Mittwoch, 31. Januar 2007Wer will Will?
Unserem Günter Jauch sei Dank, haben wir eine hitzige Sabine-Christiansen-Nachfolge-Diskussion bekommen. Kommt Anne Will? Dazu müssen einige Fragen geklärt werden.
Zunächst: Will wer Will? Was bedeutet es, wenn die ARD Anne Will will? Will noch jemand sonst Will? Will Will überhaupt selbst? Und was ist, wenn Will nicht will? Will dann jemand anderes oder doch nur Will? Da muss man sich selbst auch fragen: Will ich Will? Dafür muss Will erstmals selbst sagen, ob sie will. Und wenn ja, muss Will überhaupt? Also wenn man mich fragt: Will muss nicht, egal ob Will will oder nicht will. Am Ende muss Will, nur, wer will das schon? Will vielleicht. Aber, ob Will nun soll oder muss, will niemand bestätigen. Ich weiß jedoch nur eines: Ich will Will nicht. Montag, 29. Januar 2007Eine erste BaS
Ein Dummy der "Berliner Zeitung am Sonntag" ist am vergangenen Wochenende erstmals Testlesern vorgestellt worden.
Eine erste Einschätzung fiel überwiegend vernichtend und ernüchternd für die Redaktion aus, wie aus dem Berliner Verlag verlautete. Das Blatt selbst wurde am vorigen Sonnabend erstmals mit der vollen Redaktions-Belegschaft produziert. Jedes Ressort bekam dabei ähnlich wie in der normalen Wochenausgabe ein Buch, wobei der "Sport" nicht wie sonst sich eines mit der Wirtschaft teilen musste, sondern eigenständig blieb. Jedes Buch hatte eine Panorama-Seite in der Mitte mit einem großen Foto ausgeschmückt, was bei den Testlesern komplett durchfiel. Das war auf durchgehende Ablehnung gestoßen. Überhaupt seien die Bilder viel zu groß geraten. Auch wurde der umfangreiche Magazin-Teil bemängelt. Zu viele Dinge, die andere Magazine wie Mode-Zeitschriften lieferten, seien als überflüssig qualifiziert worden. Bemängelt wurde überdies, dass der Anzeigen-Teil mit Stellenmarkt und Wohnungen zu gering ausfiel oder gar nicht vorhanden war. Wäre das anders, würden sich vereinzelt die Leute das neue Blatt kaufen, hieß es. Man wolle wie bei anderen Sonntagsblättern wie Morgenpost oder Tagesspiegel mehr vergleichen können. Auch sei der Anteil der aktuellen Nachrichten besonders im Politik-Teil harsch bemängelt worden. Auf der Titelseite war ein großes Bild der aktuellen französischen Präsidentschaftskandidatin Ségolene Royal zu sehen; eine große Geschichte über sie folgte auf Seite 3. Die Tester goutierten das nicht; im Gegenteil. Man lehnte dieses Thema ab. Auch der Umfang des Blattes wurde als zu gering eingeschätzt. Nur 48 Seiten schienen dem Großteil der Testleser einfach zu wenig. Einen weiteren Dummy soll es vorerst nicht geben. Frühestens im Sommer rechnet man aus Redaktionskreisen mit einem Start der "Berliner am Sonntag", was noch recht optimistisch gerechnet ist. Die ersten Testleser waren überwiegend aus dem Westteil der Stadt rekrutiert worden. Sie gehören noch immer nicht zu den Stammlesern der Berliner. Eine zweite Testrunde noch diese Woche soll mit Stammlesern der Zeitung stattfinden. Beide Gruppen wurden dafür in eigens am Kurfürstendamm angemieteten Studios gebeten und sollten zunächst allgemeine Fragen beantworten. Dann ist ihnen eine Testausgabe vorgelegt worden, ohne dass sie wussten, dass es sich dabei um eine mögliche Sonntagsausgabe der "Berliner" handelte. Sollte das Projekt gestartet werden, wird die Redaktion der "Berliner" kaum aufgestockt, heißt es von Redakteuren. Für den ersten Dummy mussten alle vorigen Sonnabend in den einzelnen Ressorts antreten. "Anders seien keine Gewinne damit zu erzielen", sagte ein Redakteur der Zeitung am Montag. Mittwoch, 24. Januar 2007Berliner am Sonntag
So, jetzt wird's amtlich: Die "Berliner Zeitung" kommt mit einer Sonntagszeitung auf den Markt.
