Diese Frage stellt sich so nicht mehr, weil Olympia Teil des Geschäfts geworden ist, durch das diese genannten Firmen viel Geld verdienen. Besonders natürlich durch die krossmediale Vermarktung. Der TV-Konzern NBC bezahlt schlappe drei Milliarden US-Dollar für die Übertragungsrechte an das IOC, was bedeutet, dass die sich ihr Geld von der werbetreibenden Wirtschaft zurückholen werden durch mondpreidige Spots. Und wenn dann noch ein Produkt die olympischen Ringe auf dem eigenen Logo tragen darf, sind das knallharte wirtschaftliche Zwänge. Von Sponsoring ist da also gar nicht mehr die Rede. Hier produziert sich ein multimiliardenschwerer Olympia-Betrieb, den die Verletzung von Menschenrechten kaum stoppen wird. Man will schließlich Geld verdienen.
1980 zu den Boykottspielen von Moskau war das noch anders. Bis damals war ein gewisser irischer Lord Killanin Chef eine elitären Gentleman-Klubs, der Sportler der Ehre wegen antreten ließ und nur nachgeordnet wegen Geld. Sein Nachfolger, der in Moskau installierte Franko-Faschist Juan Antonio Samaranch, beschleunigte zusammen mit Adidas und dessen Chef Horst Dassler die Vermarktung, was erst den Prozess in Gang setzte, aus dem das heutige milliardenschwere Geschäft geworden ist. China, das IOC, die Olympia-Firmen werden das Fest veranstalten, es ist ihres, sie bestimmen die Musik. Boykottieren wird das in unserer Welt niemand, weil es ja in Deutschland auch genug Geld zu verdienen gibt.
So, wie das 28 afrikanische Staaten 1976 zu den Spielen in Montreal veransteltet haben, wird das eine Ausnahme bleiben. Sie führten tatsächliche politische Argumente auf. Die Schwarz-Afrikaner verlangten den Ausschluss Neuseelands, weil die «Kiwis» im Frühjahr mit einem Profi-Team eine Rugby-Tour durch das vom IOC ausgeschlossene Apartheid-Südafrika (von 1964 bis 1988) unternahmen. Das IOC widerstand dem Druck. 28 afrikanische Teams reisten ab.
Jetzt die Frage: Wer hat damals verloren? Sicher das IOC, nur wahrgenommen wurde das anders. Und kann sich heute noch jemand daran erinnern, dass 1976 auch Boykott-Spiele waren? Wohl kaum, ist meine These.
Man sollte sich heutzutage als Sportler also viel mehr Dinge fragen und hinterfragen. Ist es noch sinnvoll, überhaupt Leistungssport zu betreiben? Sinnvoll sicher, da man gutes Geld verdienen kann. Ob man mher mit einem Olympiasieg verdient, ist da schon mehr in Frage zu stellen. Denn weder Boris Becker, noch steffi Graf waren des Geldes wegen von Olympia abhängig trotz ihrer Teilnahme und ihrer Siege 1988 und 1992. Michael Schumacher ist reich ohne Olympia. Und für die Sportler der klassischen olympischen Sportarten wie Leichtathletik oder Schwimmen sollte Olympia nicht zum Hauptargument ihrer Motivation werden, allerhöchstens zum politischen Argument, diesem Zirkus, der an die römische Tradition der Gladiatorenkämpfe anschließt, fernzubleiben.
Würden wir ernsthaft einen Boykott der Peking-Spiele erwägen, müssten wir auch darüber nachdenken beispielsweise deutsche Automobilfirmen oder US-dominierte Mineralölfirmen wegen ihrer globalen Geschäftspraktiken zu boykottieren. Erwägen wir das ernsthaft?
Mehr interessante Beiträge zu den Spielen in Peking gibt's beim
China-Watch-Blog.