Kann man einfach etwas behaupten? Man kann, die Webseite www.behaupte.es macht's möglich. Einfach eine These aufstellen und die Gemeinde stimmt ab, ob sie zustimmt oder die These ablehnt.
Direkter und repräsentativer geht keine Reaktion auf eine Behauptung, wie auch immer sie lautet. So asymetrisch wie die Internet-Gemeinscahft in Echtzeit vorhanden ist, so asymetrisch fällt ihr Urteil aus. Selbst so skrurile Fragen wie die folgende werden dann in einer Umfrage gewogen:
Das mag abwegig klingen; entschieden wird es im Ergebnis der Umfrage. Was sich bisher nur in langwierigen Kommentaren im Web-2.0 abzeichnete - das Stimmungsbild - wird jetzt sofort sichtbar. Man muss nur abstimmen. Ist das vielleicht ein Hinweis darauf, dass das Web 2.0 ausgereizt ist, und nun die neue Qualität erreicht ist? Sicher noch nicht vollends. Wir sind damit aber einen Schritt in eine neue Richtung. "behaupte.es" ist soetwas wie das Text-Youtube - den Inhalt bestimmt der Leser, der Nutzer, nicht der Anbieter. Sicher gab es auch schon vorher Abstimmungen im Internet mit sofortiger Klarsicht, wer vornelegt, allerdings nicht mit Fragen oder wie hier Thesen, die die Nutzer aufwerfen.
Mittlerweile wird schon diskutiert, was hier passiert. Wie bei Thilo Baum, der sich seine
Gedanken über eine Verschiebung der Wirklichkeit mit solchen Seiten macht. Gibt es sie, die Realität, überhaupt noch?
Vielleicht nicht so wie wir sie ursprünglich kennen gelernt haben. Nicht in dieser greifbaren Masse, sondern vermehrt in einer ungreifbaren Vorstellung. Wo das hinführt? Vielleicht zu solchen Thesen wie jenen, die da jetzt als diese Webseite auftauchen. "behaupte.es " entwirft eine durchaus spannende wie unterhaltende, in jedem Fall auch skurile Parallelwelt. Was wäre, wenn wir tatsächlich so eine Abstimmungesgesellschaft würden und es ständig um Entscheidungen dieser Sorte ginge?
Simon Stich aus Hagen hat jedenfalls mal eine lustige Idee in eine Webseite umgesetzt und dabei sogar noch geistreich agiert. Nicht behaupte-es.de aufgesetzt. sondern einfach die spanische Netz-Endung "es" verwendet. Das sollte ja glatt noch mehr Seiten entstehen lassen.
Nachtrag:
Eine ähnliche Seite bietet Hendrik Mans aus München an. Er nennt sie
Dilemma5000; warum soll er entscheiden, wenn genug andere da sind. Richtig: Arbeit delegieren statt selbst werkeln. Immerhin: Denkarbeit hat er geleistet. Dennoch: Schicker finde ich die erste Variante, weil man da so eine hübsche Torte nach der Abstimmung präsentiert bekommt, eine Hitliste der Zustimmungen und Ablehnungen sieht und die Webseite den eindeutig treffenderen Namen hat.