Nach Aussagen von Mitarbeitern aus dem Berliner Verlag wird bereits am kommenden Sonntag ein Dummy unter die Testleser verteilt. Ein Kollege aus der Sportredaktion wird dann erstmals am Sonnabend von der Tribüne des Berliner Olympiastadions aus einen aktuellen Bundesliga-Bericht von der Partie von Hertha BSC gegen den VfL Wolfsburg in seinen Laptop tippen. Noch sei nach weiteren Angaben aus dem Verlagsumfeld nicht geplant, neue Stellen für die Sonntagszeitung zu besetzen. Das ergäbe auch wenig Sinn. Denn Eigentümer David Montgomery, dem das Blatt seit Januar 2006 um die Investorengruppe Veronis Suhler Stevenson aus den USA - einem Privat-Equity-Investmenthaus - gehört, will eine saftige Rendite für seine Klienten sehen. Ähnlich wie in Hamburg, wo die dortige, Montgomery gehörende Morgenpost seit einem halben Jahr sonntags erscheint, soll die Berliner den Sonntagsmarkt für sich erschließen. Heißen soll das Produkt "Berliner Zeitung am Sonntag". Man plant darin ein Layout-Lifting des bisherigen Bildes. Visueller Anziehungspunkt soll dabei eine Panorama-Mittelseite sein. Allerdings pokert man mit hohem Risiko. Das Zielpublikum der Berliner wohnt in der einkommensschwachen Osthälfte der Stadt. Was, wenn die nicht mitzieht? Interessanterweise könnte übrigens ein Erfolg diese Projektes und der "Mopo" in Hamburg auch die Wiederbelebung eines der wenigen - allerdings gescheiterten - bisherigen Sonntagsversuche bringen. Denn Montgomery wird nachgesagt, auch weitere Blätter kaufen zu wollen, da nur so das Geschäft profitabel werden dürfte. Ganz oben auf der Liste: die "Sächsische Zeitung" in Dresden. Sie hat schon einmal mit dem Sonntag experimentiert, diesen Versuch nach einem knappen Jahr im Sommer 2005 als "Kostengrab" eingestellt. Kritik an Sonntagszeitungen gibt es neben euphemistischen Lobeshymnen wie von Trendforscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut. "Das wird ein neuer Hotspot für Print-Qualitätsjournalismus." (FTD, 22. November 2006) reichlich. Etwa durch Michael Haller vom Institut für praktische Journalismusforschung an der Universität Leipzig, der sich recht skeptisch äußert. "Ich sehe die Gefahr der Kannibalisierung - der regionale Print-Werbemarkt ist begrenzt." Investitionen, die in die Sonntagszeitung gesteckt würden, fehlten der Qualitätsoffensive, die die werktägliche Alltagsausgabe dringend brauche. (FTD, 22. November 2006) Immerhin: Es gibt auch Hoffnung für Sonntagszeitungen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die 2001 bundesweit um die Leser buhlt und hochdefizitär begann, schreibt seit 2006 schwarze Zahlen. Daran will nun offenbar auch die "Süddeutsche Zeitung" partizipieren. Für den Spätsommer planen die Münchner ihr Sonntagsblättchen aus dem Süddeutschen Zeitungsverlag. Sollte die "Berliner" bei den Testlesern in der Hauptstadt durchfallen, würde das das Projekt nach Angaben von Mitarbeitern nur verzögern, nicht jedoch aufs Eis legen. Die "Berliner" ist die letzte Abonnement-Hauptstadtzeitung, welche noch nicht den Sonntagsleser erschlossen hat. Das Modell Montgomery ist auf Gewinnmaximierung angelegt; also braucht Montgomery dieses Produkt. Montag, 22. Januar 2007Blogwelt entdeckt!
