Ohne viel Inhalt. Tarantino halt. Zitiert sich selbst, unzählige Dialoge, ich lache viel, erkenne die versteckten Andeutungen aus seinen alten Filmen, alles ohne Nachdenken. Ein herrlich sinnfreier, früher Tarantino. Endlich kann ich mal nichts tun, einfach nur abhängen, einfach abschalten. |
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