Konrad Kujau lacht wahrscheinlich immer noch. Jedenfalls scheint seine Dauerfröhlichkeit über den Tod hinaus tauglich für das zu sein, was hier in diesem Land als die größte Medien-Ente des 20. Jahrhunderts etabliert wurde. Denn heute vor genau 25 Jahren, am 25. April 1983, erscheint das Magazin "stern" mit dieser Titelgeschichte:
"Hitlers Tagebücher entdeckt"
Einen Autoren diese Kalibers hatten sie beim "stern" vorher nicht und nachher erst recht nicht. Man würde die Geschichte wahrscheinlich nur übertreffen, wenn sie die Tagebücher von Osama bin Laden finden würden. Die müsste es dann aber bitte wirklich geben. Anderenfalls wäre es nur eine billige Fälschung der Konradkujauschen Idee.
Als alles schon wenige Tage, ja beinahe nur Stunden nach der Veröffentlichung der vermeintlichen Hitler-Episteln erste Zweifel laut wurden und am 6. Mai 1983 die Fälschung offiziell aufflog, mussten nicht große Teile der deutschen Geschichte neu geschrieben werden, sondern nur die Meinung über eines der angesehnsten Blätter Deutschlands. Der "stern" war mit seiner vermeintlichen Enthüllung zur Mediensatire verkommen, die reichlich ausgewaidet wurde.
Niemand beim "stern", weder Reporter Heidemann noch Verleger Nannen wurden stutzig beim anblick ihrer eigenen Titelseite, auf welcher großflächig ein Buchdeckel eines der Tagebücher abgebildet war. Als Initialen standen dort "FH". Das altdeutsch geschriebene "F" sah dem "A", wenn überhaupt, nur flüchtig ähnlich. Schwamm drüber; beim "stern" sah man damals nur noch, was man sehen wollte. Einen Scuop der Extraklasse. Hitler ist besser als jeder akademische Zweifel über ihn. Wie wir alle wissen, hieß er bekanntlich nicht Fritze Hitler. Aber Fritze Hitler wird heute 25. Na herzlichen Glückwunsch an Konrad Kujau und herzliches Beileid dem "stern".
Aber gut; Kujau brachten seine 62 Bände über 9,4 Millionen Mark ein und die Erkenntnis, dass Frechheit siegt. Von seinen vier Jahren und sechs Monaten Haft, zu denen er verurteilt wurde, musste er drei Jahre absitzen. Sein Hitler-Werk wanderte in die Aservatenkammer beim "stern", wo es heute noch schmort. Kujau führte die Kontrollmechnismen der deutschen Journaille vor; für graphologische Gutachten wurden andere Kuja-Fälschungen herangezogen. Also musste die Originalschrift damit übereinstimmen. Erst ein unabhängiges Gutachten des Bundeskriminalamtes belegte den Schmuh: Die Papiersorte war zu neu; vor Kriegsende hatte es solches Papier nicht gegeben. Ergo: Hitler im "stern" ist eine Fälschung und nicht Hitler. Er hieß ja auch nicht Fritze. Spätestens hier lacht Charlie Chaplin ("
Der große Diktator") mit Kujau mit. Und wie: "Schtonk!"
Außer für Häme und bitterböser Satire, die Helmut Dietl 1992 in dem Kinostreifen "
Schtonk!" umsetzt, eignet sich die Posse nur noch für müdes Mitleid; etwa für den damaligen "stern"-Reporter Gerd Heidemann, der in seiner Drei-Zimmerwohnung in Hamburg-Altona noch immer an das gute Ende seiner Story glaubt. Die Story ist ja auch gut - für einen Film. Besser kann man den Stoff kaum verarbeiten, was ja auch die US-Filmakademie mit einer Oscar-Nominierung honorierte. Wenig Trost für den "stern" dürfte es sein, dass einen Tag vor dem Tagebuch-Fake das ZDF mit der US-Steinreichen-Serie "
Denver Clan" loslegte; damals im Abendprogramm des 24. April 1983 mit der ersten Folge gleich nach dem "heute-journal" - am Vorabend der "stern"-Enthüllung. Was das alles miteinander zu tun hat? Ganz einfach: viel Gebrüll um wenig Realtität.
Banalität des Nachrichtenwesens: Tagesschau: "Bundestrainer Joachim Löw hatte es eilig. Er musste zum Zahnarzt. Den ganzen Tag über hatte er starke Zahnschmerzen." Sie sofort darauf in Anspielung auf Schtonk, den Film über die fiktiven Hitler-Tagebü
Aufgenommen: Mai 28, 07:23