Jetzt also ist auch die Berliner Zeitung in der Blog-Welt angekommen.
Man berichtete am 17. Januar im wirklichen Blatt in einem Beitrag stolz darüber, dass jetzt fünf Autoren der Zeitung im Blog ihre Geschichten erzählten und aus ihrem Leben berichteten. Und es ging jetzt los, und man könne ihnen direkt antworten, was noch schneller ginge als bei einem Leserbrief, weil ja die prompte Reaktion erfolgen könne. Soweit die Theorie. Irgendwie muss allerdings der erste Versuch schief gegangen sein. Denn für ihre Blogs schreiben diese Autoren bereits seit Dezember 2006. Nur muss ihnen irgendwie das Publikum nicht auf die Schliche gekommen sein. Man rätselte, warum es keine Reaktionen gibt. Also wurde die Geschichte im tatsächlichen Blatt mit besagtem Beitrag groß angeschoben. Blöd nur, dass es jetzt Beiträge in den Blogs gibt, die die Autoren als faul entlarven. Wie etwa den Sportchef Jens Weinreich. Sein erster und einziger, gleichwohl sehr lesbarer Beitrag zum Thema "Sportler des Jahres" stammt vom 15. Dezember. Seitdem gibt es keinen weiteren Beitrag in seinem Blog, der doch, so zumindest die nun offenbar als sich vorschnell herausstellende Ankündigung, täglich mit Beiträgen gefällt sein soll. Im Anriss zu seinem Blog heißt es: "Im Blog kommentiert er die aktuellen Ereignisse und Hintergründe rund um das Thema Leibesübung." Nur: Von "aktuell" kann kaum die Rede sein; bislang Fehlanzeige in dieser Frage. Von den anderen Autoren Jens Balzer (Feuilleton), Abini Zöllner (Feuilleton), Holger Schmale (Politik) oder Wiebke Hollersen (Lokales) gibt es zumindest Januar-Eintragungen. Immerhin. Die letzten Einträge datieren jedoch vom 18. Januar. Ein tägliches Blog sieht doch anders aus. Vom wahren Leben berichten sie überdies nur bedingt; zuvorderst vom Recherche-Weg ihrer Geschichten. Nun ja, man muss sich wohl erst noch zurechtfinden in der neuen Blogwelt. Sonntag, 21. Januar 2007Neues altes Wikipedia
Es gibt ein neues Wikipedia. Ein Gründer des alten hat das "Citizendium" gegründet.
Noch werden dort Autoren gesucht. Das Prinzip ist ähnlich dem von Wikipedia, nur dass man hier nur Autoren akzeptiert, die sich korrekt anmelden und eine fachliche Referenz besitzen. http://pilot.citizendium.org/wiki/Main_Page Man will damit ein kompetenteres Wissensportal schaffen als es Wikipedia ist. Bei Wikipedia darf noch immer jeder, der sich berufen und kompetent fühlt, sein Halbwissen veröffentlichen, das dann umständlich nachgeprüft werden muss. Bei einigen Einträgen mussten die Seiten gesperrt werden wie besipielsweise bei Osama Bin Laden. Citizenzium soll diese Schwierigkeiten nicht bekommen. Ob das gelingt, ist wohl offen. Freitag, 19. Januar 2007Killer-Kyrill
Kyrill heißt das Killer-Tief deshalb, weil ein Mann namens Rumen Genow aus Neuenhagen (b. Berlin/MOL) seinem Vater namens Kyrill zu dessen 65. Geburtstag eine Freude machen wollte und eine Patenschaft bei der FU Berlin kaufte.
Kyrill wurde das Killer-Tief deshalb getauft, weil ein Mann namens Rumen Genow aus Neuenhagen (b. Berlin/MOL) seinem Vater namens Kyrill zu dessen 65. Geburtstag eine Freude machen wollte und eine Patenschaft bei der FU Berlin kaufte. More...Der Kommentar des Käufers vor der Katastrophe: "Ich hoffe, dass alles friedlich verläuft. Mein Vater soll sein Tief in guter Erinnerung behalten." (Quelle: Märkische Oderzeitung, 19. Januar 2007, Seite 2). Na ja, wohl schief gegangen. Tief Kyrill hat ganz schön gekillt. In Erinnerung wird also Kyrill sein Tief in jedem Fall behalten. Jetzt steht er Pate für einen Killer-Orkan. Oha, was für ein Geschenk zum 65. Meinem Kumpel Thilo, der in der Berliner Torstraße eine Wohnung mit Dachterasse bewohnt, schleuderte es am Abend das Fernsehprogramm der Nachbarn aufs Dach ... Donnerstag, 11. Januar 2007Stille Post
Diese Nachricht wird den reformfindigen Fußball-Weltverbands-Boss Jospeh S. Blatter freuen.
Im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg darf bis auf Weiteres nicht mehr „gelärmt“ werden, wie jetzt verfügt worden ist. Ein hinzugezogener Anwohner empfand es als störend, dass es beim Fußball laut wird. Also klagte er und jetzt sind allererste Lärminstrumente wie Pauken, Trompeten, Trommeln und andere Störquellen verboten, bis ein endgültiges Urteil gefällt worden ist. Nun, dann hau’n die Fans von Turbine Potsdam und dem Oberligisten SV Babelsberg 03 vorerst nicht mehr auf die Pauke. Sie müssen sich andere Anfeuerungen einfallen lassen. Wie wär’s mit stiller Post. Vielleicht gewänne man durch diese innovative Jubelform des Weitergebens von Unterstützungsbekundungen von Ohr zu Ohr, von Zuschauer zu Zuschauer zu Spieler zu Trainer gar einen neuen Sponsor: die Post. Fragt sich nur, ob die Jubelbotschaften dann rechtzeitig bis zum Schlusspfiff ankommen. Scherz beiseite. Denn für einen ist die Verfügung bitterer Ernst: den Schiedsrichter. Sein Lärminstrument Pfeife darf er in Potsdam-Babelsberg nicht mehr anwenden. Es droht Berufsverbot für den Unparteiischen. Bis es endgültig soweit ist, hat er noch Zeit, über Alternativen nachzudenken oder beim Ober-Reformer Blatter anzufragen. Wie wär’s solange mit Augenzwinkern: rechtes Auge Freistoß für die Gastmannschaft, linkes Auge für die Heimelf. Zwinker! Mittwoch, 10. Januar 2007Falscher Sommer!
Vieles ist ja passiert: Über den Schnee von gestern, besonders den heran gekarrten für den Biathlon-Weltcup in Oberhof (3. bis 7. Januar) in Form von Fischeis aus Bremerhaven- danke liebe Fischer -, ist ja längst Gras gewachsen. Im Kino ulkt uns Adolf Hitler einen Dani Levy vor, den Hilfshitler Helge Schneider unter Einsatz atmosphärischer Störungen gar nicht mehr lustig findet. Willkommen in der schönen neuen Scheinwelt! Von gutem Klima ist man also allerorten weit entfernt.
Da kann man getrost nach dem alten Stern-Hitler-Tagebuch-Chefredakteur Peter Koch ausrufen: Große Teile des Weltwetters müssen neu geschrieben werden; besonders die Reihenfolge der Jahreszeiten; oder wir schlagen Europa gleich der südlichen Halbkugel zu, denn jetzt ist da ja Sommer. Also bleibt vorläufig alles, wie es immer war: Die Medienwelt reagiert aufgeschreckt wegen der hitzigen Temperaturen; klar, da kann man schon mal ins Schwitzen kommen, wenn das Klima sich wandelt. Vergessen wir den langen Winter, der ist - man will es kaum glauben - erst ein Jahr her. Da wurden im Tagesrhythmus Menschen vom Schnee erschlagen. Mitten im richtigen Winter. Nun haben wir falschen Sommer; und alles fällt ins Wasser. Wie reflexartig da schon die Toursimus-Industrie ächzt. Regress von Petrus für den verkehrten Aggregatzustand. Wir sollten unser vergalloppiertes Wetter so gelassen sehen wie einst Mark Twain: "Den kältesten Winter, den ich ja erlebte, war der Sommer in San Francisco." Na dann, ein schönes Leben noch! |
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